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Publikationen BLZ BLZ Archiv BLZ Oktober 2008 16.10.2008 Hauptsache gesund | ||||||
| 16.10.2008 Hauptsache gesund | ||||||
| 17. Gesundheitswoche in Bremerhaven von Vera Ahrensfeld und Barbara Leysieffer | ||||||||||
| Vier Tage lang – vom 8.-11. September 09 – bot das Praxisbüro `Gesunde Schule´ wieder vielfältigste Aktionen an –Angebote zum `Lernen am anderen Ort´. Mit großem Erfolg. Die Parkplätze vor der Bremerhavener Stadthalle sind voll – es ist Gesundheitswoche, die 17. inzwischen. Kurz vor 9.00 Uhr sammeln sich die ersten Wartenden vor der Tür, Schulklassen, die im Foyer die `Straße der Möglichkeiten´ erkunden möchten – mit Sinnes-Parcour, Hör- und Sehtest. Wobei man reihenweise SchülerInnen entdeckt, die danach erst mal zum Augenarzt geschickt werden. |
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| Hauptsache gesund | ||||||||||
| Die Angebote für SchülerInnen – bis zu elf pro Tag - sind nur ein Teil des Gesamtprogramms – der andere ist für Erwachsene gedacht. Das Ganze wird organisiert von einem Verbund aus Ärzten, Apothekern, Gesundheitsamt und Lehrkräften bzw. dem LFI. Das Praxisbüro `Gesunde Schule´ will mit seinen Angeboten das Gesundheitsbewusstsein der Kinder und Jugendlichen stärken. Das Angebot ist unglaublich vielfältig – vom gesunden Gebiss über Hautschutz, Liebe und Lust, Aufklärung über Snacks und (Trend-)Getränke, Suchtprävention, Fitness-Übungen auf Wasserrutsche und im Hochseilgarten, Impfen, Erste Hilfe bis hin zur Präsentation von Berufen im Gesundheitsbereich. | ||||||||||
| Erst kommt die Gesundheit, dann die Leistung? | ||||||||||
| Gesundheit als strukturierendes Prinzip ist im Schulalltag nicht verankert. Lehrkräfte bringen SchülerInnen nicht zum Lernen, weil Lernen so gesund ist und das (geistige) Wachstum fördert, sondern weil die Gesellschaft Hochleistung erwartet. Auf Gesundheit werden wir Lehrkräfte in der Regel erst dann aufmerksam, wenn SchülerInnen fehlen oder sagen, ihnen sei schlecht…. Doch Gesundheit als grundsätzliches Prinzip, d.h. dass man erst mal guckt, ob das Raumklima stimmt, ob alle sich wohl fühlen und damit überhaupt erst lernoffen und leistungsfähig sind, das ist nicht verankert – anders als etwa in Finnland, wo es an jeder Schule eine Krankenschwester gibt. Die deutsche Schule kann sich das offenbar finanziell nicht leisten – genauso wenig wie eine ausreichende Anzahl von SchulpsychologInnen. Hier ist Selbsthilfe angesagt – statt der Schulkrankenschwester gibt es SchülerInnen, die zu SchulsanitäterInnen ausgebildet werden, statt mehr Stellen für ausgebildete SchulpsychologInnen zu schaffen, versucht man mit Hilfe von Schüler-Streitschlichterteams, mit Schüler-Hausaufgabenhilfe und Schulscouts – ältere SchülerInnen übernehmen Patenschaften für jüngere SchülerInnen mit Problemen – das Schulklima sozialverträglicher und gesünder zu gestalten – alles gute Ansätze, wertvolle Möglichkeiten für Schüler, sich durch Übernahme von sozialer Verantwortung `gesund´ zu entwickeln. Reicht das? | ||||||||||
| Im Zentrum der Aufmerksamkeit: das Aufmerksamkeitsdefizit | ||||||||||
| Nicht nur etliche Veranstaltungen für Schulklassen waren überbucht – so z.B. das Erlebnisklettern im Hochseilgarten -, auch ein Vortrag für Erwachsene zum Thema ADHS traf auf geballtes Interesse. Die Anzahl schwer beschulbarer Kinder steigt – kein Wunder, dass am Mittwochnachmittag, den 10. 9., in der Stadthalle die Stuhlreihen gefüllt waren. Ca. 250 BesucherInnen – auch aus dem Umland – waren gekommen, meist LehrerInnen aus dem Primarbereich, aber auch ca. 25 Ärzte und Arzthelfer, um Neues zu hören zu einem Problem, das den Unterricht in vielen Lerngruppen alltäglich nachhaltig belastet: das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom bei SchülerInnen. | ||||||||||
