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16.09.2008 Jenaplanschulen und Heterogenität

Erfahrungen im Umgang mit Unterschieden
von Wilfried Meyer

In den Niederlanden gibt es über 220 Jenaplanschulen, auch in Deutschland haben sich nach der Wende wieder solche gegründet und die Grundlagen einer Reformschule des Peter Petersen weiterentwickelt und in modernere Zeiten der Pädagogik weitergedacht. Informationen auch unter www.jenaplanschulen.de und www.jenaplanschulen.nl.

Kees Both, seit über 30 Jahren in der niederländischen Jenaplanschulbewegung aktiv, schreibt in seinem Buch
Jenaplan 21, welches das 21.Jahrhundert meint, über die Kinder :

Seitenabschnitte:
Unterschiede zwischen Kindern sind größer, als man denkt.
Das bedeutet auch...
Unterschiede als Ausgangspunkt
Literaturhinweis

 Erfahrungen_Jenaplan.pdf
 Vollständiger Artikel
zum Downloaden

Unterschiede zwischen Kindern sind größer, als man denkt.

Und er führt die für die Schule bedeutsamen auf.

  • kultureller Hintergrund und sozio-ökonomische
  • in Entwicklungsmöglichkeiten
  • Entwicklungsgeschwindigkeiten
  • Zwischen Jungen und Mädchen
  • In Lernstilen: Macher, Träumer, Denker, Entscheidungsfreudige ; oder kreative, disziplinierte und chaotische Kinder
  • in der Intelligenz: sprachlichen, logisch-mathematischen, räumlichen, musikalischen, sinnlich-kinästhetischen, interpersonalen
  • Dominanz von bestimmten Sinnen

Die Jenaplanschulen gehen bewusst von diesen Unterschieden bei den Kindern aus.
Das kann bedeuten, dass jedwede Unterstellung einer ‚durchschnittlichen Entwicklung’ von Kindern auf einer bestimmten Alterstufe (Querschnitt) oder beim einzelnen Kind (Längsschnitt) abgelehnt wird. Weniger auf Unterschiede ‚Rücksicht nehmen’, sondern in einer selbstverständlichen Weise von Unterschieden ausgehen.

Das bedeutet auch...

  • Eine stärkere Variation an Lernsituationen, z.B. damit Kinder entdecken können, welche Form von Lernen ihnen jeweils adäquat ist.
  • Abwechslungsreichtum an Situationen, in denen Unterricht stattfindet: nicht nur im Klassenzimmer, sondern auch auf dem Schulgelände, in Gärten und Naturgebieten, Museen, Bauernhöfen, Theatern, Betrieben etc. Diese Lernumgebungen aktivieren verschiedene Tätigkeiten der Kinder
  • Ein reiches inhaltliches Angebot...Interessante Dinge sind oft buchstäblich an der nächsten Ecke zu finden.
  • Bereiche selbstverantworteten Lernens.
  • Schaffen mehrerer Zugänge bei Instruktion und Übung: zuschauen, zuhören, nachahmen, spielen, etwas mit Dingen tun.

Dies setzt natürlich entsprechende Bedingungen voraus , auch zur Differenzierung der Begleitung. Kinder müssen genau beobachtet werden, um entsprechende Programme zusammenstellen zu können. Schulen müssen ein Begleitsystem für die Schülerentwicklung schaffen, mit dessen Hilfe die Lernerfolge der Kinder festgestellt und dokumentiert werden sollen. Das können durchaus Tests sein, die aber an die Curricula der Schule gebunden sind.
Kees Both setzt sich darüber hinaus für eine verstärkte Integrationsarbeit in Richtung schwächerer Schüler auseinander. Dies wird in Bremen in der Zukunft und einer eventuell von oben verordneten Auflösung von Sonderschulen eine Rolle spielen.. Wodurch werden solche Formen dann ersetzt ?
Wie werden Regelschulen dann ausgestattet ?
Ebenso beschäftig er sich mit der Frage der Jahrgangsklassen.
Wie könnte Jahrgangs übergreifend sinnvoll aussehen ?

Unterschiede als Ausgangspunkt

In diesem von uns als sehr lesenswert empfundenen Buch auf Seite 66 wird als eine Grundlage definiert :
Unterschiede als Ausgangspunkt
Zur Grundphilosophie.. gehört das akzeptieren von Unterschieden zwischen den Kindern als Ausgangspunkt der pädagogischen und unterrichtlichen Arbeit. Kinder unterscheiden sich in vielfacher Hinsicht voneinander, beispielsweise im Entwicklungstempo : Sie beginnen auf ungleichen Niveaus, entwickeln sich nur in den großen Linien in ähnlicher Weise und sind auch am Ende ihrer Kindheit keineswegs ‚gleich’. Kein Unterrichtssystem und keine amtliche Richtlinie kann dies ändern. Auf diese faktische Gegebenheit muss die gesamte Schulorganisation abgestimmt sein.

Schulorganisation, die die Kinder nach der Grundschule wieder zu homogenisieren sucht durch Dreigliedrigkeit oder auch in Säulen wird diesem Ausgangspunkt bei den Kindern nicht gerecht.
Dadurch werden auch viele Chancen vergeben, die Unterschiede bedeuten können.
Schule muss materiell, räumlich und personell in die Lage versetzt werden, einen solchen Unterricht zu gestalten.
Viele Anregungen für konkrete Veränderungen, aber auch für viele offene Fragen, haben wir in der Veröffentlichung von Kees Both gefunden.
Am 21.9. läuft im Bayrischen Fernsehen auch ein Bericht über eine Schule unter dem Titel „Labor-Schule“.

Literaturhinweis

Alle im Artikel kursiv gesetzten Teile entstammen dem Buch:
Both, K.: Jenaplan 21.
Schulentwicklung als pädagogisch orientierte
Konzeptentwicklung. Baltmannsweiler 2001
Von einem der Gründerväter der Jenaplan-Bewegung
in den Niederlanden verfasst. Äußerst aktuell, schulbezogen,
mit vielen einprägsamen Beispielen versehen.
Als Arbeitsbuch hervorragend geeignet. Auch in der
persönlichen Diktion unverkennbar „Jenaplan“.

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