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Inklusion10 Jahre Inklusion an Bremer Schulen –

Es kommt nicht darauf an sie zu interpretieren, es kommt darauf an sie zu verändern

19.03.2019 - Christian Gloede

„10 Jahre Inklusion im Bremer Schulgesetz sind zwar ein Grund zum Feiern, bilanziert man diese Jahre aber ehrlich, stellt man fest, dass immer noch wichtige Rahmenbedingungen für funktionierende Inklusion fehlen.“ Die GEW Bremen unterstützt und begrüßt die heutige Veranstaltung zur Bilanzierung der zehn Jahre Inklusion, die vom „Bremer Bündnis für schulische Inklusion“ initiiert wurde, dem mehr als 30 Organisationen angehören.

Bremen – „Wir brauchen an dieser Stelle Erfolgsmeldungen, um die vielen hoch engagierten Kolleg*innen und Eltern nicht zu brüskieren, die sich seit Jahren und zum Teil Jahrzehnten für integrative/inklusive Lernbedingungen von Kindern und Jugendlichen einsetzen. Aber wir dürfen vor lauter Jubiläumsfreude nicht die Augen vor der Realität verschließen. Die Rahmenbedingungen für inklusive Lernprozesse entwickeln sich nicht so weiter, wie es zwingend notwendig wäre – die meisten fehlenden Lehrer*innenstellen sind inklusiver Natur, pädagogisch qualifizierte Assistenzkräfte werden kaum noch gefunden. Die Akzeptanz der zusätzlichen Belastung gerade in Oberschulen, aber zunehmend auch in Grundschulen schwindet auch in den Kollegien. Hier setzt Politik etwas aufs Spiel, dessen gesellschafts- und bildungspolitische Folgen kaum abzuschätzen sind“, erklärt Christian Gloede, Landesvorstandssprecher der GEW.

„Es kommt nicht darauf an, diese Bedingungen zu interpretieren, sondern es kommt darauf an, sie nun endlich zu verändern!“ Bremen war auch in der Praxis inklusiver Beschulung einmal führend in dieser Republik, mittlerweile stünde dies nur noch auf dem Papier, so Gloede.

„Wenn demnächst protestierende Kollegien mit ihren Schüler*innen auf dem Marktplatz stehen, ist dies (noch) nicht gegen Inklusion gerichtet, sondern bringt eine Belastung zum Ausdruck, die für viele nicht mehr auszuhalten ist – da hilft dann auch eine gerechtere Bezahlung nicht weiter.“

Vor allem aber werde ein Willen und eine Verantwortung dokumentiert, den pädagogischen und Bildungsauftrag im Interesse der Kinder und Jugendlichen erfüllen zu wollen. „Die Bedingungen dafür zur Verfügung zu stellen ist Aufgabe der Politik, die Kompetenzen dazu bringen die Kolleg*innen mit.“

Mit dem „Schulkonsens“ hat die Politik in Bremen ein zwei-Säulen-Modell für weitere Jahre bestätigt, dass die Umsetzung einer inklusiven Schule allein aufgrund der Struktur erschwert, wenn nicht unverzüglich alle Schulen, auch die Gymnasien und Privatschulen in diesen – inklusiven – Bildungs­auftrag einbezogen werden. „Horn darf sich nicht wiederholen“, fordert Gloede mit Blick auf die Aus­einandersetzung im letzten Jahr zur Beschulung von Kindern mit Förderbedarf am Gymnasium Horn.

Für Nachfragen steht zur Verfügung: 
Christian Gloede | 0174-9790755

Zum Nachlesen:

„Die Weiterentwicklung inklusiver Pädagogik und Didaktik ist eine sehr anspruchsvolle und langwierige Aufgabe, weil sie von Pädagoginnen eine Haltungsänderung und die Erweiterung ihrer pädagogischen und didaktischen Kompetenzen sowie eine gemeinsame zielgerichtete Unterrichtsentwicklung in der ganzen Schule erfordert.“
(Aus dem Bündnis-Memorandum „Inklusion in Schule und Bildungspolitik ins Zentrum rücken“)

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