zur Startseite
Pfad zur Seite:Startseite - Publikationen - BLZ - BLZ Archiv - BLZ Juli/August 2006 - 13.07.2006 Musik macht Schule - Schule macht Musik

13.07.2006 Musik macht Schule - Schule macht Musik

Das Musikprofil am Schulzentrum Sebaldsbrück
F. Temme
Musik macht klug, bereichert unser aller Leben, fördert die kognitive und emotionale Intelligenz und das positive Sozial- und Lernverhalten unserer Kinder!
Dieses konnte in den vergangenen Jahren häufiger in den Tageszeitungen und Gazetten unserer Republik gelesen werden. Mit dem Prädikat "besonders wertvoll" sei hier nur die von H.G. Bastian im Schott Verlag erschienene Lektüre "Kinder optimal fördern - mit " Musik" empfohlen.
Dem Professor für Musikpädagogik an der Universität Berlin ist es mit seiner beeindruckenden Langzeitstudie an Berliner Grundschulen gelungen, die positiven Auswirkungen eines erweiterten Musikunterrichts und des "Aktiven Musizierens" in der Schule wissenschaftlich zu belegen. Eben: Musik macht klug!

Diktierten Sparzwänge auch in der Vergangenheit nur allzu oft den Bildungs- und Kulturetat der Bundesländer, wirkten die sich i.d.R. vor allem negativ auf die Stundentafel der künstlerischen und musischen Fächer aus. Auch heute fällt der Musikunterricht an Schulen oft gänzlich aus, besitzt entweder keinen hohen Stellenwert oder wird nur mit geringer Stundenzahl und nicht durchgängig unterrichtet.
Diesem Schattendasein des Musikunterrichts ein Ende zu bereiten, ist mittlerweile ein Anliegen, dem sich zahlreiche Schulen, Bildungspolitiker und private Initiativen und Stiftungen verpflichtet fühlen. Es werden mehr und mehr Musikklassen eröffnet, bundesweit. Bereits jetzt gibt es mehr als 500 der so genannten Bläserklassen in Deutschland, in denen das aktive Klassenmusizieren vor allem im Mittelpunkt eines musischen Klassenprofils der Jahrgangsstufen 5 und 6 steht.

Auch in Bremen sind in den letzten Jahren mit viel Engagement zahlreiche solcher Musik - , und Bläserklassen entstanden. Mittlerweile existieren ausgewiesene Schulen mit einem sog. Musikprofil, die sowohl durch den Senator f. Bildung unterstützt werden, vor allem aber auf die finanzielle Unterstützung durch die Eltern, zahlreicher Stiftungen und Initiativen und die Mitarbeit der Musikschulen angewiesen bleiben. Die verschiedenen Schulen besitzen dabei ganz unterschiedliche Profilausrichtungen und entwickeln dabei individuelle Schwerpunkte, die durch ihre Vielfalt die bremische Schullandschaft bereichern können. Entscheidend für eine positive Entwicklung eines musischen Profils ist und bleibt aber die Einbindung, Betreuung und das Engagement durch die entsprechenden Musiklehrer/innen in den Schulen selbst.


Seitenabschnitte:
Musik macht Schule
Das Bläserklassenprofil
Zusammenarbeit mit der Musikschule Bremen
Voraussetzung zur Teilnahme
Anmerkungen zur methodisch-didaktischen Konzeption einer Bläserklasse
Handlungsorientierung und soziale Kompetenz
Literatur:

Musik macht Schule

Schulen mit einem musischen Profil profitieren davon, dass Teamfähigkeit als gesellschaftliche Schlüsselqualifikation spielerisch erworben, Rücksicht und Toleranz im gemeinschaftlichen Miteinander trainiert, aber auch kognitive Elemente wie Konzentrationsleistung und Merkfähigkeit im Hinblick auf andere Schulfächer deutlich verbessert werden können.
Als ein Beispiel der bremischen Schullandschaft ist das Schulzentrum Sebaldsbrück anzusehen, dass mit der Einrichtung der allerersten Bläserklasse in Bremen auch eine Initialzündung in anderen Schulen bewirkte. Mittlerweile existieren in Bremen über 15 Bläserklassen, ab dem kommenden Schuljahr allein sechs davon am SZ in Sebaldsbrück.