| Konzentrationsmangel – eine Zeitkrankheit? | ||||||||||
| Die Zahl der offiziell diagnostizierten ADHS-Kinder ist niedriger als befürchtet. Doch Konzentrationsstörungen angesichts von Reizüberflutung und Zwang zum Multitasking inmitten unserer heutigen komplexen Organisationsstrukturen sind ein Alltagsphänomen. Da stehen auch die Lehrkräfte selbst unter Druck. Treffen sie nun in den Klassen auf Kinder, die nichts anderes kennen als mit ihrer Aufmerksamkeit hin- und herzuspringen, die sich weder längere Zeit konzentrieren können, noch in der Lage sind, ihren Körper, ihr Denken und Fühlen zu kontrollieren, dann wird es schwierig – insbesondere dann, wenn dies – wie bei den ADHSlern – auch noch konstitutionell bedingt ist. Vor allem aus der Primarstufe, aber auch aus dem Sek.I-Bereich waren die ZuhörerInnen gekommen – in der Erwartung konkreter Hilfen für ihren Schulalltag. Dr. Andrea Schneider, Kinder- und Jugendpsychotherapeutin und Dr. Eckhard Ziegler-Kirbach gaben nicht nur Einblicke in die Symptomatik, sondern zeigten auch Möglichkeiten auf, wie man dieser Störung begegnen kann. | ||||||||||
| Gesundes Setting | ||||||||||
Merkmale der SCHULE, buchstabiert von ADHSlern:
Jeder kennt wohl solche SchülerInnen, solche Klassen – auch ohne dass es dort `echte´ ADHSler gibt. Doch nicht Schuldzuweisung hilft, sondern ein nüchterner diagnostischer Blick mit professioneller Distanz, als Voraussetzung für eine Zusammenarbeit von Eltern, Lehrkräften und TherapeutInnen – hin zu einer Schule, die sich so buchstabieren lässt:
Dann können aus aufmerksamkeitsgestörten Kindern `normale Erwachsene´ werden. | ||||||||||
| Ganzheitlicher Ansatz - viele Handlungsvorschläge | ||||||||||
| Die Podiumsdiskussion – moderiert von Bernd Kleinschmidt, Lehrer an der Bremerhavener Heinrich-Heine-Gesamt- und Ganztagsschule - mit den beiden Referentinnen, der Ergotherapeutin Antje Eichhorn-Herrmann, der Diplompädagogin Dr. Maike Eggemann, Oberschulrat Jörg Tönißen und dem Pharmakologen Dr. H.-H. Wille zeigte die Vielfalt der Lösungsansätze und offenbarte auch kontroverse Standpunkte: Je nach Expertenorientierung reichten die Vorschläge von Verhaltenstherapie, therapeutischer Zusammenarbeit mit Eltern zum Aufbau klarer häuslicher Strukturen bis hin zur Verteidigung des umstrittenen Medikaments Ritalin. Auch was die `neueren´ Unterrichtsmethoden betrifft, die eine gewisse Selbstständigkeit seitens des Schülers erfordern – Stichwort: Wochenplan -, gingen die Meinungen auseinander. Das zeigt zum einen, dass es wichtig ist, die verschiedenen Beteiligten an einen Tisch zu holen, zum anderen aber auch, dass die Lehrkräfte allein mit der Lösung überfordert sind. Schade, dass keine Lehrkraft aus dem Grundschulbereich dabei war. Will man wirklich qualitative Verbesserungen erreichen, so bedarf es langfristiger konzeptioneller Zusammenarbeit der verschiedenen Bereiche mit entsprechender Praxiserprobung – wofür man wiederum auch dauerhaft entsprechende Ressourcen bereitstellen muss. Und es bedarf einer genauen Überprüfung moderner, auf frühes eigenständiges Lernen orientierter Arbeitsformen hinsichtlich der SchülerInnen, die sich nur schwer auf eine Sache konzentrieren können. Ohne staatlich fest etablierte Hilfsangebote gilt für diese Kinder dasselbe wie für alle anderen Kinder – ihr weiterer Schulverlauf, ihr Schulerfolg hängt ab von den familiären Ressourcen des Elternhauses. | ||||||||||
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