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1. Bremer Oberschultag 19. April 2010 von GEW und GGG: Erster Austausch über den derzeitigen Aufbau der Oberschule

Am 19. April 2010 fand der 1. Bremer Oberschultag von GEW und GGG mit großer Beteiligung der Pädagoginnen und Pädagogen aus dieser neuen Schulart statt. Schwerpunkt war der gegenseitige Austausch über die gegenwärtige praktische Schulentwicklung an den einzelnen Schulen. Damit soll ein Netzwerk zwischen den Schulen aufgebaut (unterstützt) werden.

19.04.2010 - Harry Eisenach

Nach einem Jahr Oberschulentwicklung an 8 Bremer Schulen veranstalteten der GEW-Stadtverband Bremen und der GGG-Landesverband Bremen diesen ersten Bremer Oberschultag.

Die GEW-Landesvorstandssprecherin Elke Baumann und der GGG-Landesvorsitzende Karlheinz Koke eröffneten die Tagung.

Den Hauptvortrag unter dem Titel "Welche Chancen haben die Oberschulen im 2-Säulen-Modell" hielt der GGG-Bundesvorsitzende Lothar Sack. Er verwies auf die gegenwärtige Entwicklung in Deutschland zum 2-Säulen-Modell und im internationalen Vergleich deutsche Sonderentwicklung der frühen Selektion hin. Für ihn ist schon bei den Preisträgern des Deutschen Schulpreises deutlich, dass dort die integrierten Schularten der Grund- und Gesamtschule die erfolgreichen Schulen sind. Auch die Lernforschung gibt eindeutige Hinweise für ein integriertes Lernen und integriertes Schulsystem.Für ihn ist ein Paradigmenwechsel dringend notwendig.

Cornelia von Ilsemann, Leiterin der Abteilung Bildung der Senatorin für Bildung und Wisssenschaft begrüßte die Teilnehmer*innen.

Der gegenseitige Austausch zwischen den 8 bisherigen Oberschulen und den über 20 Sek-I-Schulzentren, die sich in den kommenden Schuljahren in Oberschulen umwandeln werden, erfolgte vorwiegend in den 10 Arbeitsgruppen:

  • AG 1: Innere und äußere Differenzierung
  • AG 2: Inklusion praktisch: Arbeit im Team
  • AG 3: Schulleben im sozialen Brennpunkt
  • AG 4: Unterricht weg vom Frontalunterricht: Beispiele in Mathematik
  • AG 5: Unterricht weg vom Frontalunterricht: Beispiele in Deutsch
  • AG 6: Unterricht weg vom Frontalunterricht: Beispiele in Englisch
  • AG 7: Erfahrungen bei der Teambildung und Teamentwicklung
  • AG 8: Verkürzter Bildungsgang an der Oberschule?
  • AG 9: Integrative Sprachförderung ab Klasse 5
  • AG 10: Rückmeldekultur: Lernentwicklungsberichte, Zensuren, Sprechtage ...

Zum Abschluss des Oberschultages wurde in der nachstehenden Erklärung bekräftigt, dass die Kolleginnen und Kollegen integrativ und inklusiv arbeiten wollen, wofür sie von den Verantwort-lichen und Behörde bessere Bedingungen für die pädagogische Praxis fordern.

Erklärung des 1. Bremer Oberschultages von GEW und GGG am 19.04.2010:

 

  1. Die Schulzentren der Sekundarstufe I sowie die Gesamt- und Integrierten Stadtteilschulen wandeln sich in den nächsten Jahren in Oberschulen um. Spätestens in den nächsten zwei Jahren wird die inhaltliche Umgestaltung zu integrierten Schulen an allen Standorten beginnen. Gleichzeitig werden zum neuen Schuljahr Kinder mit ausgewiesenem Förderbedarf in den Bereichen Lernen, Sprache und Verhalten gemeinsam mit den anderen Kindern unterrichtet.Wir wollen eine Schule, die alle SchülerInnen in gemeinsamen Klassenverbänden zu möglichst hohen Abschlüssen führt. Dabei haben Binnendifferenzierung und individuelle Förderung einen hohen Stellenwert.

