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Projekt: Gute Bildung für Geflüchtete

Die GEW Bremen engagiert sich für Geflüchtete und fordert Qualität in der Bildung für alle Neu-Bremer*innen!

Die GEW Bremen hat sich erfolgreich um finanzielle Unterstützung für das Projekt „Gute Bildung für Geflüchtete an Schulen“ beworben. Damit greift sie eine der derzeitig wichtigsten politischen und gesellschaftlichen Debatten auf. Denn während die Integration von Flüchtlingen und Migrant*innen wiederholt als politisches Ziel ausgegeben wird – und Bildung hier als ein zentraler Faktor verstanden wird, werden Schulen mit der Bewältigung dieser Aufgabe alleine gelassen. Die Folgen sind katastrophale Lehrbedingungen der Kolleg*innen und desolate Lernbedingungen für geflüchtete Kinder und Jugendliche.

Das Projekt fördert und unterstützt Aktivitäten die diese Probleme angehen – um die Arbeitsbedingungen des betroffenen Lehrpersonals zu verbessern und bessere Bildungsqualität für alle Neu-Bremer*innen sicherzustellen.
Damit organisiert die GEW Bremen eins von 14 europäischen Projekten, die von der Bildungsinternationalen (BI) finanziert werden. Diese zielen darauf ab, Lehrkräfte, Gewerkschaften und die umliegenden Gemeinschaften, für die Herausforderungen die sich durch Flucht und Migration ergeben, zu stärken.

Ziele und Hintergründe

Die Ziele des Projektes „Gute Bildung für Geflüchtete an Schulen“ sind:

  1. alle am Bildungsprozess beteiligten Akteure, die mit der Beschulung von Flüchtlingen und Migrant*innen betraut sind, zu organisieren und mit ihnen für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu streiten;
  2. gute Bildung für Neu Bremer*innen sicherzustellen.

Unter Einbezug aller am Schulbetrieb Beteiligten soll eine Problemanalyse vorgenommen werden. Hierbei sollen Kolleg*innen die Möglichkeit erhalten, aus ihrem Arbeitsalltag zu berichten. Wichtige Themen sind unter anderem die Sprachbildung, die Integration in die Regelklassen und die Vorbereitung auf den Übergang in das Berufsleben. Über die gesammelten Verbesserungsvorschläge wird ein Katalog von Maßnahmen zu einem Konzept gebündelt, das zur Erhöhung der Bildungsqualität für Neu-Bremer*innen beiträgt.
Dieses Konzept wird im Sommer 2017 in einem Aktionsprogramm der breiten Öffentlichkeit präsentiert. Insbesondere werden konkrete Forderungen formuliert, um diese mit allen politischen Verantwortlichen zu verhandeln und politischen Druck aufzubauen. 

Aktivitäten und Zeitrahmen

Die Projektaktivitäten sind für einen Zeitrahmen von einem Jahr, zwischen Herbst 2016 und Ende 2017, geplant.

Schulbildung für alle? – Auftaktveranstaltung

Mit dem Projektauftakt im November 2016 wurde im DGB Haus Bremen eine erste Analyse der Lage vorgenommen. In Kooperation mit dem Flüchtlingsrat Bremen, wurde den Teilnehmer*innen eine Übersicht über die aktuelle Situation an den Schulen in Bremen und Bremerhaven gegeben. Die Veranstaltung verstärkte das Bild, dass sich bereits bei der Personalversammlung der Vorkurslehrkräfte am Tag zuvor eingestellt hatte. Die Liste der Schwierigkeiten ist endlos – Lehrende in den Vorklassen und Willkommensklassen haben nicht nur mit steigenden Gruppengrößen, fehlenden Unterrichtsmaterialien und Lehrkonzepten zu kämpfen - häufig sind die Klassen auch sehr heterogen, so dass Analphabet*innen zusammen mit Schüler*innen in Vorbereitung auf die erweiterte Berufsbildungsreife unterrichtet werden müssen. Hinzu kommt, dass vielfach keine ausreichende Unterstützung durch Sozialpädagog*innen vorgesehen ist.
Marc Millis vom Flüchtlingsrat Bremen stellte die gemeinsame Kampagne der Flüchtlingsräte der Länder und der GEW „Schule für alle“ vor. Er wies auf die Situation der Kinder und Jugendlichen in den Erstaufnahmezentren hin. Diese werden häufig nicht eingeschult, obwohl die Verweildauer in diesen Lagern häufig bis zu sechs Monate betragen kann. Derzeitig handelt es sich dabei um 1000 Kinder und Jugendlichen (Stand Frühjahr 2016), denen das Recht auf Bildung in Bremen verwehrt wird.