Eine Schwerpunktbildung im Fach Musik vollzieht sich am SZ Sebaldsbrück bereits seit dem Schuljahr 2001/2002 mit der Einrichtung eines musischen Klassenprofils für die Jahrgangsstufen 5 und 6 der ehemaligen Orientierungsstufe.
Im Mittelpunkt steht dabei das aktive Klassenmusizieren nach dem Vorbild einer Bläserklasse, deren Zielsetzung der Aufbau eines Klassenorchesters im Rahmen des regulären Musikunterrichts ist. Bläserklassen sind Klassenverbände (am SZ Sebaldsbrück mit maximal 31 SchülerInnen), die auf ein vielfältiges Instrumentarium von über zehn verschiedenen Instrumentengruppen zurückgreifen können. Beginnend im 5. Schuljahr werden die bestehenden Klassenverbände als Gymnasialklassen mit dem Schwerpunkt Musik bis zur Klasse10 hochgeführt, in den auslaufenden Klassen der Orientierungsstufe ab Klasse 7 mit einer zusätzlichen Binnendifferenzierung Realschule.

Das Bläserklassenprofil

Zum jetzigen Zeitpunkt existieren am SZ Sebaldsbrück fünf durchgehende Bläserklassen in den Jahrgangsstufen 5, 6, 7, 8 und 9. Mit der Einrichtung einer weiteren Bläserklasse im kommenden Schuljahr wird das SZS mit ca.180 SchülerInnen in sechs Bläserklassen den Aufbau seines gymnasialen Musikprofils abschließen.
Darüber hinaus werden mit einem jahrgangs- und schulstufenübergreifenden Chor in den Jahrgangsstufen 7- 10, einer Chor - und Jazz - Combo weitere, dem Musikprofil zugehörige Projekte angeboten, die momentan von ca. 35 Schülerinnen und Schülern wahrgenommen werden. Zudem besteht ein 60-köpfiges Orchester, das sich aus den verschiedenen Bläserklassen zusammensetzt.
Ab dem kommenden Schuljahr beginnt ebenfalls der Aufbau einer Keyboardklasse in Jahrgang 5 der Sekundarschule, die künftig in den weiteren Ausbau des Musikprofils eingebunden werden soll. Mit weit über 200 Schülerinnen und Schülern wird dann ein großer Teil der Schülerschaft am SZ Sebaldsbrück in das bestehende Musikprofil eingebunden sein.

Zusammenarbeit mit der Musikschule Bremen

Alle Schülerinnen und Schüler der Bläserklassen erhalten am SZ Sebaldsbrück wenigstens vier Musikstunden an drei oder vier Tagen in der Woche. Den Unterricht übernimmt eine entsprechend fortgebildete Musiklehrkraft der Schule.
Für die Schüler/innen, die für den musikalischen Schwerpunkt angemeldet wurden, bedeutet dies wöchentlich drei Musikstunden mehr als sie die Klassenkameraden aus der Parallelklasse erhalten. Der Lehrplan sieht hier nur eine Stunde vor. Darüber hinaus nehmen alle Schüler/innen an dem wöchentlich stattfindenden Instrumentalunterricht teil, der von der Musikschule Bremen durchgeführt wird. Die ist engster und wichtigster Verbündeter in Sachen Musikprofil. Die Zusammenarbeit kann als eine optimale Partnerschaft von Schule mit externen Institutionen angesehen werden.
Dieser Unterricht findet vor Ort und im Anschluss an den übrigen Unterricht statt. Somit bietet die Schule den Schülerinnen und Schülern mit mindestens fünf Stunden Musik wöchentlich möglichst täglich eine optimale Voraussetzung zur Vertiefung musikalischer Fertigkeiten und Neigungen, die durch eine Zusammenarbeit der Musikschule Bremen und dem SZS gewährleistet wird.