    Die Oberschule wird allerdings nicht die „Eine Schule für alle“ im Stadtteil sein, da rund ein Fünftel der SchülerInnen weiterhin das isolierte Gymnasium besucht. Die Integrationsleistung unserer Schulen kann sich dann besser entfalten, wenn das 2-Säulen-Modell überwunden wird. Wir erwarten, dass dieser Weg in den nächsten Jahren politisch beschritten wird!

  1. Für uns Pädagoginnen und Pädagogen verändert sich durch die Umwandlung unserer Schulen in integrative Systeme die Arbeit in erheblichem Maße. Wir sind bereit, dabei unser Engagement einzubringen. Um erfolgreich zu sein, brauchen wir die Unterstützung durch Politik und Behörde, die zwar zugesagt wurde, aber in wesentlichen Teilen bisher nicht abgesichert ist.Wir brauchen mehr Zeit für Kooperation und Fortbildung. Ein Eckpfeiler ist die Kooperation im Jahrgangsteam. Hierfür brauchen alle KollegInnen des Jahrganges mindestens eine Kooperationsstunde als erster Schritt zur einer Senkung der Unterrichtsverpflichtung.

    • Wir brauchen mehr Zeit für Kooperation und Fortbildung. Ein Eckpfeiler ist die Kooperation im Jahrgangsteam. Hierfür brauchen alle KollegInnen des Jahrganges mindestens eine Kooperationsstunde als erster Schritt zur einer Senkung der Unterrichtsverpflichtung.
    • Wir brauchen eine Kultur der Kooperation und Netzwerke zum gegenseitigen Austausch, insbesondere in den Regionen. Die schädliche Konkurrenz und Abgrenzung zwischen den Schulen müssen überwunden werden.
    • Die neuen Oberschulen sollen sich als Stadtteilschulen entwickeln. Hierfür muss die Nähe des Wohnortes zur Schule Priorität bei der Aufnahme haben.
    • Wir brauchen Ganztagsschulen und kleinere Klassen mit der Höchstfrequenz 20 für einen Unterricht, der allen Kindern gerecht wird.
    • Wir brauchen eine bessere Ausstattung der Schulen mit Unterrichtsmaterial, Medien (Bücher, Kopien, Computer, Anschauungs- und Experimentiermaterial etc.) und Personal für die Binnendifferenzierung und Eigentätigkeit der Schülerinnen und Schüler. Dazu gehört auch die zeitweise Doppelbesetzung.
    • Wir brauchen dauerhaft bauliche Veränderungen und damit Investitionen in die Schulgebäude für ansprechende Lernumgebungen der Kinder im Klassen- und Fachraum, für Projekt- und Gruppenarbeit, für weitere Angebote im Schulleben, für den Ganztagsbetrieb sowie für Team- und Einzelarbeit von Kolleginnen und Kollegen.
    • Wir brauchen ausreichende Angebote der kostenlosen Fort- und Weiterbildung, die dauerhaft, verlässlich und konkret sind und nicht den einzelnen aktuellen Haushaltsnotlagen geopfert werden dürfen.
    • Wir brauchen mehr Unterstützung und Förderung für die Kinder mit Migrationshintergrund. Bei einer Migrationsquote von demnächst über 50 % in der Stadt, die regional zum Teil erheblich höher ist, müssen massive Anstrengungen unternommen werden, um allen Kindern bessere Chancen beim Lernen zu ermöglichen. Psychosoziale Versorgung und Unterstützungssysteme müssen mehr Psychologen und Sozialpädagogen mit Migrationshintergrund und interkulturellen Kompetenzen beschäftigen.
    • Wir brauchen mehr Zeit für Kooperation und Fortbildung. Ein Eckpfeiler ist die Kooperation im Jahrgangsteam. Hierfür brauchen alle KollegInnen des Jahrganges mindestens eine Kooperationsstunde als erster Schritt zur einer Senkung der Unterrichtsverpflichtung.

    Wir - die „GGG - Verband für Schulen des gemeinsamen Lernens e.V.“ und die GEW-Fachgruppe Oberschulen - organisieren uns in diesem Prozess durch eigene Netzwerke des Austausches und der Kooperation.. Die GEW-Fachgruppe Oberschulen wird mit dieser Fachtagung ins Leben gerufen und trifft sich am 20. Mai 2010 um 18.00 Uhr im DGB-Haus.

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