Chancengleichheit und Integration im Bildungssektor stärken - Internationale Konferenz zu Bildung für Geflüchteten

Vom 24. bis zum 26. November 2016 nahmen mit der Unterstützung der BI und des GEW Hauptvorstandes drei Mitglieder aus Bremen an eine Delegation der GEW an der Internationalen Konferenz „Providing Education to Refugee Children from Conflict Areas in the Middle East – Fast Track to Equal Opportunities and Integration” in Stockholm teil. Die Konferenz wurde von der Bildungsinternationalen (BI) organisiert und richtete sich vor allem an Vertreter*innen von Bildungsgewerkschaften aus dem arabischen und europäischen Raum. In den zahlreichen Arbeitsgruppen und Podiumsdiskussionen verpflichteten sich nicht nur Vertreter*innen der Bildungsgewerkschaften, sondern auch Regierungsvertreter*innen und andere zivilgesellschaftliche Akteure, das Menschenrecht auf Bildung für Flüchtlinge in Europa umzusetzen. Neben gemeinsamen Strategien, die das Umdenken in der Flüchtlingspolitik auf gesamteuropäischer Ebene unterstrichen, wurden aber auch Ideen über lokale Projekten und Strategien in Schulen ausgetauscht. Martina Hilmer, GEW Projektkoordinatorin, hob das Miteinander in der internationalen Gemeinschaft und das kollektiv getragene Verständnis darüber, welchen hohen und absoluten Stellenwert Bildung für unsere Kinder und Jugendliche hat, hervor. „Kinder (und junge Menschen) dieser Welt – egal wo und wie sie leben, müssen friedlich aufwachsen dürfen und Zugang zu nachhaltiger Bildung und beruflicher Ausbildung haben. Es gibt unendliche Facetten zum Erreichen dieses Ziels. Hauptsache ist, dass die junge Generation eine Chance auf eine aussichtsreiche berufliche Zukunft hat,“ betonte Hilmer.

Weitere Berichte über die Konferenz, gibt es hier:
-    Verantwortung für die Bildung Geflüchteter tragen (13.12.2016 - GEW )
-    Messengers of hope” inspire commitments to the education of refugees (24.11.2016 – BI)
-    Educators’ optimism and conviction evident as refugee education receives attention it deserves (21.11.2016 – BI)
-    Education central to empowering refugees (20.11.2016 – BI)

© Bildungsinternationale

Geplante Aktivitäten – Wie geht es weiter?

Im Januar und Februar 2017 werden Fachgespräche organisiert. Diese Gespräche werden an verschiedenen Primar-, Ober- und Berufsschulen organisiert. Die Lehrkräfte, die geflüchtete Kinder und Jugendliche unterrichten, berichten über ihre bisherigen Lehr- und Lernbedingungen und über ihre Ideen zur Erhöhung der Bildungsqualität für diese Zielgruppe.
Das Hauptziel ist es, spezifische Bedarfe der einzelnen Schulstufen zu erfassen und den Lehrer*innen in den Vorklassen die Möglichkeit zu bieten, konkrete Ideen und Forderungen zu formulieren.

Im September 2017 werden auf einem Fachtag die ersten Projektergebnisse vorgestellt. Die Veranstaltung soll Lehrkräften und Expert*innen von außerschulischen Institutionen eine Plattform zum Austausch und zur Diskussion bieten.

In einem Aktionsprogramm mit Forderungen an die politischen Verantwortlichen werden die Projektergebnisse im Herbst 2017 veröffentlicht.

Bildungsinternationale

Die Projektgelder werden von der Bildungsinternationalen (BI) überwiegend zur Verfügung gestellt. Die BI ist der internationale Dachverband von Bildungsgewerkschaften aus 170 Ländern. Der Verband setzt sich weltweit für ein qualitativ gutes und öffentliches Bildungssystem ein. Im Rahmen des Programms zur „Verwirklichung des Rechts auf Bildung für Flüchtlinge“ werden in Europa verschiedenste Projekte finanziell gefördert. Dank der Zuwendung kann die GEW Bremen das Projekt durchführen. Auch andere Gewerkschaftsverbände aus beispielsweise Belgien, Polen und Griechenland sind an Projekten der Bildungsinternationalen beteiligt.

© Bildungsinternationale

GEW Bremen organisiert Fachtag zur besseren Bildungsqualität von Geflüchteten

Im Rahmen des Projektes „Gute Bildung für Geflüchtete an Schulen“, organisiert die GEW Bremen am 21. September 2017 einen Fachtag.

Der Fachtag richtet sich an Lehrkräfte und schulisches Personal und soll die Bildungsqualität von geflüchteten Kindern und Jugendlichen im Bundesland Bremen beleuchten. Die ca. 100 Teilnehmer*innen erwartet ein vielfältiges Programm, bestehend aus Referaten und Workshops. Es werden Themen wie die interkulturellen Kompetenzen von Lehrkräften, Umgang mit Vorurteilen, und Best-Practice Beispiele in der Schularbeit vorgestellt. Außerdem wird in verschiedenen Workshops unter anderem der Flüchtlingsrat Bremen zur Wort kommen und deren konkrete Arbeitsprojekte an Schulen vorstellen. Ferner wird die Handwerkskammer an dem Fachtag teilnehmen und über Möglichkeiten des Einstiegs in die Berufsausbildung für Geflüchtete informieren.

Ansprechpartner_in
Martina Hilmer
Frauenbeauftragte und bi Projekt