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Publikationen BLZ BLZ Archiv BLZ Juni 2007 14.06.2007 Halbherzige Migrantenförderung | ||||||
| 14.06.2007 Halbherzige Migrantenförderung | ||||||
| von Nevin Lutz und Hellmut Lutz | ||||||||||||||||||
| Am 21. April 2007 fand im DGB-Haus eine sehr gut besuchte Veranstaltung „Migration und Bildung“ statt, zu der die Arbeitsgruppe Interkulturelles Lernen (AGIL) und der „Bundesausschuss für multikulturelle Angelegenheiten (BAMA) eingeladen hatten. |
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| Aufgrund der Ergebnisse der ersten PISA-Studie folgte auch in Bremen eine noch nie da gewesene Aktivität von Seiten der Senatoren für Bildung und Soziales und einiger Organisationen wie DRK, Paritätisches Bildungswerk, Migrantinnenrat, usw., die zum Teil schon vorher in diesem Bereich aktiv waren. Zusammen mit der Bremer Universität und einigen zahlenden Sponsoren entwickelten sie gemeinsam Projekte. Einige dieser Projekte bewähren sich tatsächlich und zeigen Erfolge. Genannt seien hier nur stellvertretend „HIPPY“, „ Mama lernt Deutsch“, FIT, Oster- und Sommercamps, Start, usw. Frau Professorin Karakasoglu (Uni Bremen) betonte in diesem Zusammehang, dass Bremen zwar reich an Projekten sei, die innerhalb und außerhalb von Schulen erfolgreich seien, dass aber damit zu wenige erreicht würden. Wie die letzten PISA- Und OECD-Berichte nur allzu deutlich zeigen, sind uns da andere Länder weit voraus. Fangen wir im Elementarbereich an! In Bremen werden im Krippen- und Hortbereich häufig Kinder abgewiesen, deren Mütter nicht berufstätig sind. Davon sind sehr viele Migrantenkinder betroffen. Insbesondere Kinder von Flüchtlingen und Asylsuchenden erhalten nach dem Heim-aufenthalt keinerlei Hortbetreuung, da die Mütter meistens zu Hause sind. Ihnen allen werden Möglichkeiten zur sozialen Entwicklung und gesellschaftlichen Integration vorenthalten. Mit der flächendeckenden Einrichtung von vollen Ganztagsschulen könnte hier Abhilfe geschaffen werden! Immer noch ist bedauerlicherweise der verbindliche Besuch eines Kindergartens durch alle Kinder nicht geregelt! Dies wäre aber, verbunden mit einer durchgehenden Sprachförderung für alle förderbedürftigen Kinder von Anfang an die beste Voraussetzung für einen leichteren Übergang in die Schule. Zwar gibt es inzwischen eine Sprachstandserhebung für die Kinder in den Kitas, aber aus fiskalischen Gründen erhalten lediglich die 15% Kinder mit dem höchsten Förderbedarf auch sprachliche Förderung. Aber viel mehr Migrantenkinder, bis zu ca. 40 % der Schulanfänger, brauchen eine spezielle Förderung in Deutsch als Zweitsprache! | ||||||||||||||||||
| Frühe Selektion wirkt sich verheerend aus | ||||||||||||||||||
| Verheerend wirkt sich aus, dass nach den Änderungen der Bremer Schulstrukturen in den Grundschulen die Selektion der Kinder schon in der dritten Klasse beginnt! Häufig verfügen viele Kinder mit Migrationshintergrund zum Schulanfang noch nicht über die notwendigen Lernvoraussetzungen, da sie eine andere oder weniger häusliche Förderung bekamen als die einheimischen Kinder. Herr Professor Palentien (Uni Bremen) benannte neben sprachlichen, sozialen und ökonomischen auch strukturelle Probleme der Schulen als Ursachen für die vielfältigen Schwierigkeiten, mit denen Migrantenkinder zu kämpfen haben. Die Schulen dürfen nicht mehr so viel selektieren, sondern müssten durchlässiger werden und stärker sozial-kommunikative und emotionale Kompetenzen entwickeln. Wenn Förderung zu wenig oder gar nicht stattfindet und die Kinder schon zu früh nach dem Ist-Stand beurteilt werden, wird faktisch zu einem Zeitpunkt, bis zu dem sich viele Kinder noch gar nicht richtig entfalten konnten, schon endgültig über die weitere (Schul)Karriere entschieden. Es ist ein geradezu skandalöser Zustand, dass in Bremen immer noch weit mehr als doppelt so viele Migrantenkinder in der Hauptschule sind wie Deutsche und dass immer noch doppelt so viele Migranten wie Deutsche ohne Abschluss die Schule verlassen! Dagegen ist die Zahl der SchülerInnen mit Migrationshintergrund, die zum Gymnasium gehen und das Abitur machen, nur halb so hoch wie die der Deutschen. Diese Zahlenverhältnisse haben sich in den letzten Schuljahren kaum verändert und zeigen, wie dringend hier die Dinge geändert werden müssen. Der Anteil von Überweisungen deutscher Kinder in die FÖZ stieg zwischen den Schuljahren 2003/04 und 2006/07 um gute 6%. Bei den Kindern mit Migrationshintergrund war es eine Erhöhung um 24%! Es ist auch nicht hinnehmbar, dass die Zahl der Auszubildenden bei den Ausländern nur halb so hoch ist wie bei den Deutschen und jeder vierte Migrant keinen beruflichen Abschluss erreicht. Bei der immer noch sehr angespannten Lage auf dem Arbeitsmarkt sind aber Migranten ohne Berufsausbildung so gut wie nicht vermittelbar. Sie sind von Anfang an auf Sozialhilfe angewiesen, obwohl die meisten von ihnen gerne arbeiten würden. Dies ist umso besorgniserregender, als in Bremen heute gemäß den Angaben des Statistischen Landesamtes von 2005 (Mikrozensus) schon über die Hälfte aller Kinder unter sechs Jahren und über 40% aller Menschen von 6 – 18 Jahren einen Migrationshintergrund haben. | ||||||||||||||||||
| Fazit: | ||||||||||||||||||
| Der Staat darf sich nicht von seinen Aufgaben zurückziehen und die Zukunft der Kinder Sponsoren, freien Trägern oder gar dem Schicksal überlassen! | ||||||||||||||||||