| von Katharina Krebs | |
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| 27 Jahre lang gab es eine nicht-genehmigte Schule am Körnerwall. Als Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper das „outete“, war der Medienrummel groß, die Vorwürfe seitens der Behörde auch – die Aufregung dagegen hielt sich in Grenzen. Viele Bremer hatten sowieso schon lange davon gewusst (und nichts verraten). Da auch umgehend klar war, dass es den Schülern dort gut gegangen war und sie ausreichend gelernt hatten, begann die Neugier: Was war da denn nun eigentlich so anders gewesen, dass es unerlaubt geschehen musste?
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| 27 Jahre reformpädagogische Erfahrung
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| Dazu vorweg: Die „alte“ Schule ist zwar geschlossen worden, aber es gibt einen Verein Freie Schule Bremen e.V. und der hat bereits im Januar einen Antrag auf Genehmigung einer Freien Schule gestellt. Bisher hält die Behörde nichts davon, aber man kann ja nie wissen...
Zum Inhalt: Der Verein der „neuen“ Freien Schule sieht sich bewusst in der Tradition der „alten“ Freien Schule am Körnerwall, die 27 Jahre reformpädagogische Erfahrung gemacht hat. Hier knüpft das Konzept an, ergänzt es und modifiziert es in Teilen. Dabei bezieht es sich ausdrücklich auf Freinet und Hartmut von Hentig, der den Schwerpunkt auf Lernen durch eigene Erfahrung anstelle von fremder Belehrung legt (Mathetik).
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| Drei Aspekte sind für die Schule unabdingbar:
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| Die Kleinheit der Schule. Insgesamt werden in die Schule mit integriertem Kindergartenbereich 45 Kinder gehen - 15 in die Kindergartengruppe, 30 in die Schule. Diese Überschaubarkeit ermöglicht, dass jeder jeden kennt – und zwar nicht nur beim Namen. Das Anbieten von familienähnlichen Strukturen, Altersmischung und die Teilnahme der Eltern auch an der didaktischen Arbeit – das alles ist nur möglich in einer sehr kleinen Schule und wirkt sich direkt auf die pädagogische Arbeit aus. Z.B. bewirken diese Strukturen Nähe und Vertrautheit und geben den Kindern so mehr Sicherheit, dienen aber auch als Basis für gutes Lernen. So ist die Schule ein Lebensraum, mit dem sich Schüler identifizieren können.
Gleichzeitig ermöglicht erst diese Kleinheit die tatsächliche Beteiligung von Eltern, die mehr ist als Makulatur. Die Schule wird basisdemokratisch und selbstverwaltet sein, Entscheidungen werden nach dem Konsensprinzip getroffen. Das bedeutet weit mehr Arbeit für Eltern als an staatlichen Schulen, ermöglicht aber gleichzeitig eine aktive Teilhabe der Eltern, denn sie wissen, was an der Schule passiert und können es wirklich mit gestalten.
Die Verknüpfung von Kindergartenbereich und Schule, und zwar einer 6jährigen Grundschule, soll Kinder über die altersgemischten Gruppen hinweg (Kindergarten, 6-9jährige und 9-12jährige) Sicherheit und Geborgenheit bieten. So können sie – über die Gruppen hinweg - „vorwärts“ oder „rückwärts“ bei den Großen gucken oder bei den Kleinen spielen, damit auch die Position wechseln (bei den Kleinen groß sein bzw. bei den Großen klein sein) oder geschwisterähnliche Beziehungen eingehen (in einem Lebensumfeld, wo immer mehr Kinder als Einzelkinder aufwachsen).
Diese drei Basics verbunden mit Projektarbeit, einer möglichst offenen Zeitstruktur anstelle eines 45-Minuten Taktes, Gesamtunterricht statt Aufteilung in einzelne Fächer, Mitentscheidungsmöglichkeiten für die Kinder bei allem, was sie betrifft, sowie neben den „üblichen“ Lerninhalten weitere Schwerpunkte beim haptischen (u.a. selbst kochen, Handwerk, viel Sport und Musik) und im sozialen Lernen sollen eine Schule ermöglichen, die Kindern Raum zum Leben und Lernen gibt.
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| Schule offen für Alle
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| Wichtig ist dem Verein auch, dass die Schule für alle offen ist, unabhängig vom finanziellen, sozialen, gesundheitlichen oder kulturellen Hintergrund, eine bunte Mischung eben.
Soweit die Inhalte, die Form, die Ideen und Konzepte - was fehlt ist die Realisierung, aber daran arbeitet der Verein.
- In fast allen Bundesländern gibt es Freie Alternativschulen, nur nicht im PISA-Schlusslicht-Bremen. In anderen Bundesländern wird ein nebeneinander von staatlichen und privaten Schulen als Bereicherung verstanden, nicht als Konkurrenz
- Außer in Deutschland gibt es im europäischen Umland nur noch in der Slowakei eine Schulpflicht – und in der Slowakei wird sie zum Ende des Jahres abgeschafft und in eine Bildungspflicht umgeändert, auch homeschooling wird erlaubt sein. In den anderen Ländern gibt es eine Bildungspflicht und es funktioniert.
- Die EU-Verfassung sieht für alle eine Bildungspflicht vor, deshalb ist davon auszugehen, dass im Prozess der europäischen Angleichung die Schulpflicht abgeschafft werden wird.
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