| Die LehrerInnenausbildung steht in Bremen wie in vielen anderen Bundesländern vor einem deutlichen Umbruch. Änderungen werden auf drei Ebenen eingeleitet: | 
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| - Ab dem Wintersemester 2005/06 verläuft die erste Phase an der Universität in zwei Stufen: Nach sechs Semestern ist ein Bachelor-Abschluss zu erlangen und ein darauf aufbauender Master-Abschluss nach weiteren zwei bis vier Semestern; - die Neuordnung des anschließenden Referendariats ist derzeit noch schwer fassbar. Klarheit besteht darin, diese zweite Phase auf 18 Monate zu reduzieren. Aus Materialien der aktuellen "Evaluation" des Landesinstituts für Schule durch eine Unternehmensberatungsfirma sind einige Entwicklungstendenzen abzuleiten. Eine stärkere Einbindung der Schulen in die Ausbildung, eine Reduzierung der Hospitationen durch das LIS und eine Erhöhung des bedarfsdeckenden Unterrichts für die ReferendarInnen zeichnen sich u.a. ab; - im Aufbau befindet sich eine Berufseingangsphase. Darin sollen BerufsanfängerInnen auch nach Abschluss ihrer Prüfungen gezielte Hilfen erhalten. Nach Beendigung eines momentan laufenden Pilotprojektes ist diese berufsbegleitende Fortbildung dann für die ersten drei Berufsjahre geplant.
Als Konsequenz aus der Schulstrukturänderung erfolgt zudem die Abkehr von der schulstufenorientierten Ausbildung hin zu Wiedereinführung "klassischer" Lehrämter. Die GEW lehnt diese einschneidende Veränderung ab, widerspricht sie doch unseren eigenen Vorstellungen von einem integrierten Schulsystem und einer daran orientierten LehrerInnenausbildung sowie den Ergebnissen von OECD-Studien hinsichtlich der Wirksamkeit der LehrerInnenqualifizierung.
Die GEW unterstützt weiterhin generell alle Maßnahmen zur Stärkung einer qualitativ hochwertigen LehrerInnenausbildung. Für sie haben dabei folgende Punkte als Kriterien zur Bewertung bereits eingeleiteter bzw. zukünftiger Veränderungen eine hohe Priorität: - Eine Verzahnung von Theorie und Praxis und deren materielle Absicherung ist in allen Phasen der LehrerInnenausbildung oberes Prinzip. Das heißt beispielsweise auf die aktuelle Situation in Bremen bezogen: * Im Studium werden Praxisanteile wissenschaftlich begleitet; hier spielen die Studieninhalte und deren Umsetzung die entscheidende Rolle; * im Referendariat ist eine intensive Verknüpfung von Seminararbeit und Hospitationen fortzusetzen; derzeit gefährdete Stellen im LIS sind abzusichern; * die Funktionen von Ausbildung und Prüfung dürfen nicht tendenziell durch Verlagerung von Ausbildungsaufgaben an Mentoren getrennt werden; * eine Mentorenausbildung und eine kompetente Betreuung von StudentInnen und ReferendarInnen durch Mentoren aktualisiert eine lange von der Gewerkschaft erhobene Forderung. Allerdings darf dies nicht mit erhöhter Unterrichtsverpflichtung für ReferendarInnen "bezahlt" werden. Die GEW lehnt eine Erhöhung des bedarfsdeckenden Unterrichts somit grundsätzlich ab. - Alle Phasen der Ausbildung sind in einen stärkeren inhaltlichen Zusammenhang zu stellen. - Bei der Neuordnung der LehrerInnenausbildung ist Dequalifikationstendenzen entgegenzuwirken. Das bedeutet insbesondere, dass für alle Lehrämter die Ausbildung gleich lang sein muss. Nur ein Master-Abschluss darf Voraussetzung für den Zugang zum Lehramtsberuf sein. Ein kürzeres Studium für das Lehramt an Grund- und Sekundarschulen lehnt die GEW ab. Die Einführung von Schulassistenten auf Bachelorbasis als HilfslehrerInnen bedeutet eine mögliche Gefahr.
- Das von der OECD gelobte fachwissenschaftliche Niveau der deutschen LehrerInnenausbildung stellt weiterhin ein wichtiges Qualitätskriterium dar. Entscheidend für eine erfolgreiche Berufstätigkeit wird aber ebenso die Qualifizierung von StudentInnen und ReferendarInnen anhand didaktischer Prinzipien sein, die sie später ihren SchülerInnen vermitteln sollen. Studium und Referendariat sind zu orientieren an forschendem und problemorientiertem statt an rezeptivem Lernen. Ein Anknüpfungspunkt könnte das in Bremen bekannte Projektstudium sein.
Damit sich eine qualitativ hochwertige Ausbildung realisieren lässt, bleibt der Kampf um die materielle Absicherung von Studium und Referendariat weiterhin ein bedeutendes gewerkschaftliches Arbeitsfeld. Erwerbstätigkeiten neben Studium und Referendariat zur Lebenssicherung sind keine erfolgversprechenden Lernbedingungen. Bafögmittel und Referendarsvergütung sind unzureichend. Aufgabe der GEW bleibt die Organisierung auch dieser Personengruppen und deren Stärkung in den jeweiligen Auseinandersetzungen.
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