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Gewerkschaftliche Orientierung

»Es mangelt weniger an Herzblut, als dass die Herzen bluten«

Bilden wir einen Gegenpol

Problem mit der Positionierung

Wer sind alle, wer ist die Politik und was Gewerkschaft. Inklusion ist ein abstraktes gesellschaftliches Ziel. Grundlage unseres Zusammenlebens sind Diskurs und Aushandlungsprozesse, Gewerkschaften haben in unserer Verfassung u.a. die Funktion, an Meinungsbildungsprozessen mitzuwirken. Nun sind wir wahrscheinlich konkret als Stimme im Diskurs zu leise. Ich denke aber, wir haben auch ein Problem mit der Positionierung.

Im politischen Diskurs finden sich Vertreterinnen und Vertreter sowohl fundamentalistischer als auch pragmatischer umsetzungsbezogener Positionen.

Nennen wir sie Fundis und Realos. Fundis sorgen dafür, einen Diskurs am Laufen zu halten, Realos verschreiben sich der Aufgabe, das Machbare zu machen. Bestenfalls findet und ergänzt sich das. Wahrscheinlich machen wir uns das zu wenig klar und ich nehme wahr, dass uns vielfach die Fundis ausgehen und die Realos sehr hilflos sind, wenn sie nicht unmittelbar Bezüge zu Machbarkeiten herstellen können. Wo ist aber nun die Orientierung? Das abstrakte Ziel ist klar und wir haben ja auch schon viel daran gearbeitet, wie es gehen würde, wenn wir bestimmen dürften: Da wurden steuerpolitische Konzepte entworfen, formuliert, wie eine inklusive Schule aussehen müsste etc., nur letztlich sollten wir uns vergegenwärtigen, dass das wenig Wert hat, wenn nichts mehr an diesen Zielen, sondern alles nur noch am konkret Machbaren gemessen wir.

Ich glaube für mein gewerkschaftliches Umfeld sagen zu können, es mangelt weniger an Herzblut, als dass die Herzen bluten. Trotzdem sind Stagnation und Rückschritt sicht- und fühlbar, viel Kraft und Zeit geht in die Verteidigung der Idee, die in Zeiten von Fehlplanungen, Mangel und Ideenlosigkeit gerne zum Sündenbock gemacht wird. Leider sehen wir auch in den eigenen Reihen Kräfte wirken, die sich z.B. viel zu oft mit einer Senatorin gemein machen, die bewusst die politische Vermarktung des Begriffs „Inklusion“ nicht vom eigentlich gemeinten anzustrebenden gesellschaftlichen Zustand unterscheidet.

Aber es stimmt, die Sache erfordert immer wieder neuen Anlauf und wir sollten die Vision einer gerechteren Gesellschaft niemals den Buchhaltern des politisch machbaren überlassen, sondern ihr Tun kritischer als bisher an der Orientierung am Ziel einer inklusiven Gesellschaft messen und müssen dabei sicher auch stärker als bisher fundamentale Positionen einnehmen.

In jedem Sinne barrierefreie Neubauten und endlich die Abschaffung von den segredierenden Sonderschulen, Gymnasien und Privatschulen wären ein konkreter erster Schritt, in jedem Fall aber eine richtige Forderung.

Stagnation und Rückschritt
Stillstand? Ich dachte wir sind eine Bewegung – die steht nicht still! Zugegeben: In Bezug auf das oben gesagte sind vielleicht ein paar orthopädische Veränderungen am Bewegungsapparat zu korrigieren, damit die Betroffenheit der Betroffenen auch stärker handlungsleitend wird und sich die Bewegung auch zur richtigen Zeit und am richtigen Ort auf der Straße bewegt. Zu brav waren wir hier in jedem Fall.  Aber die 13 ist noch nicht in der Tüte und ich persönlich wäre auch bereit, für bessere Arbeitsbedingungen zu streiken. Das Ansinnen, der kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle und den herrschenden Zuständen größeres Gewicht zu geben, teile ich.

In einem nicht klar definieren Selbstverständnis findet sich vielleicht auch ein Ansatz, die Hemmnisse beim Mobilisieren der Massen zu erklären.

Demokratie lebt vom Mitmachen! So umfassend ist das das dann ja auch nicht: Wir können miteinander reden, demonstrieren, Stellvertreterinnen und Stellvertreter wählen und entscheiden, wem wir unser Geld geben. In jedem Fall sind wir aktiv gefordert und müssen erkennen, dass Stellvertreterkämpfe nicht funktionieren. Für mich ist die Gewerkschaft ein Forum für Aktive.

Passive Unterstützung schadet nicht, problematisch ist es aber, wenn der Anteil der passiven Kämpferinnen und Kämpfer den der Aktiven übersteigt.

Mich stört es sehr, wenn unsere Gewerkschaft als Dienstleisterin gesehen wird oder sogar als solche auftritt. Das kann nicht funktionieren. Ebensowenig funktioniert es, wenn sich die Aktiven an den Aktivierungshemmnissen der Passiven aufhalten, statt in die Aktion zu gehen.

Radikal denken
Vergleichen behebt nichts und zum Kapitulieren gehört doch erst mal das Kämpfen. Es wäre schön mehr Geld zu haben. Noch schöner wäre es für mich, wenn wir uns alle mal erlauben würden, radikal zu denken, was mit den gegebenen Ressourcen machbar wäre. Bilden wir einen Gegenpol, so dass man sich unseren Ideen stellen muss, statt dass wir uns hinter fehlenden Freiheitsgraden verstecken und laßt uns bitte herausstellen wer und was uns da behindert, bevor ein Menschenrecht opfern.

Kämpferischere Debatten
In der Wirtschaftswissenschaft heißt das Märchen „Schweinezyklus“. Da liegt wohl ein Organisationsverschulden über mehrere Generationen von politisch Verantwortlichen vor, dass mich der Idee immer näher bringt, dass Politikerinnen und Politiker für die Nachhaltigkeit ihrer Entscheidungen bezahlt werden sollten, da sich Ziele mit dem Zeithorizont verändern können. Vielleicht gilt Gleiches ja auch für Gewerkschaftsfunktionäre? Ich habe keinen mit einem Stift in der Hand losgeschickt und denke, dass das mindestens auf Ebene des Gewerkschaftstages hätte besprochen und entschieden werden müssen …

reingefallen? 

Nein.