| von jan rettig | |
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| die aktuellen entwicklungen in der universitaeren ausbildung der kopfarbeit lassen sich in ihrer konsequenz kurz zusammenfassen: studis aller laender, proletarisiert euch!
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| "studium"
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| im zuge des bologna-prozesses sind mit wenigen ausnahmen mittlerweile flaechendeckend alle studiengaenge auf das bachelor-/master-system umgestellt worden. studentische kaempfe dagegen konnten maximal graduelle nachbesserungen erreichen. die hauptziele der bildungspolitik sind erreicht worden: die verkuerzung der ersten "berufsausbildung" hat diese faktisch dequalifiziert, straffere regelungen des studienverlaufs setzen studierende von beginn an unter anpassungszwang und in verschaerfte konkurrenz zueinander. studierende sollen sich als eine art empirische informationsarbeiter_innen verstehen, ECTS-punkte sind vor allem arbeitszeitmarken, die umrechnung einer qualitativen leistung (hausarbeit, seminar besuchen, usw.) in eine quantitativ messbare groesse (durchschnittlich aufgewendete arbeitsstunden), die fuer den abschluss des studiums entscheidend ist. mit diesen regelungen allerdings organisiert sich der hochschulsektor einen ganz neuen widerspruch ins haus. waehrend politik, arbeitsmarkt und eigentlich alle nach der totalen flexibilitaet von allem rufen, werden studierende zunaechst in die sekundarstufe III versetzt. es fehlt ihnen an (angebotenen) moeglichkeiten zur individuellen profilbildung, wovon jede_r sachbearbeiter_in des arbeitsamtes ein lied singen kann. kurz: studierende werden so unselbstaendig wie in der regelschule behandelt und sollen am ende aber moeglichst selbstaendig sein. das grenzt an umgekehrte realpsychologie.
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| arbeit!
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| auch angehende akademiker_innen werden daran gewoehnt, fuer wenig bis gar kein geld zu schuften. die generation praktikum ist darauf programmiert, dass der lebenslauf moeglichst voll werde mit tausend wertvollen erfahrungen und vor allem bescheinigungen, die sich eventuell irgendwann mal auszahlen sollen. diese entwicklung speist sich von zwei seiten: die unternehmen nutzen ein ueberangebot an arbeitskraft, welches ihnen diese billig bis kostenlos bereitstellt. die betroffenen studis ihrerseits entwickeln allerdings keinen kollektiven widerstand dagegen, sondern folgen hochgradig individualisiert dem ganzen affentanz, immer in der hoffnung, letztlich doch die oder der kluegere, schnellere oder einfach durchsetzungsfaehigere gewesen zu sein. das, was frueher mal als einstieg in den wissenschaftsbetrieb galt (profs zuarbeiten, tutorien organisieren und anleiten) ist fuer die meisten studis mittlerweile notwendige (teil)finanzierung ihres unterhalts. 8 euro die stunde sollen auch ihnen verdeutlichen: hier wird nicht mit sesselfurzen und nettetheorien-spinnen geld verdient! dass sich das viele bieten lassen und nicht gegen die schlechte bezahlung und ihren prekaeren status (anmerkung: vermehrt werden student_innen nur noch auf sechs oder gar drei monate befristet angestellt. Dem wissenschaftlichen mittelbau geht es der tendenz nach nicht besser.) rebellieren, duerfte wohl vor allem an der letzten hoffnung liegen, oben an der bildungspyramide doch noch ein stueck vom kuchen abzukommen.
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| leben?
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| die straffen studienordnungen von und zu bachelor / master, sowie der faktische zwang fuer ca zwei drittel der studierenden, nebenher zu jobben, lassen kaum noch zeit fuer eine eigenstaendige gestaltung eines irgendwie gearteten privatlebens. die grenzen zwischen studium, arbeit und freizeit weichen zunehmends auf, mensch hat quasi permanent bereitschaft im auftrag der eigenen arbeitskraft und deren veredelung.
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| anders, besser, netter bitte!
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| es gibt seit etwa einem halben jahr eine initiative der an uni und hochschulen beschaeftigten student_innen. sie sind mit ihrer forderung nach lohnerhoehung und tariflicher absicherung bisher weitgehend ignoriert worden. jetzt wollen sie aber auf sich aufmerksam machen: mit einem eigenen block auf der 1.mai-demo und weiteren aktionen. das moegen alles erst zaghafte versuche sein, die eigenen interessen in die hand zu nehmen. aber auch schueler_innen haben erst kuerzlich gegen die missstaende in ihren schulen gestreikt, eltern sich beschwert ueber das verbot ihres privaten erziehungsengagements in einer freien kinderschule, usw. es ist an der zeit, auch im bildungssektor den unmut zu organisieren: schueler_innen, student_innen und beschaeftigte im bereich bildung muessen gemeinsam ihre interessen artikulieren und fuer deren durchsetzung kaempfen. im gefolge des letzten bundesweiten schueler_innenstreiks gibt es jetzt die idee fuer einen bildungsstreik. mensch braucht sich zwar keine illusionen ueber dessen durchschlagskraft machen, zumal in zeiten von staendigem krisen- und standortsicherungsgeschwafel. aber anfangen muessen wir, sonst passiert nie was.
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