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16.12.2008 Krank werden geht nicht!

von Ruth Tschentscher und Bernd Winkelmann
Gespräche mit Referendarinnen und Referendaren zeigen, dass die aktuelle Ausbildungssituation in Bremen und Bremerhaven keinen Beitrag dazu leistet, die Attraktivität des Lehrerberufs zu steigern. Dabei spielen die ökonomische Situation und die neue Prüfungsordnung eine wesentliche Rolle.

Seitenabschnitte:

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Zu Recht monieren ReferendarInnen das niedrige Einstiegsgehalt nach einem Studium von mindestens vier bis fünf Jahren und Wartezeiten, bevor die Zusage zum Vorbereitungsdienst endlich eintrifft: Mit einem Nettogehalt von weniger als 1000 Euro wird die Arbeitsleistung abgegolten, Fahrtkosten kommen bei KollegInnen noch hinzu, die in Bremen wohnen und in Bremerhaven ihren Dienst versehen. Zumindest hinter vorgehaltener Hand wird nicht bestritten, dass von einer ganzen Reihe von ReferendarInnen der Nebenjob aus Studienzeiten weiterhin notwendig bleibt.

Ebenso drastisch sind die Auswirkungen der neuen Ausbildungs- und Prüfungsordnung. Spürbar ist die allgemeine Verunsicherung, die daraus resultiert, dass wesentliche Elemente als nicht hinreichend geklärt angesehen und entsprechende Konkretisierungen erst während der Ausbildung nach und nach bekannt gegeben werden. Dies bezieht sich insbesondere auf fehlende Ausbildungspläne durch die Schulen, die Erstellung des Portfolios und der Abschlussarbeit. Hier schwingt die Angst mit, dass aus diesen Unsicherheiten negative Folgen für die Prüfung resultieren könnten.

Nach den ersten Erfahrungen im Vorfeld des Prüfungsverfahrens zeichnet sich eine weitere besondere Verschärfung ab: Nach § 20 (7) der PO bekommen ReferendarInnen, die während des achtwöchigen Zeitraumes zur Erstellung der Abschlussarbeit krank werden, keine Verlängerung der Bearbeitungsfrist. Vielmehr erhalten sie, wenn sie zeitverzögernde Gründe nachweisen können, die sie nicht zu vertreten haben, ein neues Thema zur Bearbeitung! Eine derartige Regelung bedeutet eine unnötige Härte.

Neben einem erheblichen Zeit- und Termindruck, der u.a. aus der zehnstündigen Verpflichtung zu selbst verantwortetem Unterricht resultiert, stößt die Ausbildungssituation in den Schulen auf Kritik. Unklare Hospitationskriterien, Stundenplanprobleme, die Hospitationen stark einschränken, wenig Zeit und Muße für Reflektionsgespräche, Zufälligkeit der Mentorenzuordnung sind Stichworte in diesem Zusammenhang, wie auch das an mehreren Stellen scharf wahrgenommene Abhängigkeitsverhältnis. Den ReferendarInnen entgeht nicht, dass sie in der Hierarchie „ganz unten“ stehen.

Diese wenigen Eindrücke zeigen, dass politische Entscheidungen gefordert sind. Dabei geht es nicht nur um „Kleinigkeiten“ wie mehr Transparenz bei den Kriterien zur Aufnahme ins Referendariat und der darin erfolgenden Schulzuweisung oder einer monatelang verzögerten Vertretungsregelung für erkrankte oder ausgeschiedene Seminarleiter. Es geht vielmehr um Arbeitsbedingungen, mit denen die Auszubildenden ihre eigenen Ansprüche umsetzen können und um eine Attraktivitätssteigerung unseres Berufes: Neue KollegInnen werden in den nächsten Jahren in großer Zahl benötigt. Die derzeitigen Studierendenzahlen sind dagegen alarmierend: Nach einer Berechnung von Klaus Klemm werden bald ca. 10.000 Absolventen fehlen – und das jährlich.!

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