| von Ernst-Fritz Schubert | |
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| Glück und Schule. Passt das zusammen? Wer Glück und Schule verbinden möchte, geht das Risiko ein, ausgelacht und verspottet zu werden, großmütige Zeitgenossen belassen es vielleicht auch nur bei einem Stirnrunzeln.
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| Doch halt!, sagt nicht der Altmeister der Pädagogik, Hartmut von Hentig, dass Freude als täglicher Abglanz des Glücks die Grundvoraussetzung für das Lernen ist? Hat nicht schon Aristoteles gesagt, dass das letzte Ziel des menschlichen Handelns Glück ist? Für Aristoteles finden sich die Werkzeuge der Glücksschmiede in den Charaktertugenden oder sogenannten sittlichen Tugenden wie Gerechtigkeit, Aufrichtigkeit, Großzügigkeit, aber auch in der Tapferkeit und Besonnenheit. Die zurzeit stattfindende Wertediskussion und das Loblied auf die Disziplin haben sich leider nicht richtig umsetzen lassen. Tugenderwerb aus Geboten und Verboten abzuleiten bewirken bei den Adressaten ebenso wenig, wie ein kuschelpädagogischer Ansatz, der alles und jeden lobt. Junge Menschen haben ein untrügliches Gespür für ehrliche Wertschätzung und konstruktive Kritik. Gefordert sind reale Situationen, in denen die existenziellen Bereiche wie Körper, Geist und Seele als Einheit erfahren werden. Dies trägt zu einem funktionierenden Selbstkonzept bei und schafft einen wertschöpfenden Bezug zur Gemeinschaft.
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| Mit einem Team von Wissenschaftlern, Psychologen, Schauspielern, Trainern und Pädagogen haben wir uns auf den Weg gemacht, Zuversicht, Vertrauen, Verantwortung, Leistungs- und Lebensfreude als konkrete Lernziele zu formulieren und durch erlebnispädagogische Konzepte zu realisieren. Als Ergänzung zu den traditionellen Fächern wie Mathematik, Deutsch und Fremdsprachen usw. bieten wir unseren Hauptschulabsolventen, die in zwei Jahren den mittleren Bildungsabschluss erwerben wollen, das Wahlfach Glück an. Unser Ziel ist es, dass die Schüler selbst bestimmt und selbst wirksam den Sinn ihrer Handlungen in heiterer Gelassenheit erkennen und den Genuss des Augenblicks erleben. Selbsterfahrungen und Gruppenerlebnisse sollen ihnen helfen ihre Lebenswirklichkeit wahrzunehmen und sich als anerkannte Mitglieder einer Gemeinschaft zu erleben und daraus Kraft zu schöpfen. Im vertrauten Rahmen einer sich respektierenden Schülergemeinschaft erfahren sie zum Beispiel durch angeleitete miteinander durchgeführte Interviews bis dahin unbekannte Stärken von sich. Verhaltensweisen und Eigenschaften werden vom Gegenüber gespiegelt und ergänzen das Selbstbild durch das Fremdbild. Die Offenbarung vermeintlicher Schwächen, die von der Gruppe positiv aufgenommen und gedeutet werden, helfen ihnen, sich selbst anzunehmen und andere wertzuschätzen. Daneben gilt es aber auch die eigene Familie als unerschöpfliche Kraftquelle zu erfahren. Familienbiographien geben oftmals Zeugnis davon, dass die Familie auch schwierige Zeiten gemeinsam überwunden hat. Bei der „Schatzsuche“ in der Familienbiographie entdecken die Kinder manchmal bis dahin unbekannte Potenziale, werden respektvoll und stolz auf ihre Geschwister, Eltern und Großeltern.
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| Mentales Training gehört im Sport längst zum alltäglichen Repertoire. Zielorientierungen, Konzentrationsübungen und Blockadenabbau wirken nicht nur leistungsfördernd, sondern auch gesundheitsfördernd. Diese Erfahrungen wollen wir verstärkt in der Schule nutzen. Selbst erstellte Wertehierarchien helfen bei der Zielfindung und zeigen die anzustrebenden Haltungs- und die dazugehörigen Handlungsziele an. Es wird dadurch zudem ein individuelles und kollektives Werteverständnis geschaffen. Durch entsprechende Übungen gelingt es den Schülern ihre Ziele gedanklich zu konkretisieren und in einzelne Schrittziele zu gliedern. Durch gedankliche Vorwegnahme der erwarteten körperlichen Empfindungen während der Zielerreichung entstehen Bilder vor dem geistigen Auge, die zusätzliche Stimuli auf dem Weg zum Ziel darstellen.
Mit Mitteln z. B. der Theater-, Bewegungs- und Ernährungspädagogik werden ihnen die Wechselwirkungen zwischen körperlicher Wahrnehmung, Emotion und Kognition deutlich. Sie erkennen den Zusammenhang zwischen gesunder Ernährung und Wohlbefinden, erleben die gesellschaftlichen und kommunikativen Aspekte der Nahrungsaufnahme beim gemeinsamen und selbst zubereiteten Essen. Bei Theaterimprovisationen können sie erleben, wie der körperliche Ausdruck Emotionen sichtbar macht. Sie erfahren, dass Emotionen steuerbar sind und als Intuitionen wesentlich und nützlich sind. In der Kletterhalle erleben sie körperliche Handlungserfolge und gewinnen Zuversicht. Durch die Sicherung mit dem Seil erfahren sie, dass Vertrauen und Verantwortung zwei Seiten einer Medaille sind.
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| Soziales Engagement innerhalb und außerhalb der Schule lässt sie die Fülle des Lebens erfahren. Das Wort Dankbarkeit bleibt keine Worthülse, sondern wird mit lebendigen Inhalten und guten Gedanken gefüllt. Sie erfahren so auf vielen Ebenen und vielen Wegen die guten Gründe für Zufriedenheit und Glück. Gleichzeitig soll ihnen aber auch vermittelt werden, dass zur Fülle des Lebens das gesamte Spektrum von Freude und Trauer, von Erfolg und Misserfolg und von Glück und Unglück gehören. Sie sollen auch erfahren, dass nicht jede Krise eine Katastrophe ist und Frustrationstoleranz durch mentales Training, aber auch durch analytische Fähigkeiten entwickelt werden kann.
Die positiven Rückmeldungen der Eltern und Schüler zeigen uns, dass der eingeschlagene Weg in die richtige Richtung führt. Auch die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchungen des österreichischen OECD-Beauftragten Prof. Ernst Gehmacher belegen nicht nur die Zunahme des subjektiven Wohlbefindens der Jugendlichen, sondern auch eine signifikante Persönlichkeitsstärkung. Eine Studie des Heidelberger Pädagogikprofessors Wolfgang Knörzer belegt zudem, dass die Schüler im Vergleich zum Beginn und zu einer Kontrollgruppe in Bezug auf Selbstkontrolle und Zielfindung beachtliche Zuwächse verzeichnen konnten.
Wir wissen, dass dieses Konzept keinen abgeschlossenen Lösungsansatz darstellt und die Erfolge eng mit der Kompetenz und dem idealistischen Einsatz der Experten verknüpft sind. Eine Übertragung auf andere Schulen ist deshalb nur bedingt möglich. Glück macht trotzdem Schule. In einem Privatgymnasium in Weinheim an der Bergstraße werden wir im kommenden Schuljahr mit wissenschaftlicher Begleitung ein weiteres Projekt mit jüngeren Schülern beginnen. Außerdem werden wir in nächster Zeit auf der Grundlage unserer Erfahrungen für Lehrer Fort- und Weiterbildungen anbieten.
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