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Publikationen BLZ BLZ Archiv BLZ Mai 2006 16.05.2006 „HEP V“ -Wie man eine Uni kaputtspart | ||||||
| 16.05.2006 „HEP V“ -Wie man eine Uni kaputtspart | ||||||
| ASTA der Uni Bremen | ![]() | |||||||||||||||
| Das Land Bremen will im Hochschulbereich insgesamt 93 Millionen Euro bis zum Jahre 2010 einsparen. Also wurde beschlossen, den frisch gedruckten Hochschulentwicklungsplan IV (HEP IV), der die inhaltliche und finanzielle Planung für Bremens Hochschulen bis zum Jahre 2010 regelte, durch einen neuen HEP V, der dann bis 2015 plant, zu ersetzen. ... |
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| Die Bremer Hochschulentwicklungspläne | ||||||||||||||||
| Es war einmal im Jahre 1988, da wurde durch das Land Bremen im Hochschulgesamtplan I (HGP I) festgelegt, den damaligen Lehrkörper langfristig auf 2/3 seines Bestandes zu reduzieren. Der Akademische Senat der Universität beschloss also im Rahmen des HEP I, diese Vorgabe in Form einer Festlegung von 283 Hochschullehrerfachgebieten umzusetzen. Diese erste Minimalausstattung wurde im Laufe der Zeit durch die Einrichtung von interdisziplinär arbeitenden Wissenschaftsschwerpunkten (WSP) erfolgreich ergänzt. ... Trotz dieser positiven Entwicklung ist in ihr möglicherweise zugleich eine Ursachenkomponente für gegenwärtige Probleme zu sehen. Was von Universitätsseite so blumig als gesamtdeutscher Innovationsschub an den Universitäten beschrieben wird, ist nichts weiter als die gewollte Etablierung einer Hochschullandschaft, die sich durch eine Spezialisierung auf bestimmte Fachrichtungen auszeichnet. Der scheinbar fehlende Wille die Universität mit ihrer Studiengangsdiversität zu erhalten, in Kombination mit den massiven finanziellen Problemen des Landes Bremen, führten erst mit HEP IV und neuerdings mit HEP V dazu, dass die vermeintliche Hochschulentwicklungspläne zu Hochschulschrumpfungsplänen mutierten. .... | ||||||||||||||||
| Die Auswirkungen von HEP V | ||||||||||||||||
| ... Bezeichnend, dass im derzeitigen Prozess keine inhaltlichen Kriterien gewählt wurden, sondern die demographische Struktur der Studiengänge herangezogen werden musste. Unkündbare ProfessorInnen lassen sich eben nur nach der Emeritierung einsparen, Fachbereiche, die gerade eine Verjüngung hinter sich haben, sind dadurch nahezu unkürzbar. ... Bedroht sind bei diesem Modell folglich nicht „kleine“ oder „große“ Studiengänge, sondern jene, die sich am leichtesten kürzen lassen. ... Um die Stabilisierung einiger Studiengänge zu gewährleisten wird vom Senat die Schließung anderer Bereiche der Universität billigend in Kauf genommen. Die geplanten Kürzungen treffen somit nicht nur die zukünftigen Studierenden, die an der Universität Bremen nicht mehr studieren können werden, weil ihre gewünschte Fachrichtung nicht mehr angeboten wird, sondern auch die jetzige Generation von Studierenden, die schon in naher Zukunft auf Grund der sinkenden Anzahl von HochschullehrerInnen mit einem noch schlechterem Betreuungsverhältnis rechnen müssen. ... | ||||||||||||||||
| Die Arbeitsweise der HEP V-Kommission | ||||||||||||||||
