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16.10.2009 Was sollten SchülerInnen über die Krise lernen?

Meinungen von WirtschaftswissenschaftlerInnen
Seitenabschnitte:
Prof. Dr.Heinz-J. Bontrup
Prof. Adelheid Biesecker
Axel Troost

 Meinungen_von_WirtschaftswissenschaftlerInnen.pdf
 Vollständige Statements
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Prof. Dr.Heinz-J. Bontrup

"Die größte Weltwirtschaftskrise seit 80 Jahren zeigt uns, dass ein blindes Markt- und Wettbewerbsvertrauen völlig fehl am Platz ist. Märkte und Wettbewerb brauchen strenge staatliche Regeln, sonst kommt es zu schlimmen ökonomischen Verwerfungen und Krisen. Die herrschende Politik hat aber diese Regeln mit dem neoliberalen (marktradikalen) ‚Klassenprojekt’ bewusst abgeschafft. Die Märkte wurden liberalisiert und dereguliert und der Wettbewerb gegen die abhängig Beschäftigten und ihre Gewerkschaften instrumentalisiert. Das Ergebnis ist erschreckend: Gigantische Umverteilungen von unten nach oben zu den Gewinn- und Vermögenseinkommen und immer mehr Menschen, die keine Arbeit finden. Und wenn sie noch Arbeit haben, müssen sie diese zu prekären Beschäftigungsverhältnissen ausüben. Diese von den neoliberalen Kräften gewollte Umverteilung ist der wahre Grund für die jetzt ablaufende Wirtschaftskrise. Auf der einen Seite bewirkte die Umverteilung einen Ausfall an Massenkaufkraft und so immer weniger Wachstum und Beschäftigung bzw. ein mehr an Arbeitslosigkeit und auf der anderen Seite suchten die reicher gewordenen Schichten für ihr Vermögen nach rentierlichen Anlagen und waren insbesondere in den USA auf immer weniger solvente Kreditnehmer angewiesen, die letztlich ihre Kredite für angeschaffte Immobilien nicht mehr zurückzahlen konnten und so die Krise weltweit auslösten. Wer hat also Schuld an der Krise, die die Welt an den Rand des Abgrunds geführt hat? Alle die haben Schuld, die den Neoliberalismus hoffähig gemacht haben und dafür sorgten, das er umgesetzt wurde. Alle diejenigen, die alles den Markt- und Wettbewerbsgesetzen unterordnen wollten oder auch heute noch wollen, die alles privatisieren wollen, selbst die Schulen und die Krankenversorgung sowie die Altersrente, die den Staat als ‚Bürokratiemonster’ und als ‚Kostgänger’ der Profitwirtschaft bezeichnen, alle die haben große Schuld auf sich geladen und die Krise zu verantworten."
Prof. Dr.Heinz-J. Bontrup,
Wirtschaftswissenschaftler an der FH Gelsenkirchen
Sprecher der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik

Prof. Adelheid Biesecker

„Die Finanzkrise ist nur eine von mehreren aktuellen Krisen - vor ihr wurden z. B. ökologische Krisen (Klimakrise, Biodiversitätskrise z. B.), Armutskrisen in den Ländern des globalen Südens sowie soziale Krisenphänomene in den Ländern des globalen Nordens (Kindervernachlässigung und Bildungskrise z. B.) diskutiert. Insgesamt sind diese Krisen Ausdruck der kapitalistischen Wirtschaftsweise, die jeden Bezug zu ihren ökologischen und sozialen Grundlagen verloren hat und sorglos mit diesen umgeht. Das wirkt zerstörerisch auf Natur und Soziales.
Maximiere Deinen Profit, indem Du möglichst direkt aus Geld mehr Geld machst - so lautet die Devise. Das gilt als rational. Geld hat in sich kein qualitatives Maß, diese Geldökonomie ist daher maßlos. Folglich sind es ihre Akteure - Banker, Spekulanten, Manager - auch. Die Finanzkrise macht jedoch deutlich, dass die Geldsphäre doch an die reale Ökonomie gekoppelt ist.
Sorglosigkeit und Maßlosigkeit sind strukturelle Krisenursachen - Krisenbekämpfung muss daher an diesen strukturellen Grundlagen ansetzen. Es geht darum, Natur und Soziales nicht nur in die Ökonomie hereinzuholen, sondern es geht um einen Perspektivenwechsel - es gilt, das Erhalten der lebendigen Grundlagen des Wirtschaftens zum Ziel zu machen. Erhalten im Gestalten - ja, das ist zukunftsfähig.“
Prof. Adelheid Biesecker
Universität Bremen

Axel Troost

„Wirtschafts- und Finanzkrisen sind häufiger und unberechenbarer geworden. Das hat mit der extrem ungleichen Einkommensverteilung und jahrelanger Deregulierung zu tun. Der Handel mit faulen Hypotheken-Krediten war nur der Auslöser der gegenwärtigen Krise.
Krisen bieten ein günstiges Zeitfenster für politische Veränderungen. Es kommt darauf an, zwischen politischer Rhetorik und tatsächlicher Praxis zu unterscheiden. Politikerinnen und Politiker müssen an ihre Versprechungen erinnert werden.
Aus der Krise kann man sich nicht heraussparen. Sondern man muss herauswachsen. Öffentliche Investitionen in den sozial-ökologischen Umbau sind ein wichtiger Beitrag. zur Finanzierung. Dabei können obere Einkommen steuerlich stärker belastet, untere jedoch entlastet werden.
Axel Troost
Bundestagsabgeordneter der Linken, davor Koordinator der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik

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