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14.07.2005 Gesamtbild weitgehend unverändert

Erste Stellungnahme zur neuen PISA-Veröffentlichung
Das ebenfalls schlechte Abschneiden von Hamburg und Berlin weist auf die Problematik der Stadtstaaten hin

1. Die Leistungsergebnisse sind insgesamt wenig überraschend. Die Veränderung der Rangplätze und Punktwerte gegenüber PISA 2000 ist geringfügig. Bemerkenswert sind weniger die Einzelergebnisse, als die Bemerkungen der Autoren zur Aussagekraft ihrer eigenen Daten. Sie weisen mehrfach darauf hin, dass nur mit „großer Zurückhaltung“ interpretiert wurde und eine „angemessene Interpretation“ der Länderergebnisse nur aufgrund des ausführlichen Berichts im November „möglich sein wird“. Dann soll eine Einordnung in Vergleiche der Schulsysteme und des sozialen Hintergrundes erfolgen. Wozu dient dann aber diese vorgezogene Teilveröffentlichung tatsächlich? Die Wissenschaftler geben eine klare Auskunft: PISA-Daten besitzen eine politische Bedeutung, gerade in Wahlkampfzeiten.

2. Die GEW hält die von den Autoren vorgenommene Einordnung von deutschen Bundesländern in eine internationale Rangfolge von Nationalstaaten für grundsätzlich unseriös. Auch in den anderen Nationalstaaten gibt es regionale Leistungsunterschiede. Durch die gewählte Darstellung entsteht also ein manipuliertes Bild. Würde man Bayern, das in der Bundesstatistik am besten abschneidet, neben die besten Regionen anderer Länder stellen, so ergäbe das ein bedeutend negativeres Bild.

3. Charakteristisch für das deutsche Ergebnis ist die Tatsache, dass bei uns weiterhin die soziale Herkunft und der Migrationshintergrund am stärksten über den Schulerfolg entscheiden. Aufgrund der Arbeitslosenzahlen in Kombination mit der Ausländerquote zeigt das Gesamtbild ein Süd – Ost – Nord – Gefälle.

4. Die erstmalige Teilnahme aller drei Stadtstaaten zeigt, dass höchst unterdurchschnittliche Testergebnisse nicht das alleinige Problem Bremens sind. In Mathematik besteht kaum ein Unterschied zwischen Hamburg und Bremen, insgesamt rangieren alle drei Stadtstaaten auf den letzten Plätzen, wobei Bremen weiterhin das Schlusslicht bildet.
Die Stadtstaaten sind „Städte ohne Umland“. Insbesondere Bremen und Hamburg sind von einem „Speckgürtel“ umgeben, in dem Arbeitslosenquote und Migrantenanteil bedeutend niedriger liegen, als in der Kernstadt. Nach einem Bericht des Bremer Finanzsenators von 1999 zählt die Großstadtregion Bremen 1,1 Mio. Einwohner, von denen nur die Hälfte in der Stadtgemeinde Bremen wohnt. Die Arbeitslosenquote betrug in der Stadt 17,2%, im Umland 11,3%. Mit 40,7% bzw. 38,5% sind Bremen und Hamburg beim Migrantenanteil unter den SchülerInnen einsame Spitze.
Stadtstaaten und Flächenstaaten können also auch bei den PISA-Testergebnissen nicht mit Flächenstaaten verglichen werden.

Konsequenzen:
Das jetzt von den Kultusministern und insbesondere vom Bremer Bildungssenator vorgebrachte Argument, man habe ja nach PISA 2000 geeignete Maßnahmen ergriffen, diese könnten jedoch noch gar nicht voll gegriffen haben, wird von der GEW bestritten. Zwar gab es in Bremen vom „Runden Tisch Bildung“ richtige Empfehlungen, diese wurden jedoch nicht umgesetzt bzw. es wurde das Gegenteil getan:
-Die Sprach- und Lesenförderung für Migrantenkinder und sozial Benachteiligte stagniert. Zwar wurden einige Sonderprogramme aufgelegt, in denen Honorarkräfte und befristet Beschäftigte Deutschkurse anbieten, gleichzeitig spielen aber aufgrund der Personalkürzungen in den Schulen die Bereiche „Deutsch als Zweitsprache“ und „Muttersprachlicher Unterricht“ eine immer geringere Rolle. Ohne massive Investitionen auf diesem Gebiet sind keine Verbesserungen zu erreichen.
-Durch die konservative Wiedereinrichtung des Gymnasiums ab Klasse 5 wird die Koppelung von sozialer Herkunft und Schulerfolg eher noch verschärft. Hierzu sind allerdings erst im November genauere Aussagen möglich, wenn auch die Leistungsentwicklung in den Schularten dokumentiert vorliegt.

Mit freundlichen Grüßen
Jürgen Burger
Landesvorstandssprecher



 PISA_E_PE_GEW.pdf
 

 GleichwertigeLebensverhaeltnisse.pdf
 Rainer Block/Klaus Klemm
Demografische, ökonomische, institutionelle
und familiale Bedingungen
des Lernens im Bundesländervergleich

 PISA-E-2003.pdf
 Kurzfassung von PISA - E 2003

Pressestimmen zu PISA

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