Voraussetzung zur Teilnahme

Voraussetzung zur Teilnahme an der Musikklasse im Gymnasium des Schulzentrums ist lediglich die Bereitschaft der Kinder, ein Musikinstrument neu erlernen zu wollen und am zusätzlichen Instrumentalunterricht in der Schule teilzunehmen. Als Gegenleistung für den Instrumentalunterricht durch qualifizierte Instrumentallehrer und das Entleihen eines schuleigenen Instrumentes, das die Kinder dann während der zwei Schuljahre mit nach Hause nehmen können, erbittet die Schule lediglich eine monatliche Gegenleistung in Höhe von 25,- €. Dieses ohnehin sehr preisgünstige Angebot muss zusätzlich auf der Basis von Spenden und Fördermitteln mit finanziert werden.

Anmerkungen zur methodisch-didaktischen Konzeption einer Bläserklasse

Orientierungsphase
Das Schuljahr in einer Bläserklasse beginnt mit einer einwöchigen Orientierungsphase unter Anleitung der verantwortlichen Musiklehrkraft und der Instrumental- lehrer/innen der Musikschule. In dieser Zeit sollen alle Schüler/innen die der Klasse zur Verfügung stehenden Instrumente mehrmals selber erproben, um Vorlieben und Interessen für die verschiedenen Instrumente zu entwickeln. Der/die Musiklehrer/in hingegen sammelt während dieser Zeit Eindrücke über die Begabungen und Fähigkeiten der einzelnen Kinder, was mitunter bei der Vergabe der zuvor festgelegten Besetzungsliste des kleinen Orchesters eine Rolle spielt. Alle Kinder dürfen nach Abschluss dieser Orientierungsphase drei Instrumente ihrer Wahl benennen. Einer dieser Wünsche (nach Möglichkeit der Erstwunsch) wird dann in jedem Fall erfüllt werden.
Diese Auswahl und Zuordnung der Instrumente muss getroffen werden, um eine sinnvolle instrumentale Orchesterbesetzung zu gewährleisten, die auch den Klangvorstellungen eines Bläserensembles gerecht wird.

Handlungsorientierung und soziale Kompetenz

Das ursprünglich aus den USA stammende Bläserklassenkonzept wurde entwickelt, um den Musikunterricht an allgemeinbildenden Schulen verstärkt handlungsorientiert zu gestalten. Durch das aktive und kontinuierliche Handeln in und mit der Musik entwickeln die Kinder ihre eigene >Reale Lebenswelt Musik<.
Aktives Musizieren fördert besseres Hören und Zuhören und die Motivation sich darauf einzulassen. Erfordert die gemeinsame Arbeit in der Gruppe Toleranz und Rücksichtnahme, werden diese Eigenschaften durch die Zielsetzung des gemeinsamen Musizierens hervorgehoben, indem jeder Einzelne gefordert ist, seine Talente und Leistungen in die Gruppe einzubringen. Dies kann und muss als optimale Möglichkeit verstanden werden, Kinder und Jugendliche wieder verstärkt zur Musik zu führen und sie gleichsam in ihrer sozialen Kompetenz zu fördern.

Literatur:

H.G. Bastian, Kinder optimal fördern mit Musik, Schott 2000
Sandy Feldstein & John 0'Reilly, Yamaha Bläserklasse, De Haske 1997
Yamaha Bläserklasse, 2000
F. Temme, "Immer ins dünne Ende reinblasen" - Philharmonie Bremen 2/2001

SucheHilfeEmailSitemap
Suche,Hilfe,Email,Sitemap