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Publikationen BLZ BLZ Archiv BLZ Mai 2008 16.05.2008 Privatschulen in den Niederlanden | ||||||
| 16.05.2008 Privatschulen in den Niederlanden | ||||||
| von Wybren Kats | ||||||||||||
| Wenn man in den Niederlanden von Privatschulen spricht, versteht man darunter etwas anderes als in Deutschland. Rund 70% aller (Grund-)schulen sind Privatschulen. Nach dem Gesetz steht es in den Niederlanden jedem frei, aufgrund seiner Religion oder auf der Basis bestimmter pädagogischer Grundlagen eigene Schulen zu gründen und diese werden vom Staat, nach dem Schlüssel der öffentlichen Schulen, voll finanziert. Dazu gibt es staatliche Richtlinien, die für alle Schulen verbindlich sind. Der Staat führt auch die Schulaufsicht . Die Schulleistungen werden mittels verbindlicher, landesweiter Tests überprüft. Werden Mängel festgestellt, gibt es unangekündigte Inspektionen (Unterrichtsbesuche). Im Ernstfall kann eine Schule geschlossen werden. ( 2 Mal in 2007) |
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| Wie kam es zu dieser typisch niederländischen Schullandschaft? Seit der Loslösung aus dem Habsburgischem Reich (1568) und der Staatsgründung von 1579 (Republiek der zeven verenigden Nederlanden) waren die führenden Schichten sehr stark calvinistisch geprägt und das Bürgertum sehr auf seine privaten Freiheiten bedacht. Fast 300 Jahre gab es so gut wie keine kriegerische Ereignisse auf dem niederländischen Territorium und so hatten sich die Niederlande von vielen europäischen Entwicklungen abgekoppelt. Um 1900 bildete sich eine typisch niederländische Gesellschaftsform heraus. Ein „Vier-Säulen-System“ (d.h. Protestantisch/Calvinistisch, katholisch, sozialdemokratisch und liberal), in dem jede Gruppe ihre eigenen Schulen, Universitäten, Krankenhäuser, Verlage, Gewerkschaften, Zeitungen und politischen Parteien hatte. Jede Gruppe meinte für sich, die Wahrheit gepachtet zu haben. Erst 1921 wurde nach vielen parlamentarischen Auseinandersetzungen das „Gleichstellungsgesetz“ verabschiedet. Heute hat die Konfession bei der Schulwahl für die meisten Niederländer keine große Bedeutung mehr, anders als bei moslemischen und hinduistischen Immigranten. Vielmehr wird nach Wohnortnähe und Schulprofil entschieden. (Konkurrenz!) Trotz Spitzenplätzen in PISA 2003 wird die freie Schulwahl heute auch kritisch betrachtet. Private Schulen können sich ihre Schüler aussuchen, während staatliche Schulen alle Kinder aufnehmen müssen | ||||||||||||