| als Schlüsselqualifikation und Querschnittdimension von Prof. Dr. Yasemin Karakaşoğlu, Universität Bremen | |
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| Im Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit ist in den letzten 10 Jahren die Erkenntnis gewachsen, dass Deutschland auf Dauer ein Land bleiben wird, dessen Bevölkerung sich sprachlich und kulturell plural zusammen setzt. Bei einer Stadtbevölkerung, die in der Altersgruppe der unter 6 Jährigen inzwischen mehrheitlich (52%) einen so genannten Migrationshintergrund hat (Mikrozensus 2007) - was bedeutet, dass mindestens ein Elternteil im Ausland geboren wurde - steht Bremen hier vor einer ähnlichen Herausforderung wie viele andere Großstädte in Deutschland.
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| Interkulturelle Kompetenz in pädagogischen Prozessen ist als eine spezifische Form der professionellen pädagogischen Handlungskompetenz zu betrachten. Ein Bestandteil ist die Aneignung von Wissen über gesellschaftliche Erfahrungen mit und Wandlungsprozesse durch Migration sowie über Geschichte und Entstehungsbedingungen unterschiedlicher Kulturen. Damit verbunden ist im Verständnis einer reflektierten interkulturellen Bildung die Einsicht in die Wandelbarkeit von Kulturen und die individuelle Aneignung von kulturellen Ausdrucksformen. Ein wichtiger, wenn nicht der wichtigste Bereich interkultureller Kompetenz ist neben dem hier angesprochenen Wissenserwerb die Reflexion über Einstellungen. Hier geht es darum, die persönliche Einstellung zu kulturellen Ausdrucksformen, die Erfahrung und das Erleben von interkultureller Befremdung in einem pädagogischen Kontext kritisch zu reflektieren und vor dem Hintergrund der Beschäftigung mit der eigenen (kulturellen) Sozialisation zu entschlüsseln. Interkulturelle Kompetenz beinhaltet also neben Elementen des Wissenserwerbs vor allem solche der Selbsterfahrung und –reflexion. Oft wurde in der Vergangenheit allerdings nur der erste Teil berücksichtigt und dies in inhaltlich recht willkürlicher Form. So hat es in den alten Lehramtsstudiengängen zwar auch Pflichtseminare oder –vorlesungen zum Thema „Migration und Interkulturelle Bildung“ gegeben, doch blieb es bei einer punktuellen Beschäftigung mit diesem Aspekt gesellschaftlichen Wandels und seiner Herausforderung für die Pädagogik. Der „Schein“ war inhaltlich und konzeptionell nicht eingebunden in einen größeren Zusammenhang. Bis zur Besetzung einer Professur für Interkulturelle Bildung (IB) im Jahr 2004 war es in Bremen wechselnden Lehrbeauftragten überlassen, mit ihren je spezifischen Themen Einblicke in Aspekte von Migration und Interkultureller Bildung zu vermitteln. Das konnte dann ebenso eine Veranstaltung zu Scheidungskindern aus bi-kulturellen Familien sein wie zu Eingliederungsproblemen von jugendlichen Spätaussiedlern, beides ohne Zweifel wichtige und interessante Themen, doch eben nur spezifische Ausschnitte aus einem möglichen Spektrum von Inhalten zum Bereich „Migration und interkulturelle Bildung“.
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| Durch die verbesserte personelle Ausstattung des Arbeitsgebietes sowie die gleichzeitige Umstellung des Lehramtsstudiums vor vier Jahren entstand die Chance, das Thema so in die Ausbildung einzubinden, dass es als Querschnittsdimension in verschiedenen Modulen verankert ist. Ein eigenes Modul gibt die Ausstattung des erziehungswissenschaftlichen Teils des Lehramtsstudiums in den neuen Strukturen nicht her. Aber Studierende aller Schulformen und –stufen erhalten Basiskenntnisse zu Interkultureller Bildung im Rahmen der für alle verbindlichen Vorlesung „Bildung und Gesellschaft“, die vom Arbeitsgebiet Interkulturelle Bildung verantwortet wird. Darüber hinaus können sie sich vertieft in Wahlpflichtveranstaltungen im Rahmen der Pflichtmodule „Sozialisation und Bildung“ und „Bildung und Gesellschaft“ mit Fragestellungen von Migration und Interkultureller Bildung befassen. Hier stehen z.B. Seminare zu Sozialisationsbedingungen von Jugendlichen in kulturell pluralen Kontexten sowie zu interkulturellen Konzepten im Elementar- und Primarbereich zur Auswahl. Interkulturelle Kompetenzen sind auch Gegenstand von Angeboten im Pflichtmodul „Pädagogische Kompetenzen und Professionalität“. In den im Rahmen des Studiums frei wählbaren Schlüsselqualifikationen bietet das Arbeitsgebiet „Interkulturelle Bildung“ verschiedene Module an, die praktische interkulturelle Handlungskompetenz über Praxis- bzw. Reflexionsseminare vermitteln. Hierzu gehört etwa die Vorbereitung auf eine Mitarbeit im von der Mercator-Stiftung finanzierten universitären Förderprojekt für Schüler und Schülerinnen mit Migrationshintergrund. In diesem Projekt erteilen Lehramtsstudierende Schülern und Schülerinnen mit Migrationshintergrund der Sekundarstufe I und II in den Unterrichtsfächern, in denen diese Bedarf anmelden, Förderunterricht. Zum Angebotsrepertoire des Arbeitsgebietes gehören ebenso regelmäßig stattfindende interkulturelle Trainingsseminare für Lehramtsstudierende. Daneben besteht die von vielen Studierenden genutzte Möglichkeit, die Bachelor- oder Masterabschlussarbeit als (empirische) Forschungsarbeit im Gebiet der Interkulturellen Bildung zu schreiben.
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