| Nach der Veröffentlichung der Detailanalysen zu PISA 2003 steht eindeutig fest: Weiterhin ist in keinem der beteiligten Staaten der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg so eng wie in der Bundesrepublik... | 
|
|  |
| 
| Wenn nun das Bundesland Bremen in der bundesrepublikanischen Tabelle der Chancenungleichheiten auch einen vergleichsweise geringeren Wert aufweist, so ist dieser erschreckend genug. In Bremen und Bremerhaven haben SchülerInnen aus reichen Elternhäusern bei gleichen individuellen Voraussetzungen immer noch eine dreifach größere Chance auf ein Abitur als Jugendliche aus ärmeren Schichten.
| |
|  |
| Diese Zahlen bleiben dramatisch genug, mit dem Auftrag des Grundgesetzes, jedem Menschen das Maximum an persönlicher Entfaltung und Chancengleichheit zu gewährleisten, wird damit jedenfalls nicht Genüge getan. Es zeigt sich, dass wesentliche schulpolitische Entscheidungen der großen Koalition in Bremen falsch sind. Diese Fehler beziehen sich insbesondere auf die Streichung von LehrerInnenstellen, die chronische Unterfinanzierung der Bildungseinrichtungen und die Zergliederung des Schulsystems.
Die Daten belegen zum wiederholten Male: Das deutsche Schulsystem ist und bleibt ungerecht. Belegt wird diese Einschätzung aus Sicht der GEW auch durch die Tatsache, dass die Resultate aus dem Gymnasial- und dem Hauptschulbereich zunehmend auseinander klaffen. Begründet zu vermuten ist, dass Eltern mit günstigerem Sozialstatus hier durch „private Förderung“, sprich Nachhilfemaßnahmen, unterstützen.
Für die GEW ist es allerdings ein Gebot, dass für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Vorwärtsentwicklung der Bundesrepublik die Talente eines jeden jungen Menschen gebraucht werden.
Die aus den neuen PISA-Ergebnissen zu ziehenden Konsequenzen sind von BildungsforscherInnen mehrfach formuliert worden. Die GEW unterstützt in diesem Zusammenhang nachdrücklich:
- die Stärkung vorschulischer Bildung, u.a. durch eine zweite Pädagogin pro Gruppe
- erhebliche Anstrengungen in der individuellen Lernförderung von Anfang an; d.h. auch eine Priorität für die Primarstufe
- die Änderung der Schulstruktur hin zu längerem gemeinsamen Lernen, einschließlich einer Aufhebung der Sortierung von Kindern in unterschiedliche Bildungsgänge nach Klasse 4
- die Einrichtung von Ganztagsschulen mit integrativen pädagogischen Konzepten;
- die Bereitstellung von Ressourcen orientiert an den erfolgreichen skandinavischen Ländern, d.h. insbesondere Stopp des Stellenabbaus trotz teilweise rückgängiger SchülerInnenzahlen (z.B. in Bremerhaven)
Sowohl die KMK als auch der Bremer Senat sind aufgefordert, die „alte Politik“ der Kürzungen und der Selektionsphilosophie aufzugeben. Ein starren Verharren in den bisherigen Positionen zementiert die Erfolglosigkeit der deutschen Schulen. Ein grundlegender Neuanfang ist dagegen angezeigt. Die Ziele der Chancengleichheit und eines hohen Leistungsniveaus sind vereinbar und müssen die Perspektive jeder Schulentwicklung sein.
Mit freundlichem Gruß

| | |
|
 |  |  |  |  |  |  |