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Morgen gibt es Zeugnisse

29.01.2008 - Bernd Winkelmann

... für die Kinder in den vierten Klassen beispielsweise haben deren Lehrerinnen und Lehrer:

eine Leistungsdokumentation über sechs Seiten angefertigt;

ein Textzeugnis über durchschnittlich vier Seiten erstellt, das für die jeweiligen Fächer mit einer Note zusammengefasst wird;

die Grundschulempfehlung ausgesprochen und dokumentiert;

ein Elterngespräch für jedes Kind geführt, das in der Regel 20 bis 30 Minuten dauert, und dabei den „Anwahlbogen“ für die fünften Klassen (freie Schulwahl nach der Grundschule) erläutert.

Selbstverständlich erfolgen alle diese Arbeiten in Abstimmung mit den beteiligten Kolleginnen und Kollegen. Ebenso selbstverständlich werden alle Ergebnisse der o.g. Gespräche und Beratungen dokumentiert.

Das Beispiel aus den vierten Klassen verdeutlicht, dass Lehrerinnen und Lehrer gerade in „Zeugniszeiten“ erhebliche außerunterrichtliche Arbeiten durchzuführen haben.

Kontrast: In ihrer Koalitionsvereinbarung haben SPD und Grüne zugesagt, im Bereich Bildung „die Bürokratisierung der Schulen ... auf das Notwendigste (zu) reduzieren“ (Koalitionsvertrag, Seite 75).

Ärgerlich mit Blick auf die Koalitionsvereinbarung ist nicht, dass Lehrkräfte abgewogene Empfehlungen formulieren. Ärgerlich ist aber, dass eine verbürokratisierte Praxis der Schularbeit stillschweigend fortgesetzt werden muss.

Wenn Zeugnisse in diesem Umfang von der Behörde als unumgänglich angesehen werden, da mit ihnen – insbesondere beim Übergang von der Grundschule in die Sekundarstufe Lebensentscheidungen getroffen werden – dann ist deren Erstellung Arbeitszeit und muss als solche auch gewertet werden.

Und wenn insgesamt mehr außerunterrichtliche Tätigkeiten die Qualität von Schulen tatsächlich steigern, dann muss anderer Stelle die Arbeitslast der Lehrkräfte reduziert werden. Dazu bieten sich insbesondere die Senkung der Unterrichtsverpflichtung und eine ernsthafte Überprüfung der in den letzten Jahren erlassenen Verordnungen an. Die Koalitionsparteien sollten ihre Selbstverpflichtung aus dem Koalitionsvertrag unbedingt ernst nehmen.

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