| Die Vorgabe vom Bremer Senat bedeutet, bis zum Jahre 2015 45 HochschullehrerInnenstellen einzusparen. Um dieser Aufgabe nachzukommen, hat der Akademische Senat in seiner Sitzung vom 19. November 2005 eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die so genannte HEP V-Kommission. Diese hat das Ziel, einen Lösungsvorschlag zu erarbeiten, der die Umsetzung der Kürzungen möglichst weich machen und sicherstellen soll, dass die Forschung und Lehre an der Universität trotz der Einsparungen in einem möglichst großem Umfang beibehalten werden kann. ... Fakt ist, dass die Kürzungspläne mehr oder weniger alle Fachbereiche in ihren Kapazitäten beeinflussen werden. Ziel der HEP V-Pläne ist es dementsprechend einerseits, Kürzungen zu erreichen, ohne sich in Bereichen, die an der Exzellenzinitiative oder an interdisziplinären Programmen (SFB und bereichsinterne Spezialisierungen) beteiligt sind, all zu Tief ins eigene Fleisch zu schneiden. Dass diese Entscheidungsrichtung in vielen Fachbereichen schlicht und einfach nicht umsetzbar ist, sorgt für ernsthafte Überlegungen seitens der HEP V-Kommission, Fachbereichsinhalte umzustrukturieren und bei Bedarf Teilbereiche ganz zu schließen. ... | ||||||||||||||||
| Zwischen Planspiel und Realität! | ||||||||||||||||
| Aufgrund der bisher durchgeführten Gespräche mit den Fachbereichen muss davon ausgegangen werden, dass sich die „Binnenstruktur“ der Universität grundlegend verändert. ... So wird von vielen Dekanen hervorgehoben, dass bei den geplanten Einschränkungen der Stellen essenzielle Teilbereiche der Lehre (sowohl für die Lehramts- als auch für die Fachausbildung) verschwinden könnten und somit das Format und der Anspruch einer universitären Ausbildung karikiert wird (Bsp. Biologiestudium ohne Mikrobiologie oder Psychologie ohne Psychologische Diagnostik). So stellt beispielsweise der Studiengang Chemie unmissverständlich klar, dass bei den vorgeschlagenen Kürzungen weder eine zukünftige Ausbildung in den Bachelor- und Masterstudiengängen, noch eine vernünftige Beteiligung an den Wissenschaftsschwerpunkten im Fachbereich 2 möglich ist. ... Zu den Studiengängen die in diesem Verlagerungs-Trauerspiel leider ebenfalls eine tragende Rolle spielen gehört auch der Bereich der Behindertenpädagogik im Fachbereich 12. Noch interessanter wird es wenn Studiengängen auf verschiedene Orte aufgeteilt werden. Innerhalb des Studiengangs bleibt somit ein Bereich an der Uni Bremen, der andere wird z.B. an die Uni Oldenburg oder an eine der Hochschulen in Bremen verlegt. ... Ein Beispiel für diese Art der Effektivierung ist der Studiengang Sport. Seit langem eigentlich in einem unzumutbaren Zustand, soll nun ein gemeinsam mit der Universität Oldenburg betriebener Lehramtsstudiengang eingerichtet werden, wobei die „Bewegungs- und Trainingswissenschaft“ an der Universität verbleiben soll und der Rest durch die Universität Oldenburg geleistet werden müsste. Wer glaubt, dass diese Kooperations-Ideen vielleicht gar nicht so schlecht sind, dem sei hier mit gesagt, dass sie einerseits nicht neu (Lehrerausbildung im Fach Religionswissenschaft wird bereits nur durch Kooperation realisiert) und andererseits schwer praktikabel ist. Kooperationen über Landesgrenzen hinweg zeigen leider immer noch die üblichen Kinderkrankheiten (Modulergänzung, Einschreiberichtlinien, Finanzierungszuständigkeiten), die durch die Umsetzung der Föderalismusreform nicht unbedingt vermindert werden. ... Wie wird sich aus Studierendensicht die Universität in naher Zukunft umgestalten? Bei Schließung von Studiengängen oder Teilbereichen in Kombination mit der Einführung von Studiengebühren wird die Zahl der Studierenden massiv abnehmen. ... Es wird nicht zappenduster an der Uni, es wird nur leerer und teurer. (Aus dem neuen Semester-Rundbrief – gekürzte Fassung) | ||||||||||||||||