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5. Bremer Oberschultag 7. Juli 2014 - Wie geht es weiter mit der Oberschule?

Unter diesem Motto stand der 5. Bremer Oberschultag, der als eine Fortbildungs­veranstaltung für Beschäftigte der Bremer Oberschulen gemeinsam von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und dem Verband für Schulen des gemeinsamen Lernens e.V. (GGG) ausgerichtet wurde. In insgesamt 7 Workshops tauschten sich 140 Teilnehmerinnen und Teilnehmer unterschiedlicher Professionen zu aktuellen Fragen und Problemen der Oberschulentwicklung aus. Dabei wurde deutlich, dass die Bilanz nach insgesamt 5 Jahren Oberschule keineswegs einheitlich ausfällt.

07.07.2014 - Harry Eisenach

Den Hauptvortrag der Veranstaltung hielt die langjährige Schulleiterin der Max-Brauer-Schule Hamburg, Frau Barbara Riekmann, u.a. Jury-Mitglied des Deutschen Schulpreises. In ihrer Rede unterstrich sie, dass Bremen es mit der Einführung des 2-Säulenssystems und der vereinbarten Begrenzung auf 7 stadtbremische Gymnasien gelungen sei, dass heute insgesamt ca. 70 % der Bremer Schülerinnen und Schüler eine der 33 Oberschulen besuchten. Damit sei Bremen eine wesentlich günstigere soziale Durchmischung und Heterogenität der Oberschule gelungen als Hamburg, wo nach wie vor ca. 55 % der Eltern in der 5. Klasse für ihr Kind das Gymnasium anwählten und den dortigen Stadtteilschulen die leistungsstarken Schüler entzögen.

 

Auch der Vertreter der Bildungsbehörde, Herr Lars Nelson, betonte in seinem Grußwort, dass die Bremer Oberschule ein Ergebnis des sogenannten Bremer Schulkonsenses sei, der bis 2018/2019 festgeschrieben ist. Danach müsse eine Auswertung dahingehend erfolgen, ob es erstens der Oberschule gelungen sei, die nach wie vor in Deutschland bestehende Koppelung der sozialen Herkunft an die Wertigkeit der Schulabschlüsse aufzulösen, und zweitens, ob die Oberschule auch im nationalen und internationalen Schulleistungsvergleich bestehen könne.

In den anschließenden Workshops sowie auch im Abschlussplenum wurde aber ersichtlich, dass viele der anwesenden Beschäftigten die Zwischenbilanz nach 5 Jahren Oberschule längst nicht so positiv beurteilten wie der Vertreter der Bildungsbehörde: Bemängelt wurde zum einen, dass der Oberschule durch die Gymnasien nach wie vor leistungsstarke und sozial kompetente Schüler entzogen würde. Zum anderen wurde festgestellt, dass es nach wie vor ein starkes Qualitätsgefälle zwischen den einzelnen Oberschulen gäbe: Auf der einen Seite existieren die stark angewählten Oberschulen in Stadtmitte und in den bürgerlichen Stadtteilen, zumeist noch ausgestattet mit eigenen Oberstufen, und auf der anderen Seite gibt es die wenig nachgefragten Oberschulen in sozial schwächeren Stadtteilen. Und auch bei der inhaltlichen und konzeptionellen Ausgestaltung der Oberschulen bestehen erhebliche 


Überaus positiv wurde von den Teilnehmern des Workshops „Inklusion“ die Eingliederung der Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarfen in die allgemeine Schule bewertet, obwohl auch hier festgestellt wurde, dass die Lasten dieses Prozesses wieder ausschließlich den Oberschulen aufgebürdet wurden, während sich die meisten der Gymnasien dieser Aufgabe entzögen. Ebenfalls wurde bemängelt, dass die für die Starterjahrgänge eingeführten Ausstattungsstandards zunehmend aufgeweicht und unterschritten würden, so dass die Inklusion inzwischen unter zunehmend ungünstigeren Arbeitsbedingungen realisiert werden müsse.

 

In weiteren Arbeitsgruppen wurden die Schulabschlüsse in der Oberschule, Fragen der Leistungs­bewertung, der Schulraumgestaltung und der Kooperation von Schulsozialarbeitern, Schulsozialpädagogen und Lehrkräften in multiprofessionellen Teams beraten. Als besondere Baustelle wurde im Abschlussplenum der Aufbau der Oberschul-Oberstufen bewertet, insbesondere auch in Verknüpfung mit der anhaltenden Diskussion um das Abitur nach 8 bzw. 9 Jahren. Bis dato stellt die Exklusivität des Abiturs nach 9 Jahren einen wesentlichen Attraktivitätsvorteil der Oberschule im Vergleich zum verkürzten Abitur nach 8 Jahren des Gymnasium dar, der auch von vielen Eltern so wahrgenommen wird. Dürften nun auch die Gymnasien zum Abitur in 9 Jahren zurückkehren, verlören die Oberschulen diesen Bonus. Auch das Problem der kleinen Oberschul-Oberstufen mit ihrer geringen Jahrgangsbreite und den damit verbundenen begrenzten Kurs- und Profilangeboten wurde diskutiert. Als Ausweg aus der unter Bildungssenatorin Jürgens-Piper eingeschlagenen Abkehr von den großen Oberstufenzentren böte sich jetzt nur noch die Lösung an, dass die regionalen Oberstufen sich zu Verbünden mit abgestimmten Profilen und Zuordnungen zusammenschließen und jede Oberschule einem dieser Verbünde zugeordnet sei.

Zum Abschluss des Fachtages verabschiedeten die Teilnehmer noch eine Protestresolution, in der sie sich gegen die drastische Kürzung der Planungs- und Entlastungsstunden für den Schulent­wicklungsprozess an den Oberschule zum neuen Schuljahr durch die Bildungsbehörde wenden. Anstatt den Oberschul-Prozess zu begleiten und zu koordinieren und in ausreichendem Maße für Zeiten für Schulentwicklung vor Ort bereitzustellen, konterkariere die Bildungsbehörde mit dieser Maßnahme ihre eigenen Absichtserklärungen und unterwerfe auch die Oberschule dem allgemeinen Spardiktat.

Der 5. Bremer Oberschultag von GEW und GGG war ebenso interessanter wie wichtiger Fachtag, wie Teilnehmer und Organisatoren auf dem Abschlussplenum feststellten. Die Planungen für den 6. Bremer Oberschultag im nächsten Jahr wurden bereits aufgenommen.

Die Berichte der Arbeitsgruppen, die Reden und die Resolution können als Download angesehen werden.

 

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