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GEW BremerhavenAber bitte keine Holzwege

Stellungnahme zu dem Artikel von Thorsten Maaß »Bewährte und neue Wege« (BLZ 3-2019)

 

16.06.2019 - Von Inga von Hagen, Peer Jaschinski und Bernd Winkelmann - das Sprecher*innenteam des Stadtverbandvorstands der GEW Bremerhaven

Mit Interesse begannen wir die Thesen in der letzten BLZ zu lesen, mit denen der 1. Vorsitzende für die Schulleitungsvereinigung Bremen e.V., Thorsten Maaß, zur bildungspolitischen Diskussion anregen wollte. Schnell wurde aus dem Interesse jedoch Unglauben bis hin zur teilweisen Fassungslosigkeit ob der inhaltlichen Aussagen. Kurzgefasst drängte sich uns folgende Frage auf:
Ernsthaft ? ?
Zum besseren Verständnis hier noch die etwas längere Version unserer Fragestellung zu einigen ausgesuchten Punkten:
Zu 1.: Was genau ist denn nun mit »besser, flexibler, nachhaltiger und professioneller« gemeint? Eine inhaltliche Präzisierung an dieser Stelle könnte nicht schaden und eventuellen Missverständnissen vorbeugen.
Zu 3.: Ist es wirklich ernst gemeint von der Schulleitungsvereinigung, dass sie sich noch mehr Einfluss der Wirtschaft in den Schulen wünscht?
Wir sind an dieser Stelle unsicher, ob es sich bei der formulierten Erwartungshaltung, dass die Wirtschaft sich auf die Schüler*innen einstellen
möge und nicht umgekehrt - woran von Seiten der Wirtschaft ja schon seit Jahren gearbeitet wird - um einen naiven Wunsch oder um einen dreisten Scherz handelt.
Zu 5.: Kann es wirklich sein, dass die Schulleitungsvereinigung noch nichts von der Diskussion über verdichtete und entgrenzte Arbeitszeit gehört hat? Ist die Forderung nach Verbesserung der Arbeitsbedingungen und einer zeitlichen Entlastung wirklich spurlos an den entsprechenden Schulleitungen vorbeigegangen, so dass wir nun die Forderung nach ein er erneuten Ausweitung der sowieso schon umstrittenen Präsenzzeiten lesen müssen?
Zu 6.: Wer ist schon gegen eine Entlastung der Kolleg*innen von »nervigen« und zeitaufwendigen Tätigkeiten? Zu beachten ist hierbei jedoch, dass die Schaffung von Stellen zu diesem Zwecke nur auf dem Boden arbeitsrechtlicher Vorgaben und demokratischer Strukturen denkbar sein können, was wir an dieser Stelle innerhalb der These gerne gelesen hätten.
Zu 7.: Wie haben wir uns eine zusätzliche Anerkennung, Gehalt und Entlastung für besondere Tätigkeiten von »besonders engagierten und belasteten Kolleg*innen« vorzustellen? Wer würde das wohl beurteilen und nach welchen Kriterien? Die Schulleitung? Die Schulaufsicht? »Best of KEKS<< vielleicht oder ein monatliches Voting des Kollegiums, das dann den oder die Kolleg*in des Monats nominiert? Hier lässt es sich schnell ins Schwelgen geraten, dass das Ergebnis ja dann auch aus motivationalen Gründen visuell im Eingangsbereich der Schule aufbereitet werden könnte.
Warnung: Teile dieses Absatzes könnten Spuren von Sarkasmus enthalten...
Noch ein Gedanke zu 7:
Woran könnte es liegen, dass sich nicht alle Lehrkräfte vergleichbar in Teams und Arbeitsbereiche einbringen? Vielleicht daran, dass jede einzelne Lehrkraft auf andere Kinder und Jugendliche mit jeweils anderen Problemlagen, andere Kollegien, andere Bedingungen etc. trifft und dann auch noch eine gänzlich individuelle Persönlichkeit ist...? ...vielleicht...
Zu 8.: Was genau ist denn wohl damit gemeint, dass auf den Personalmangel flexibler reagiert werden solle und formale Hürden abgebaut? Hoffentlich zielt das nicht auf die Reduzierung demokratischer Standards und erkämpfter Arbeitsrechte. Die Hoffnung stirbt zuletzt...
Zum letzten Absatz:
Der Gedanke, dass es zwischen Lehrkräften und Schulleitungen zu Konflikten kommen könne, kam uns beim Lesen der Thesen auch durchaus. Wir hoffen jedoch, dass dieser Text entweder nicht endgültig innerhalb der Schulleitungsvereinigung diskutiert und verabschiedet wurde, oder, dass wir durch unsere Nachfragen noch einmal zum Nachdenken anregen konnten.

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