GEW Bremen
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Alternativ-Sport geht auch!

4 Sporttaschen für vier Torpfosten, Abstand drei Schritte. Multikultureller Haufen mit Peruanern, Schwarzen, (der Witz von „kommt Farbe in’s Spiel“ wurde als rassistisch natürlich abgelehnt) Türken und andere Kulturen, manche sind schon so alt, die können ihre erwachsenen Söhne mitbringen. Frauen spielen noch nicht mit, aber die können doch auch Badminton spielen.

16.06.2010 - von Wilfried Meyer

Der Altersschnitt liegt so Ende 50, die meisten spielen schon im vierten Jahrzehnt(!) mit. Verträge gibt es keine, nur mündliche Abmachungen: „Komm mit nach vorn, geh mal nach hinten, spiel ab, geh ran und gib mir auch mal das Leder“. Wobei Leder ja auch nicht mehr stimmt. Gib ab, das Plastik, den Flatterball. Neulich hatten wir uns mal einen echten WM-Ball geleistet, drei Wochen später war er verschwunden. So bereiten wir uns seit vielen Jahren auf den fußballerischen Ruhestand vor. Als mal einer liegen blieb mit Herzflimmern und Fußballgott sei Dank gerettet wurde, hat er beim Aufwachen auf der Intensivstation als Erstes gefragt: „Wann kann ich wieder spielen?“ Obwohl der Arzt ihm Radfahren, Joggen und Schwimmen empfohlen hatte: „Dann könnt ihr mich gleich wieder einschläfern“ war die Antwort. Es gibt also eine hohe Affinität zum Fußball. Neben Hin-und Hertragen der Tore, Taschen als Torpfosten gehen nur noch, wenn mal wieder der Toreschlüssel vergessen wurde, Kunstrasen haben wir auch schon probiert, aber die echte Blutgrätsche gelingt besser auf Rasen, Anschnauzen wegen der häufigen Fehlpässe und Alleingänge, Versagen vor dem Tor, pflegen wir natürlich das Traum-Passspiel, denn die Laufwege sind ja seit Jahrzehnten bekannt. Leider kommt der Ball oft zielgenau in diesen Laufweg, aber der Spieler hat es einfach nicht dorthin geschafft. Kurzpässe sind beliebt, für die langen reicht die Kraft nicht. Flanken vom Flügel verlieren manchmal die Präzision der Kaltzschen Bananenflanke. Und trotz zunehmender Verletzungen bekommen wir es immer wieder hin, dass zwei gleichwertige Teams sich messen und selten sind die Ergebnisse einstellig. So haben wir zwischendurch schon das Spielfeld von Groß- auf Kleinfeld gestutzt, tragen aber manchmal auf großem Platz Freundschaftsspiele gegen Mannschaften aus, die den Sport ähnlich gelassen sehen wie wir. Da wurde früher verbissener gekämpft. Auch auf Turnieren wie die deutsche Alternativfußballmeisterschaft in Bremen mit Motto „Etwas besseres als den DFB findest du überall“ oder beim Spontiturnier des Pflasterstrand in Frankfurt, auf dem unser Linksaußen tatsächlich den Sponti/Außenminister-BMW-Berater Joschka Fischer getunnelt hat. Heißt es.

Und von diesen Freizeit- und Alternativmannschaften gibt es unendlich viele, weil es die Sportart zulässt. Hose, Hemd, Socken und Schuhe sowie das Spielgerät „die Pille“ und schon kann es losgehen. Das geht fast überall.
Alle freuen sich auf die dritte Halbzeit, die für einige schon zur wichtigsten geworden ist. Da wird der eine oder andere Spielzug noch einmal diskutiert, aber auch zum letzten Werderspiel hätten wir die bessere Aufstellung und Taktik gehabt.
Und alle traben zufrieden nach Hause und fiebern dem nächsten Sonntag in alter Frische entgegen, haha.

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