GEW Bremen
Sie sind hier:

2. Bremer Oberschultag 11. April 2011 von GEW und GGG: Austausch über die praktische Schulentwicklung nach 2 Jahren Oberschule

Am 11. April 2011 fand der 2. Bremer Oberschultag von GEW und GGG mit mit ca. 250 Kolleginnen und Kollegen statt. Schwerpunkt war die praktische Schulentwicklung an den einzelnen Schulen.

11.04.2011 - Harry Eisenach

Der Oberschultag war als Fortbildungsveranstaltung angelegt. Gleichzeitig wurde auf kritische Punkte der Entwicklung hingewiesen. Dazu berichtete die GEW-Fachgruppenvorsitzende Regina Eisenach über die Umfrage der Fachgruppe zu den Arbeitsbedingungen beim Aufbau der Oberschule. Die Hälfte der jetzigen Oberschulen hatte geantwortet. Hier 3 wesentliche Ergebnisse der Umfrage:

  1. Entlastungsstunden sind für den ersten Jahrgang überall in den Kollegien angekommen. Für den zweiten Jahrgang an den 8 Starterschulen wurden diese Stunden zunächst im halben Umfang für das Jahr 2010 gewährt. Ab Februar 2011 sind diese Stunden für den nachfolgenden Jahrgang nicht mehr zugewiesen worden.
  2. Die meisten befragten Oberschulen sind Ganztagsschulen. Dort gibt es aber vermehrte Spring- und Vertretungsstunden. Außerdem ist die Beaufsichtigung des Mittagessens oft eine zusätzliche unbezahlte Tätigkeit. Deshalb fordert die GEW, dass diesen besonderen Belastungen an Ganztagsschulen Rechnung getragen wird. Für den Ganztagsbetrieb müssen die Schulen entsprechende Entlastungen erhalten!
  3. In verschiedenen Stadtteilen fehlen Schulräume. Es zeigt sich, dass Ganztagsschule, Inklusion und Teamarbeit zusätzliche Räume erfordern. Die Umfrage ergab, dass 2/3 aller Teams einen Teamraum für den ersten Jahrgang der Oberschule bekommen haben. Teamräume für alle 6 Jahrgänge der Oberschule sind allerdings ohne zusätzliche Baumaßnahmen in den meisten Schulen nicht möglich.

Der Landesvorsitzende des Gesamtschulverbandes GGG Karlheinz Koke wies in seiner Begrüßungsrede darauf hin, wie wichtig die Schaffung von Netzwerken für die Schulentwicklung an den Oberschulen ist. Der Oberschultag dient dem Ziel, ein Netzwerk zwischen den Schulen zu unterstützen.

Das Hauptreferat der Tagung von Achim Albrecht, pädagogischer Leiter der Offenen Schule Kassel-Waldau, beschäftigte sich mit der veränderten Lehrerrolle beim individualisierten Lernen, das zunehmend die Praxis der auch für die Oberschulen wegweisenden Gesamtschulpädagogik ist.

Frau Cornelia von Ilsemann, Leiterin der Abteilung Bildung bei der Senatorin für Bildung unsd Wissenschaft begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fachtagung und verwies darauf, dass die Behörde den Oberschulaufbau tatkräftig unterstütze und wie im letzten Jahr den Oberschulschultag in einem Rundschreiben an die Schulen ausdrücklich empfohlen habe. Das große Interesse am Oberschultag zeige, dass die Bremer Pädagoginnen und Pädagogen sich engagiert am Reformprozess beteiligen. Frau von Ilsemann bat GEW und GGG darum, auch 2013 wieder einen Oberschultag durchzuführen. Die Behörde würde diese Veraqnstaltung auch im nächsten Jahr unterstützen.

Regina Eisenach für die GEW und Karlheinz Koke für den Gesamtschulverband GGG übergaben Frau von Ilsemann die nachstehende Erklärung:

Oberschulaufbau geht nicht zum Nulltarif – Wir brauchen konkrete Unterstützung!

