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Publikationen BLZ BLZ Archiv BLZ Februar 2007 16.02.2007 Hilfe! Sekundarschulen in Not | ||||||
| 16.02.2007 Hilfe! Sekundarschulen in Not | ||||||
| von Harry Eisenach | ![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Im dritten Jahr der Sekundarschule zeigen sich immer mehr ernsthafte Probleme in dieser Schulart: Die als Integrationsmodell verkaufte Sekundarschule ist der faktische Ausdruck der Selektion ab Klasse 5. Ab Klasse 7 erfolgt durch äußere Differenzierung eine weitere Aufspaltung. Bindungen an Klasse und Klassenlehrer fallen weg und führen bei den Jugendlichen vielfach zur Orientierungslosigkeit. Die GEW wird im Bürgerschaftswahlkampf die Politiker der Parteien mit den Problemen dieser Schulart konfrontieren und Lösungen einfordern. Am Dienstag, 20. März findet um 19.30 Uhr im Konsul-Hackfeld-Haus eine GEW-Veranstaltung zur Sekundarschule statt, zu der die Bildungspolitiker der Parteien eingeladen sind. |
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| Mangelnde Attraktivität | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Die Sekundarschule steht „am unteren Ende“ des mehrgliedrigen selektiven Schul-wesens. „Darunter“ kommen nur noch die Förderzentren (Sonderschulen), deren SchülerInnen oft in Sekundarschulklassen integriert werden. Aufgrund ihrer Stellung im gesamten Schulsystem ist die Sekundarschule wenig attraktiv. Die Folge: Sie hat in der Stadt Bremen einen ähnlich niedrigen Anteil an der Schülerschaft wie bisher die Hauptschule. Die Tendenz bei den Anwahlen ist negativ: November 2006: Schülerverteilung in der Stadt Bremen nach Schularten
Quelle :Zahlen aus Schulinformationssystem des Senators für Bildung http://www.bildung.bremen.de/sfb/sfb.asp?Wahl=14 Die Sekundarschule verlor in den ersten 2 Durchgängen während der Schuljahre je-weils zwischen 10% (Jahrgang 7) und 5 % (Jahrgang 6) der Schüler. Selbst durch die „Rückläufer“ vom Gymnasium ist die Schülerzahl in Klasse 7 zur Zeit noch im Durchschnitt um 5 % niedriger als zu Beginn. Die zu den Erstanwahlen zusätzlichen Aufnahmen durch „Umberatung“ der Eltern waren in den letzten beiden Jahren nur noch minimal. (3 – 4 %) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Schülerzahlentwicklung der Sekundarschule | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Quelle:Zahlen aus Schulinformationssystem des Senators für Bildung, Deputationsvorlagen 8.12.06/16.03.06/7.3.05 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Sekundarschule = Hauptschule? | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Sowohl vom Ansehen als auch von den Problemen ähnelt die Sekundarschule viel-fach der Hauptschule. Die in der Sekundarschule tätigen Lehrkräfte sehen sich viel-fach mit den gleichen Problemen konfrontiert wie in der Hauptschule: mangelnde Konzentrationsfähigkeit, geringe Leistungsbereitschaft, vielfache Verhaltensauffällig-keiten und Unterrichtsstörungen ... Wenn knapp die Hälfte eines Jahrgangs sich im Gymnasium befindet, fehlen die leis-tungsstärkeren Schüler, die Anregung geben können. Schon vor PISA haben die GEW und andere bildungsreformerische Kräfte deshalb für ein Gesamtschulsystem plädiert. Nachdem die große Koalition in Bremen wie die CDU in Niedersachsen die Orientierungsstufe abgeschafft hat und nun die Kinder wieder ab Klasse 5 voneinan-der trennt, sind die „Starken“ und „Schwachen“ jetzt 2 Jahre früher voneinander ge-trennt – entgegen allen anerkannten pädagogischen Erkenntnissen und allen interna-tionalen Erfahrungen. Die Ausstattung der Sekundarschulen ist trotz des weitgehenden Fehlens der Schü-ler im mittleren Leistungsbereich schlechter als die der bisherigen Hauptschule. (Klassenfrequenz, Halbgruppen, Klassenlehrerstunde). Das kann nur zu Lasten der Qualität gehen! | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Äußere Differenzierung ab Klasse 7 verschärft die Probleme | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Ab Klasse 7 erfolgt eine äußere Differenzierung in Mathematik und Englisch. Im 8. Schuljahr wird auch in Deutsch getrennt, bevor ab der 9. Klasse die vollkommene Trennung in 2 Schularten erfolgt. Die ersten Erfahrungen in den Schulen sind negativ. Die Folgen sind: - Verlust der Klassengemeinschaft - Mangelnder Kontakt zum Klassenlehrer - Unruhe und Zeitverlust durch ständigen Raumwechsel - Vandalismus in fremden Räumen - Verminderte Leistung in E- und G-Kursen - Erschwerte Elternarbeit Dieses passiert für die Kinder und Jugendlichen zudem noch in der schwierigen Zeit der Pubertät. Die jahrelange Erfahrungen aus der (Hauptschul-)Pädagogik sprechen deutlich gegen diesen Verlust an Orientierung für unsere Schülerinnen und Schüler. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Was tun? | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Mittelfristig ist die Trennung ab Klasse 5 wieder aufzuheben; Die Integration in Richtung eines Gesamtschulsystems muss eingeleitet werden. Sofort muss den Schulen das Recht eingeräumt werden, die Art der Differenzierung (äußere oder Binnendifferenzierung) selbst zu entscheiden. Um die Arbeitsfähigkeit zu verbessern oder wiederherzustellen, müssen die Sekundarschulen besser materiell versorgt werden, zumindest auf dem Standard der früheren Hauptschule: niedrigere Klassenfrequenzen, zusätzliche Lehrerstunden für Doppelbesetzungen und Halbgruppen, Klassenlehrerentlastungsstunde usw.. Unsere genauen Forderungen an die Politiker und die Behörde diskutieren und verabreden wir auf einem Treffen interessierter Sekundarschul-KollegInnen am 13. Februar (nach Redaktionsschluss der BLZ). | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||