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„Eine Schule für alle ist das Richtige – aber sie muss viel besser ausgestattet sein“

16.10.2017 - Jürgen Burger

Lehrkräfte und Elternvertreter*innen zogen Bilanz aus acht Jahren Oberschul-Entwicklung

Auf Einladung der Fachgruppe Oberschule diskutierten am 27. September 2017 in einer gut besuchten Veranstaltung im Gewerkschaftshaus Lehrkräfte und Elternvertreter über die bisherige Entwicklung, die Leistungen und die Probleme der Bremer Oberschulen. Anlass war die von der Bürgerschaft beschlossene Evaluation des Bremer Schulsystems. Zurzeit befasst sich eine Kommission unter Leitung von Prof. Dr. Maatz mit den Ergebnissen des „Bremer Schulfriedens“ von 2009. Die Kommission stützt sich hauptsächlich auf empirische Leistungsdaten und führt ergänzend einige Expertengespräche. Die Fachgruppe will ein möglichst realistisches Bild der Entwicklung erarbeiten und hatte deshalb am Aufbau der Oberschulen beteiligte Kolleg*innen eingeladen. Es diskutierten Bianca Berger, Schulsozialpädagogin an der Oberschule am Leibnizplatz, Andrea Spude, Vorsitzende des ZentralElternBeirats, Ingrid Brücker-Götz, Schulleiterin der Oberschule an der Helgolander Straße, Meike Wittenberg, ZUP-Leiterin an der Wilhelm-Kaisen-Schule, Björn Richter, Klassenlehrer und Jahrgangsleiter an der Oberschule Kurt-Schumacher-Allee und Kai Reimers als Vertreter der Fachgruppe.

Die Diskutanten werteten die Einrichtung einer gemeinsamen Schule, die alle Bildungswege eröffnet, äußerst positiv. Zugleich wurde in den Berichten deutlich, dass das hoch gesteckte Ziel, allen Schüler*innen gerecht zu werden, nur mit einer besseren personellen und sachlichen Ausstattung zu erreichen ist. Für die Inklusion fehlen Sonderpädagog*innen, zugleich gibt eine unzureichende Krankenreserve und Fachlehrermangel, es mangelt an Sozialarbeiter*innen und die baulichen Voraussetzungen sind oft ungenügend, so fehlen Differenzierungsräume.

Es wurde deutlich, dass die soziale Spaltung der Stadt sich auch in den Schulen widerspiegelt. Oberschulen in sozialen Brennpunkten brauchen nach Auffassung der Referenten eine besonders gute Ausstattung, um Bildungschancen zu eröffnen. Die Bremer Realität sieht jedoch anders aus. Das fordert die Lehrkräfte über die Belastungsgrenzen hinaus. Diese Schulen befinden sich in einem Teufelskreis aus sozialen Problemen und mangelnder Anwahl durch bildungsorientierte Eltern. Verstärkt wird die Problematik dadurch, dass die Oberstufenzentren in Bremen 2009 abgeschafft und gymnasiale Oberstufen an einzelnen Oberschulen eingerichtet wurden, die oft häufiger angewählt werden als andere. Darüber hinaus besuchen über 30% der Schüler*innen in Bremen Gymnasien oder Privatschulen.

Trotz dieser widrigen Bedingungen sehen die Akteure in der Oberschule einen wichtigen Beitrag, um die Koppelung von sozialer Herkunft und Bildungserfolg zu überwinden. Ihr Erfolg kann jedoch nur begrenzt sein, solange Deutschland als einziges großes europäisches Land am gegliederten Schulsystem festhält und gleichzeitig seine Bildungsausgaben – gemessen am Bruttoinlandsprodukt - weit unter dem europäischen Durchschnitt liegen.

Die Beiträge der Veranstaltung sollen dokumentiert, der Kommission zur Verfügung gestellt und in geeigneter Form veröffentlicht werden.
Die nächste Fachgruppensitzung ist am

Mittwoch, 15. November 2017, um 17.30 Uhr in der GEW-Geschäftsstelle. Alle Oberschul-Kolleg*innen sind herzlich eingeladen.

Momentan kursieren zwei unterschiedliche Termine... Bitte in der Geschäftsstelle nachfragen. Danke!

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