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16.05.2008 Schulleistungen in staatlichen und privaten Schulen im Vergleich

DIPF
Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung

Eine Übersicht über neuere Forschungsergebnisse geben Corinna Preuschoff und Manfred Weiß vom Deutschen Institut für internationale Pädagogische Forschung (DIPF). Darin heißt es u.a.: „Weltweit ist eine Tendenz zu einer stärkeren Privatisierung öffentlicher Aufgabenbereiche zu beobachten. ... Auf den ersten Blick scheint dies eine aussichtsreiche Strategie zu sein. So lässt sich z.B. dem PISA-Bericht der OECD entnehmen (OECD 2001, S.211ff), dass in 14 von 17 Ländern Schulen in privater Trägerschaft ein höheres Leistungsniveau erreichen als öffentliche Schulen. Mit 83 Punkten auf der Gesamtskala Lesen weist Deutschland dabei die höchste Differenz auf. Zwar wird relativierend darauf hingewiesen, dass sich staatliche und private Schulen im Allgemeinen auch beim sozioökonomischen Status der Schülerschaft unterscheiden, auf die Berechnung um Sozialschichteinflüsse (und andere Merkmale der Schülerpopulation) bereinigter Leistungsergebnisse wird jedoch verzichtet. Im Falle Deutschlands bleibt zudem unberücksichtigt, dass die Stichprobenschulen in privater Trägerschaft allesamt den leistungsstärkeren Schulformen angehören (sechs Gymnasien, drei Realschulen). Damit wird einer Fehleinschätzung der Leistungsfähigkeit des Privatschulsektors Vorschub geleistet. Dies rechtfertigt freilich keineswegs die zum Teil unkritische Rezeption der Befunde durch Experten. Hier zu Lande war es insbesondere das Institut der Deutschen Wirtschaft, das zur Verbreitung der These einer generellen und bedeutsamen Leistungsüberlegenheit der Privatschulen beigetragen hat (Klein/ Hüchtermann 2003).
Die im Folgenden präsentierte Zusammenfassung neuerer Befunde komparativer Schulleistungsuntersuchungen kann diese These nicht stützen. ...

Seitenabschnitte:
Latein-Amerika
Alle OECD-Länder
Ausgewählte OECD-Länder
Deutschland

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Latein-Amerika

Somers, M.A.; McEwan, P.J., Willms, D.J.: How effictive are private schools in Latin America? In: Comparatitive Education Review, 48 (2004) 1, S.48 –70
Auf der Basis von Daten repräsentativer Stichproben aus 10 lateinamerikanischen Ländern werden unter Anwendung eines mehrebenenanalytischen Untersuchungsansatzes die Leistungen von Dritt- und Viertklässlern in Sprachbeherrschung (Muttersprache) und Mathematik im öffentlichen und privaten Sektor untersucht. Im Gegensatz zu vielen anderen Vergleichsstudien werden dabei nicht nur individuelle Schülermerkmale, sondern auch Merkmale der Schülerzusammensetzung hinsichtlich ihres Leistungseinflusses kontrolliert. Ergebnis: Bezogen auf die Gesamtstichprobe ist der Privatschuleffekt „Null“ mit einer Varianz von –0,2 bis 0,2 Standardabweichungen. ...

Alle OECD-Länder

Dronkers, J.; Robert, P.: The effectiveness of public, private government dependent and private independent schools: a cross-national analysis. EUI working paper SPS 2003/13: http://www.iue.it/Personal/Dronkers/Welcome.html#_Hlk53500892

Die Autoren vergleichen anhand des internationalen PISA Datensatzes die Leistungen von Schülern in staatlichen, staatsabhängigen (d.h. Schulen mit einer öffentlichen Finanzierung von über 50%) und staatsunabhängigen Privatschulen (d.h. Schulen mit einer öffentlichen Finanzierung von unter 50%) über alle OECD-Länder hinweg. ... Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass nach Kontrolle wesentlicher Merkmale der Schülerzusammensetzung staatsunabhängige Privatschulen keinen Leistungsvorteil gegenüber staatlichen Schulen aufweisen. Weniger eindeutig fallen die Resultate bei einem Vergleich staatsabhängiger Privatschulen und staatlicher Schulen aus. Während sich im Lesen – unter Berücksichtung aller Kontrollvariablen – ein schwach signifikanter Effekt zugunsten der staatsabhängigen Privatschulen zeigt, lässt sich für Mathematik kein Privatschuleffekt nachweisen. Den geringen Leistungsvorteil staatsabhängiger Privatschulen führen die Autoren vor allem auf schul-klimatische Faktoren in Verbindung mit der besonderen religiösen Prägung der Schulen zurück. ...

Ausgewählte OECD-Länder

Vandenberghe, V.(2003): Private, Private Government-Dependent and Public schools. An international Effectiveness Analysis. Ihres-ECON-UCL, 2003/12: http://www.2.econ.ucl.ac.be/~scxydb/Papers/Private-GovDep-Pub.pdf

Der Autor vergleicht die Leseleistungen 15-jähriger Schülerinnen und Schülern an staatlichen Schulen, staatsabhängigen Privatschulen und staatsunabhängigen Privatschulen innerhalb ausgesuchter OECD-Länder anhand des internationalen PISA-Datensatzes mittels eines nicht-parametrischen Testverfahrens („Propensity-Score-Matching“). Bei der Anwendung dieses Verfahrens werden Schüler aus den drei Schultypen miteinander verglichen, die aufgrund ähnlicher Merkmale die gleiche Wahrscheinlichkeit besitzen, eine Privatschule zu besuchen. Der Autor kann keinen systematischen, überregional gültigen Effekt zugunsten eines der drei Schultypen ermitteln … .

Deutschland

Weiß, M; Preuschoff, C.: Schülerleistungen an staatlichen und private Schulen im Vergleich. In: Schümer, G.; Tillmann, K.-J.; Weiß, M. (Hrsg.): Die Institution Schule und die Lebenswelt der Schüler. Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaften 2004, S.39-71.
Auf der Basis von Daten der PISA-E-Stichprobe wurden die Leistungen von 15-Jährigen in 14 privaten Realschulen und 18 privaten Gymnasien mit den Leistungen derselben Altersgruppe in staatlichen Realschulen und Gymnasien, die in einem Matching-Verfahren aus der Gesamtstichprobe selegiert wurden, miteinander verglichen. Als Matching-Kriterien wurden der durchschnittliche sozioökonomische Status der Eltern, die durchschnittliche Punktzahl im kognitiven Fähigkeitstest und der Anteil 15-Jähriger mit Migrationshintergrund verwendet. Ergebnis: Wenn wesentliche leistungsrelevante Aspekte der Zusammensetzung der Schülerschaft kontrolliert werden, lässt sich nur für die Mädchen der privaten Realschulen ein moderater Leistungsvorteil feststellen.“



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