| Stellungnahme der Grundschulversammlung der GEW vom 20.9.2004 an den Senator für Bildung, die Bildungsdeputierten und den "Runden Tisch Bildung".... | 
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| Die Besuche Nach der Veröffentlichung des IGLU-Ländervergleichs hat Bildungssenator Willi Lemke eine 20köpfige Kommission eingesetzt, die im Mai/Juni an 27 Bremer und Bremerhavener Grundschulen hospitiert hat. Ihre Empfehlungen liegen jetzt als "Bremer Grundschulexpertise 2004" vor und der Bildungssenator hat seine politischen Konsequenzen formuliert.
Was gesagt wird Zunächst wird betont, dass entgegen den vielfach geäußerten Mutmaßungen in Bremen und Bremerhaven eine Reihe beachtlich guter Grundschulen und - gerade in besonders kritischem Umfeld - von Beispielen sehr guten Unterrichts beobachtet worden ist. Dann gibt die Kommission 43 Einzelempfehlungen, von denen einige zu unterstützen sind. Insbesondere die ausdrückliche Kritik an Ziffernzeugnissen und der Wirkung von Vergleichsarbeiten ist hier zu erwähnen.
Neben diesen begrüßenswerten Vorschlägen gibt es aber eine zweite Gruppe von Empfehlungen, die versuchen Defizite durch neue, zusätzliche, formal verordnete Pflichtregelungen anzugehen. · Dem vermehrten Fortbildungsbedarf soll durch Pflichtfortbildungen in der unterrichtsfreien Zeit begegnet werden. · Für die wachsenden Aufgaben der Kooperation sollen "verbindliche Zeitgefäße" geschaffen werden; dies läuft (wenn auch in lyrischer Formulierung) auf eine Präsenzpflicht und Verordnung von Mehrarbeit hinaus. · Außerdem sollen die Rechte der Schulleitungen ausgebaut werden.
Was nicht gesagt wird Der Kommission scheint es ausgereicht zu haben, die materielle Situation und das soziale Umfeld der Bremer Schulen "nach dem Augenschein" zu beurteilen. Anders ist die Oberflächlichkeit nicht zu erklären, mit der "eine durchaus solide Raum- und Ressourcenausstattung" gelobt wird. Hier werden einige zutreffende Einzelbefunde unzutreffend verallgemeinert. - Die Klassenfrequenzen führen z. B. dazu, dass Klassenräume teilweise viel zu klein sind, um die differenzierte Förderung heterogener Lerngruppen angemessen durchzuführen - Die Lehrkräfteversorgung in Bremen ist bedeutend schlechter als in vergleichbaren Stadtstaaten - Die Arbeitsbedingungen der Bremer Lehrkräfte wurden in den letzten Jahren durch Pflichtstundenerhöhungen und Arbeitsverdichtung drastisch verschlechtert - Sozialstrukturmaßnahmen (Sonderbedarfe) wurden zur Abdeckung der erhöhten Stundentafel zusammen gestrichen, und das vor dem Hintergrund, das Bremen die höchste Sozialhilfe- und Migrantenquote aller westlicher Bundesländer hat - Die Sonderschule für Lernbehinderte ist in Bremen flächendeckend in die Regelgrundschule integriert, was ohne zusätzliche Ressourcen kaum zu bewältigen ist, von der Kommission aber nicht einmal erwähnt wird.
Was der Bildungssenator will Noch bevor der Bericht den Schulen und Verbänden zugänglich gemacht wurde, erschien eine dreiseitige Pressemitteilung des Bildungssenators, in der · kritische Aussagen der Kommission (z.B. über die Sprunghaftigkeit der Bildungspolitik und die Wirkung von Selektion, Zensuren und Vergleichstests) ignoriert und · die erklärten Absichten der Koalitionspolitiker (Präsenzpflicht und Fortbildungspflicht für die Lehrkräfte, mehr Macht für die Schulleitungen) bestätigt werden.
Was wir wollen: Unsere Empfehlungen für eine zukunftssichernde Grundschule
1. Eine angemessene Berücksichtigung der Arbeitsbedingungen der Lehrkräfte und der materiellen Bedingungen an den Schulen für eine realistische Analyse! Dabei muss auch der veränderte Schulanfang berücksichtigt werden.
2. Eine Schule, in der die Klassenleitungsteams gestärkt werden ("KlassenlehrerInnenstunde"), um die vielfältigen Aufgaben der Koordination und Begleitung verschiedenster Maßnahmen angemessen bewältigen zu können!
3. Eine Schule, die gewachsene Strukturen bei Kooperation und Teamarbeit nutzen und entwickeln kann! ( statt pflichtgemäßes Absitzen von verordneter Präsenzzeit) Wachsende Aufgabenstellungen, wie Integration der Betreuungskräfte und Zusammenarbeit bei der sonderpädagogischen Förderung müssen mit Stunden ausgestattet werden.
4. Eine Schule, die ihrem Profil gemäß Fort- und Weiterbildungsangebote nachfragt und sie mit Hilfe ausreichender Personal- und Sachmittel organisiert und wahrnimmt! (statt Zwangsfortbildung ohne Bezug zur Schulwirklichkeit) Es muss wieder Zeit für die Schulanfangstagung zur Verfügung gestellt werden.
5. Eine Schulleitung, die fähig ist produktive Prozesse in der Schule zu organisieren und die Schulentwicklung als demokratische Teilhabe aller Beschäftigten und Beteiligten versteht! (statt pädagogischer Reglementierung und "top down" Verfahren)
6. Eine Schule, die auf die Motivation der KollegInnen setzt! (statt Defizite durch zusätzliche, formal verordnete Pflichtregelungen anzugehen)
Die Empfehlungen der Kommission bleiben für eine qualitative Schulentwicklung nur höchst eingeschränkt brauchbar und sie sind instrumentalisierbar für Personal- und Demokratieabbau an den Schulen.
Wer auf die Anordnung von Mehrarbeit setzt, setzt aufs falsche Pferd und wird das Gegenteil erreichen.
Die Lehrkräfte an den Bremer und Bremerhavener Grundschulen sind an der Belastungsgrenze und werden sich Mehrarbeitsverordnungen sowohl individuell entziehen müssen als auch gemeinsam dagegen Widerstand leisten. Verbesserung der Schule erfordert nicht nur neue Ideen, sondern auch Würdigung und Unterstützung der Arbeit statt Mehrarbeit, Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und Entwertung der Arbeit!
GEW Bremen, Löningstr. 35, 28195 Bremen Tel. (0421) 337640 , Fax 3376430, E-mail: , Internet: http://www.gew-bremen.de
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