  1. Die GGG / Verband des gemeinsamen Lernens e.V. und die GEW-Fachgruppe Oberschulen empfinden es als einen politischen Skandal, dass der Aufbau der Oberschulen für die meisten Kolleginnen und Kollegen ohne jegliche Entlastung erfolgen soll. Nur für den Pilotjahrgang gibt es eine symbolische Unterstützung von 8 Stunden pro Schule, die der bisherigen und noch zu leistenden Arbeit in keiner Weise entspricht. Dem Folgejahrgang wurden ab 1. Februar 2011 keine Stunden mehr zugewiesen. Die nachfolgenden Jahrgänge sollen ebenfalls leer ausgehen. Das ist keine Wertschätzung unseres Engagements! Wir fordern: Alle Kolleginnen und Kollegen, die jetzt und in der Zukunft die Oberschule in ihren Jahrgangsteams aufbauen, müssen fortlaufend mindestens 1 Entlastungsstunde erhalten!
  2. Die meisten Oberschulen verfügen nicht über ausreichende räumliche Bedingungen für Inklusion, Differenzierung, Förderung, Ganztagsschule und Teamarbeit. Wir fordern Investitionen in die Schulgebäude für eine ansprechende Lernumgebung der Kinder und gute Arbeitsbedingungen der Pädagoginnen und Pädagogen. Notwendig sind zusätzliche Differenzierungs-, Förder- und Teamräume für jede Oberschule sowie eine gut ausgestattete Mensa und ausreichend Räume für den Ganztagsbetrieb.
  3. Von der Senatorin für Bildung und Wissenschaft und den politisch Verantwortlichen in Senat, Parteien und Fraktionen erwarten wir anstelle unverbindlicher Aussagen in Wahl- und Regierungsprogrammen, dass durch konkrete Beschlüsse die notwendigen Bedingungen für den erfolgreichen Aufbau der Oberschulen geschaffen werden!

Gespräche mit der Senatorin nach dem Oberschultag brachten Teilerfolg

In den Osterferien führten der Personalrat Schulen und der Geschäftsführende Landesvorstand der GEW Gespräche mit Senatorin Jürgens-Pieper. Die Senatorin betonte, dass die Kürzung der Entlastungsstunden nicht in ihrem Sinne erfolgt sei und korrigiert werde. Auch in Zukunft erhält wie ursprünglich geplant das neue 5. Jahrgangsteam ein halbes Jahr vor dem Schuljahr und im 1. Halbjahr der 5. Klasse eine geringe Entlastung in Höhe der hälftigen Stunden der Pilotteams. Unser Protest hat somit einen Teilerfolg gebracht. Dabei gibt sich die GEW aber nicht zufrieden. Wir fordern weiterhin von den politisch Verantwortlichen die Sicherstellung der notwendigen Rahmenbedingungen für erfolgreiche Arbeit. Dazu gehört angesichts der beschlossenen Schuldenbremse auch die Absicherung im Haushalt.

Präsentationen der Oberschulen

Anschließend präsentierten die Oberschulen Wilhelm-Kaisen, Roland-zu-Bremen, Koblenzer Straße und Ronzelenstraße Teile ihrer Konzeptionen und ihrer ersten Erfahrungen.

In den 8 Workshops des Oberschultages fand ein gegenseitiger Austausch statt:Veränderte Lehrerrolle

  • Praktische Wochenplanarbeit (WUK, Deutsch, Mathe) –Möglichkeiten der individualisierenden Differenzierung
  • Jahrgangsteamarbeit – Kommunikation – Dokumentation
  • Individuelle und kooperative Lernformen
  • Kompetenzorientierung des Unterrichts und Lernentwicklungsrückmeldung
  • Inklusion: Konzeptionen, Erfahrungen, Probleme
  • Fächerübergreifende Projekte
  • Lernbüro / Studienzeit am Beispiel Englisch

5 Arbeitsgruppenberichte und -materialien liegen als Download vor.

Im Abschlussplenum erfolgten einige kurze Rückmeldungen aus den Arbeitsgruppen. Hervorgehoben wurde von mehreren Teilnehmern der gute arbeitsorientierte Verlauf des Oberschultages.
Regina Eisenach und Karlheinz Koke dankten allen Referenten und Arbeitsgruppenleiter und kündigten für 2013 den nächsten Oberschultag an.

Zurück