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16.06.2008 Kommentar zum Christival

von Peter Meier-Hüsing
„Jesus bewegt“ lautete das Motto des umstrittenen Christivals, und bewegt war die Diskussion um das Christentreffen allemal – ob nun im Sinne Jesus oder nicht, sei mal dahingestellt.
Die breite Debatte außerhalb und innerhalb der Kirche über Inhalte und Ziele dieses Treffens meist junger Christen war gut und richtig und wird hoffentlich so schnell nicht abebben.

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Der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck hatte den Stein ins Wasser geworfen mit seiner öffentlichen Kritik an einem Seminar, das Homosexualität als therapiebedürftiges Defizit behandeln sollte. Große Empörung. Bundesfamilienministerin von der Leyen als Schirmherrin des Christivals distanziert sich flugs von solchen Inhalten und das Seminar wird abgesetzt. Gut so. Einerseits.
Andererseits möge man nicht vergessen, dass in der sog evangelikalen Szene – eine weltweite Bewegung konservativer evangelischer Christen – Homosexualität weiterhin als sündhaftes Verhalten betrachtet wird. Denn so steht es in der Bibel. Und die nehmen die Evangelikalen sehr ernst und wortwörtlich. Sie ist für sie Gottes Wort und verbindliche Richtschnur ihrer Ethik und ihres Handelns. Der Anlass zur Gründung der „Evangelischen Allianz“ vor über 150 Jahren war ja gerade der Protest gegen alle modernistische Zeitgeisttheologie. Und der Aufruf: „Zurück zu den Wurzeln!“. Und da regiert eben immer noch ein vor-aufklärerischer Glaube, der ein sehr schlichtes „Gut und Böse-Weltbild“ transportiert. Bis heute. Religiösen Fundamentalismus findet man eben nicht nur im Islam, sondern auch vor der eigenen Haustür.

Erstaunlich nur, dass erst jetzt darüber diskutiert wurde.
Denn es gibt seit Jahrzehnten eine recht lebendige evangelikale Szene in Deutschland. Evangelikale Großveranstaltungen fanden auch in Bremen schon öfters statt – ohne laute Proteste. Die Evangelikalen unterhalten eigene Bildungsstätten, Medienakademien und natürlich Missionswerke. Sie haben seit langem fast eine organisatorische Parallelstruktur zur EKD aufgebaut. Denn die oft friedensbewegte, ökologisch orientierte und globalisierungskritische EKD erschien den bibeltreuen Konservativen manchmal schon als Ausgeburt des Antichristen.
Umso bemerkenswerter erscheint da der Besuch des EKD-Vorsitzenden Wolfgang Huber auf dem Christival. In den Augen der Organisatoren adelt er damit das Treffen der Evangelikalen. Ob Huber nun das konservative Profil der EKD schärfen will oder eher auf Wandel durch Annäherung bei den Evangelikalen setzt, muß erst die Zukunft zeigen.
Hoffentlich das letztere. Denn die Evangelikalen in Deutschland mögen theologisch betrachtet Fundamentalisten sein. Politisch-religiös sind sie es nicht. Noch nicht!
Im Unterschied zu den USA werden hierzulande von Fundamentalisten keine Abtreibungskliniken angezündet, in Schulbüchern nicht die Darwinsche Evolutionstheorie in Frage gestellt und keine Schwulenaktivisten verfolgt.
Fakt ist: Die 16.000 Christival-Besucher in Bremen waren in ihrer Mehrheit alles andere als finstere, zum Kreuzzug gegen alles vermeintlich Böse entschlossene Fundamentalisten. Es waren Jugendliche, denen das Gemeinschaftsgefühl und ein sehr persönlich gelebter Glaube etwas bedeutet und gibt. Etwas, das sie sonst in dieser Gesellschaft anscheinend nicht finden.
Fakt ist aber ebenso, dass die theologische Grundlage dieser Bewegung alles andere als liberal, aufgeklärt und ökumenisch daherkommt. Sie liefert eben auch das geistige Rüstzeug etwa für militante evangelikale Rechte in den USA.
Damit uns hierzulande solche Auswüchse erspart bleiben, muß die offene Diskussion innerhalb und außerhalb der Kirche über das Welt- und Menschenbild der Evangelikalen weitergehen. Das hat hier geklappt. Das kann sich Bremen zugute halten, Gastfreundschaft und kritische Debatte ermöglicht zu haben.

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