| Besondere Herausforderungen in Bremerhaven von Peer Rosenthal, Dr. Christiane Koch (Referat für Arbeitsmarktpolitik, Arbeitnehmerkammer Bremen) | |
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| Die Übergangswege von der Schule in eine Ausbildung sind in den letzten Jahren vielfältiger, aber auch langwieriger geworden. Das Angebot an betrieblichen Ausbildungsplätzen deckt seit Jahren nicht die Nachfrage, der Ausbau schulischer Ausbildungsgänge kann dies nicht kompensieren. Zu viele junge Erwachsene werden ohne Berufsabschluss in die Arbeitswelt entlassen. Daraus resultieren erhebliche Risiken im Lebensverlauf. In Regionen mit besonders unzureichender Angebots-Nachfrage-Relation auf dem Ausbildungsmarkt, wie in Bremerhaven, ist das Problem besonders drängend.
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| Der Übergang an der ersten Schwelle ist im Zeitverlauf deutlich schwieriger, das sog. Übergangssystem immer bedeutsamer geworden. Es zeichnet sich dadurch aus, dass keine formal qualifizierenden Abschlüsse vermittelt werden. 2006 traten im Land Bremen über 3.400 junge Männer und Frauen zunächst in das Übergangssystem ein, ein Drittel aller Neuzugänge auf den Ausbildungsmarkt. Jugendliche ohne Schulabschluss haben die geringsten Chancen auf Aufnahme in qualifizierende Ausbildung: 80 Prozent von ihnen münden ins Übergangssystem, allerdings auch mehr als 50 Prozent der Hauptschulabsolventen/innen und ein knappes Drittel der Realschüler/innen. Darüber hinaus weisen Jugendliche mit Migrationshintergrund überproportional hohe Eintrittsquoten ins Übergangssystem auf. Vor diesem Hintergrund bleibt festzuhalten, dass die besondere Stärke der dualen Ausbildung, auch bildungsschwächere Jugendliche beruflich zu integrieren, stark rückläufig ist. Eine Teilnahme an den Maßnahmen des Übergangssystems verbessert zwar die Chancen auf eine Ausbildung, stellt aber bei weitem keine Garantie dar: ca. 20 Prozent der nicht studienberechtigten Jugendlichen bleiben auch drei Jahre nach Schulende ohne Ausbildungsplatz. Für sie entwickeln sich die Übergangsmaßnahmen zur Dauerwarteschleife.
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| Ohne Berufsabschluss droht Armut
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| Werden Jugendliche ohne Ausbildung in die Arbeitsgesellschaft entlassen, offenbaren sich Konsequenzen, die sowohl für die Individuen als auch für die Gesellschaft nachhaltig wirken: Die Arbeitslosenquote von Personen ohne anerkannte Ausbildung liegt bei 25 Prozent und ist damit fast dreimal so hoch wie bei Qualifizierten und sechsmal so hoch wie bei Personen mit Hochschul- oder Fachhochschulabschluss. Darüber hinaus sind Arbeitnehmer/innen ohne Berufsabschluss häufig dauerhaft in prekären und nicht existenzsichernden Jobs, beispielsweise im Niedriglohnsektor, tätig. Zudem gelingt es immer weniger Arbeitnehmer/innen, den Niedriglohnsektor zu verlassen. Die Aufstiegschancen von Unqualifizierten sind besonders gering.
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| Bedenkliche Angebots-Nachfrage-Relation in Bremerhaven
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| Der Ausbildungsmarkt in Bremerhaven ist in Folge der schwierigen Wirtschaftslage seit Jahren äußerst problematisch. Zwar hat während des letzten Aufschwungs auch in der Seestadt die Zahl der Ausbildungsplätze zugenommen, aber doch längst nicht so weit, dass eine deutliche Verbesserung hätte eintreten können. Während in Bremen Stadt im Ausbildungsjahr 2007/08 die Zahl der gemeldeten Ausbildungsplätze die der Bewerber/innen knapp überstieg (1,1 Ausbildungsplätze pro Bewerber/in), lag die Relation in Bremerhaven bei nicht einmal der Hälfte (0,4 Plätze je Bewerber/in). Die aktuelle Wirtschaftskrise hat im vergangenen Jahr noch nicht auf den Ausbildungsmarkt durchgeschlagen. Insbesondere im Bereich der Industrie- und Handelskammer Bremerhaven war ein beachtlicher und erfreulicher Zuwachs von 17 Prozent mehr abgeschlossenen Ausbildungsverträgen zu verzeichnen (671 Plätze, davon 83, also 12,4 Prozent, außerbetriebliche Plätze), während in Bremen Stadt das Plus unter 5 Prozent lag. Allerdings hatte das Handwerk im Land Bremen bereits im letzten Herbst ein Minus von 4,5 Prozent an Ausbildungsplätzen zu verbuchen. Nach Einschätzung von Experten eine Mischung daraus, dass Jugendliche mehrere Alternativen hatten und Verträge nicht angetreten haben, aber auch bereits Vorboten der Wirtschaftskrise, in der gerade kleine Betriebe rasch Ausbildungskapazitäten reduzieren. Letzteres untermauert noch einmal die problematische Situation in Bremerhaven: da das Handwerk traditionell auch Jugendliche mit schlechteren Schulabschlüssen ausbildet, hat sich ausgerechnet die Lage der Schwächsten auf dem Ausbildungsplatzmarkt offenbar am schnellsten wieder zum Negativen gewendet. Der politische Handlungsbedarf beim Übergang von der Schule in Ausbildung ist weiterhin groß und wird durch die Konjunkturabhängigkeit des dualen Ausbildungssystems in diesem Jahr wohl weiter wachsen.
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