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16.09.2009 Interview mit dem Ausbildungspersonalrat

Das Referendariat stellt eine ganz spezifische Belastung dar. Wir haben dazu drei Mitglieder des Ausbildungspersonalrats befragt: Maria Knauer, Rene Kastenbein und Tillmann Schneider.
Wo liegt der Schwerpunkt der Belastung aus eurer eigenen Erfahrung und der eurer APR-Arbeit?

Maria: Es fällt schwer, die Probleme zu ordnen und einen Schwerpunkt heraus zu filtern. Ein Problem ergibt sich aus dem anderen. Eine Belastung ist z.B., dass man zwischen den verschiedenen Institutionen steht. Ein Beispiel wäre die Pflicht Hospitationstermine zu organisieren. Da die eigenen Stundenpläne nicht immer mit den verfügbaren Stunden der Seminarleiter übereinstimmen, ergibt sich für den Referendar eine Zwickmühle. Er ist nun in der Bringschuld und muss seinen Unterricht umlegen, dass heisst dass SchülerInnen aus dem Regelunterricht herausgezogen werden, damit überhaupt Hospitationen stattfinden können.
Rene: Das gleiche Problem gibt es z.B. in Sport. Hier wurden einem Fachleiter die Stunden gekürzt, so dass es passieren kann, dass der Fachleiter bei der Lehrprobe das erste Mal die Klasse sieht ...

Real?

... es sei denn, es gelingt einem, den Unterricht umzulegen. Bei mir persönlich passt es zufällig, bei anderen nicht.
Maria: Man kann sagen, dass die Fachseminarleiter sehr wenig Zeit für uns haben. Das ist nicht deren Schuld, sondern sie haben zu viele ReferendarInnen. Und wenn eine(r) krank wird, gibt es keine Vertretung. Es ist passiert, dass wegen einer halbjährigen Erkrankung seit dem letzten November kein Unterrichtsbesuch stattfand.

Seitenabschnitte:

 Interview_APR.pdf
 Vollständiges Interview
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Rene: Die Situation ist sehr unterschiedlich. Aber auch wenn man eine sehr gute Betreuung durch Mentoren hat, steigt etwa nach der Hälfte des Referendariats die Belastung erheblich durch die anstehenden Prüfungen (Lehrproben, Hausarbeit und Portfolio). Dabei merke ich, dass ich ständig neue Fragen habe, die aus neuen Erfahrungen resultieren – obwohl ich aus dem Studium heraus und durch Arbeit bei der Stadteil-Schule schon relativ viel unterrichtet habe.
Tillmann: Das sehe ich genau so. Durch die Verkürzung auf 1 ½ Jahre ist die Unterrichtszeit bis zur ersten Lehrprobe erheblich kürzer geworden. Und davor soll man in jedem Fach theoretisch sechs Unterrichtsbesuche gehabt haben. Aber das funktioniert zum Teil nicht. Und die Reflexionsphasen werden erheblich kürzer. Im Bereich der Sonderpädagogik kommt als Belastung noch der Unterricht in einem nichtstudierten Fach dazu.
Rene: Um wirklich zu reflektieren, braucht man Zeit. Dieses ist bei dem erhöhtem Pensum nur noch über einen Teil der Unterrichtsstunden möglich. Für die Reflektion der restlichen Stunden bleibt keine Zeit.

Was sind die Anforderungen für das Portfolio?

Alle: Gute Frage ...
Maria: Oft müssen auch die Fachleiter erst einmal in die neue Ausbildungs- und Prüfungsordnung gucken, weil sich so oft etwas geändert hat.
Rene: Ich habe hier die neue Ausbildungsordnung ... Es enthält den individuellen Ausbildungsplan, Berichte über unterrichtliche und schulische Aktivitäten, die Hospitationen und die Teilnahme an den LIS-Veranstaltungen.
Tillmann: Das Portfolio dient u.a. der Vorbereitung der mündlichen Prüfung. Daraus wird ein Fallbeispiel herausgenommen ...

Die anderen: ... es kann aber auch etwas ganz anderes sein.

Vor drei Jahren wurde gegen den Widerstand von GEW und Personalrat der bedarfsdeckende Unterricht von 8 auf 10 Stunden heraufgesetzt. Findet in diesen Stunden überhaupt eine Art von Betreuung statt?

Maria: Manchmal kommen die Mentoren vorbei, aber dazu muss man zuerst einmal welche haben und dann muss die Schule darauf achten, dass wenigstens eine Stunde so gelegt ist, dass Hospitationen möglich sind. Manchmal ist es nur eine Vertretungsstunde, die manchmal ausfällt und dann dafür genutzt wird.
Rene: Bei mir persönlich waren es bisher mindestens die zwei üblichen Stunden in der Woche. Das LIS kann und will wohl auch gar nicht kontrollieren, in wie weit dort eine Betreuung stattfindet. Nach unserer Einschätzung ist die Situation in den Schulen sehr unterschiedlich.
Maria: Bei der Einforderung der Betreuung haben die ReferendarInnen auch immer das Schulgutachten im Hinterkopf. Sie werden deshalb nicht unbedingt zur Schulleitung gehen und sagen: „Im Ausbildungsplan steht aber ...“.
Tillmann: Es gibt auch positive Beispiele. In meinem Förderzentrum werde ich in vier von zehn bedarfsdeckenden Stunden von Mentoren betreut.

Das setzt natürlich voraus, dass die Schule diese Stunden auch erübrigen kann. Und dass viele Schulen das nicht mehr können, hängt eben damit zusammen, dass so viele Referendarsstunden ihnen bedarfsdeckend angerechnet werden.

Tillmann: Aber auch die Herangehensweise der Schulen, der Umgang mit Referendaren spielt eine Rolle. Sonst maximiert sich der Stress. Über den APR erfahren wir immer wieder von Referendaren, die sich wegen des Schulgutachtens nicht trauen, bei Vertretungsstunden und Pausenaufsichten zu widersprechen.

Welche anderen Probleme laufen bei euch als APR auf?

Rene: Mit dem Schulgutachten hängt vieles zusammen. Z.B. wurde Referendaren nahe gelegt sich zu engagieren und z.B. in Schulentwicklungsgruppen mitzuwirken.
Maria: Und dann gibt es noch die Anfragen wegen einer Begleitung in der Prüfung.
Rene: Und der Einsatz in der Schulstufe ist ein Problem. Außerdem gibt es immer wieder Überbelastungen: Ein Referendar hatte über 20 Abiturprüfungen abnehmen müssen.
Maria: Es könnten aber noch viel mehr KollegInnen zum APR kommen, vieles wird jedoch schon im Umfeld der EW-Seminare besprochen.

Vielen Dank für die Auskünfte.
Die Fragen stellte Jürgen Burger

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