|
Publikationen BLZ BLZ Archiv BLZ Mai 2006 16.05.2006 SCHULKLIMA bei unserem nördlichen N... | ||||||
| 16.05.2006 SCHULKLIMA bei unserem nördlichen Nachbarn Schweden | ||||||
| KARSTEN KOLL | ||||||||||||||||||
| SCHWEDEN hat nicht nur sehr viel mehr Sonnenstunden als z.B. Italien, sondern auch in den Schulen ein Klima, das beeindruckend ist. | ||||||||||||||||||
| Schulbeginn | ||||||||||||||||||
| Fast alle schwedischen Kinder gehen in die Vorschule. Diese einjährige, spielerische Ausbildung findet in der Regel in der Grundschule oder in einem Gebäude auf dem Schulgrundstück statt. Schon zu Beginn dieser Ausbildungszeit lernen die Kinder ihre spätere Klassenlehrerin kennen. Wenn sie möchten, dürfen sie diese gerne in ihrer Klasse, in der Schüler der 1. bis 3. Klasse unterrichtet werden, so oft sie wollen, besuchen. Sobald es einem Vorschulkind so gut bei den größeren gefällt, und es gerne schon lesen, schreiben, rechnen und vieles andere lernen möchte, darf es ständig kommen. Ist es dann mehr in der Schule als in der Vorschule, beraten Eltern und Klassenlehrer am Ende des Schuljahres, ob dieses Kind im kommenden Schuljahr als Erst- oder Zweitklässler gelten soll. | ||||||||||||||||||
| Erste Schuljahre | ||||||||||||||||||
| Die Erstklässler kommen in Schweden schon in eine bestehende Klasse, da die Klassen 1 bis 3 in der Regel in einem Klassenraum unterrichtet werden. Die Klassenregeln, die jede Klasse hat, werden ihnen zum Teil von den Mitschülern beigebracht, die die Regeln kennen und mitbestimmt haben. Die Zweit- und Drittklässler sind es auch schon gewohnt, dass sie Hilfe nicht nur von Lehrern bekommen, sondern auch von Klassenkameraden, wie sie andererseits Klassenkameraden ebenfalls Unterstützung gewähren, wenn diese darum bitten. Das Lernen geschieht dann sehr individuell. So steht niemand in Konkurrenz zu den Mitschülern, statt dessen lernt jeder in seinem eigenen Tempo und mit eigenen Zielsetzungen. Mitbestimmung üben die Klassen auch über ihren Klassen- und Schülerrat aus, der u.a. mit dem Küchenpersonal über das Mittagessen für die kommende Woche spricht oder mit dem Schulleiter über zukünftige Aktivitäten diskutiert und Wünsche der Schülerschaft mitteilt. | ||||||||||||||||||
| Schüler-Lehrerbeziehung | ||||||||||||||||||
| Wenn man es eilig hat - z.B. mit dem Lernen - sollte man die Dinge in aller Ruhe angehen. Und das tun die Schweden in vielfacher Weise. Die Lehrer haben viel Zeit. Wenn die Klassenlehrerin morgens in die Schule kommt, kann sie zunächst einmal mit der Kindergärtnerin (gerade in Schweden gibt es weder den Begriff noch den veralteten Beruf der "Kindergärtnerin", Anmerkung der InterNetRedaktion) darüber sprechen, was sie mit den Kindern bis 8 Uhr unternommen hat. Dann können sie gemeinsam planen, was in der nächsten Zeit geschehen soll. Und da die Kinder immer von kleinen Teams unterrichtet und betreut werden, kann sich der Lehrer für jeden Schüler Zeit nehmen. Und weil der Lehrer 35 Stunden in der Woche in der Schule ist, seinen Schreibtisch, sein Telefon, seine Bücher und alle seine Kollegen in der Schule hat, kann die Zeit immer der Aufgabe gewidmet werden, die im Moment Vorrang haben soll.
| ||||||||||||||||||
| Raumklima | ||||||||||||||||||
| In Schweden wird Mitbestimmung schon bei den kleinsten Schülern gefördert, da es ihr Engagement für die Gemeinschaft und die Motivation für das eigene Lernen fördert. Die Erwachsenenwelt geht dabei mit gutem Beispiel voran. So werden bei der Planung der räumlichen Gestaltung der Schule (Neubau, Umbau, Renovierung) möglichst alle beteiligt. Die Oberstufenzeit (Klasse 7 bis 9) Noch sind alle Schüler zusammen, unabhängig von ihren bisherigen Lernfortschritten und unabhängig von ihrem intellektuellen Niveau. Aber jetzt haben sie in der Regel ihre eigenen Räume ("hemvister") nicht mehr. Es sind nun deutlich mehr Lehrer, von denen sie unterrichtet werden, da viele Fachlehrer für den Unterricht verantwortlich sind. Der Lehrer kommt auch meist nicht zu ihnen, sondern die Schüler gehen zu den Lehrern in die einzelnen Unterrichts- und Fachräume. Am Ende der Klasse 8 gibt es die ersten Zensuren. Wenn sich jetzt bei dem ein oder anderen Schüler zeigt, dass der Übergang in einem Jahr in die weiterführende Schule ("gymnasium") auf Grund nicht ausreichender Leistungen in den Fächern Schwedisch, Englisch und/oder Mathematik gefährdet ist, wird Hilfe angeboten. Die Lehrer haben das Ziel, dass möglichst alle Schüler in die weiterführende Schule kommen, um dort noch eine dreijährige Berufsausbildung und/oder Studiumsvorbereitung absolvieren zu können. | ||||||||||||||||||
| Vertrauen | ||||||||||||||||||
Zum Abschluss noch ein ganz wichtiger Klimafaktor: jedem wird Vertrauen gegeben. Den Schulen wird vertraut, dass sie nach bestem Wissen und Gewissen arbeiten. Der Schulleiter vertraut seinen Lehrern und Schülern. Er unterrichtet selbst nicht, sondern ist für das Funktionieren des Gesamtbetriebes verantwortlich. Dabei hat er Zeit, mit vielen Lehrern, Schülern und Eltern zu sprechen und mit ihnen gemeinsam dafür zu sorgen, dass sich jeder wohlfühlen kann, seine eigenen Kräfte stärken und nutzen kann, die Schule sich ständig erneuert und zu verbessern versucht. Beeindruckend zu beobachten ist, wie sehr Schüler dieses ihnen entgegengebrachte Vertrauen honorieren, wenn man sieht, mit welchem Eifer und in welcher Ruhe sie arbeiten, wenn sie für eine Zeit völlig unbeobachtet und ohne Aufsicht sind. Im Gymnasium vertraut man ihnen sogar einen Schulschlüssel an, damit sie - wenn sie wollen - abends und an Wochenenden in der Schule weiter arbeiten können und die Technik der Schule dazu nutzen können. Dieses Angebot, deutlich über die Pflichtstunden hinaus zu arbeiten, nimmt eine größere Anzahl von Schülern wahr. Sie haben früh gelernt, dass sie für sich und nicht für Zensuren lernen, dass sie gemäß ihrer Interessen lernen können, dass sie beim Lernen mitverantworten aber auch mitbestimmen können - und dass Lernen ein Prozess ist, der auch über die Schulzeit weit hinaus geht | ||||||||||||||||||