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16.11.2006 Gemeinsame Ausbildung für Grundschule und Kindergarten an der Universität Bremen

von Ursula Carle und Christine Schorr


Seit Wintersemester 2005-2006 studieren an der Universität Bremen künftige LehrerInnen und Bildungsfachleute für den Elementarbereich im Bachelorprogramm Fachbezogene Bildungswissenschaften und einem anschließenden Masterprogramm. Die Entwicklung des gemeinsamen Studienprogrammes wird durch die Robert Bosch Stiftung im Rahmen des Projekts PiK (Profis für Kitas) gefördert.


Viele Argumente sprechen für das Programm: So findet die grundständige Ausbildung für PädagogInnen des Elementarbereichs in fast allen Staaten an Hochschulen statt (Oberhuemer/Ulich 1997). Das ist Standard für internationale Anerkennung des Abschlusses und Forschungsnähe der Ausbildung (Rauschenbach u.a. 2005). Die Ergebnisse der OECD-Studie „Early Childhood Education and Care“ unterstreichen den Bedarf einer universitären Qualifizierung (OECD 2004a). Dass es eine gemeinsame Ausbildung ist, macht Sinn, sollten doch PädagogInnen aus Elementarbereich (Kita) und Grundschule den jeweils anderen Bereich sehr gut kennen, um ihre Arbeit abstimmen zu können. (Carle/Samuel 2005) Zudem sind die meisten Wissensgrundlagen und weite Teile des pädagogisch-fachlichen Könnens für die Arbeit mit Kindern in Kindergarten und Grundschule identisch und differenzieren sich erst in der Berufstätigkeit aus.

Zwar ist die Etablierung einer gemeinsamen Ausbildung für Elementarbereich und Grundschule, gemessen an den anstehenden gesellschaftlichen Aufgaben in diesem Bereich, nur eine kleine und erst sehr verzögert wirkende Maßnahme. Gleichwohl bietet sich die Chance jetzt. So betrug in Bremen das Durchschnittsalter in den von uns untersuchten Kindertageseinrichtungen zwischen 41 und 45 Jahre, in den kooperierenden Grundschulen zwischen 44 und 52 Jahren (Berthold u.a. 2003). Es wird unter den derzeit ca. 275.000 in Deutschland in Kindertageseinrichtungen beschäftigten ErzieherInnen (Rauschenbach 2005, 25) und den ca. 214.000 GrundschullehrerInnen (OECD 2004b, 17) in den nächsten Jahren zu einem beträchtlichen Personalwechsel kommen. In diesem Wechsel kann eine Chance für einen Qualifizierungsschub gesehen werden. Allerdings sind in den letzten Jahren gerade hinsichtlich der Qualifizierung im Elementarbereich in Deutschland widersprüchliche Trends zu beobachten, die ein Gegensteuern umso notwendiger werden lassen (Oberhuemer/Ulich 1997).

Eine zentrale Einflussgröße auf die Prozessqualität von Bildung ist die Arbeit der Pädagoginnen und Pädagogen. Es lassen sich Anforderungen beschreiben, die eine Arbeit in Kindertageseinrichtungen, Kindergärten und Grundschulen - nach heutigem Wissensstand an die Mitarbeiterinnen stellt (vertiefend Carle 2006). Der Bremer Studiengang transportiert nicht nur die neuen Forschungsbefunde als fachliche Grundlegung der pädagogischen Arbeit. Es ist ein Ziel, praktische Erfahrung mit Kindern und neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu integrieren. Das gilt sowohl für das Berufsziel Kindergarten, sondern auch für das Berufsziel Grundschule und soll durch integrierte, gut vorbereitete und begleitete Praktika unterstützt werden. Polyvalent für die beiden Professionen kann vorerst in Bremen in den Fächern Interdisziplinäre Sachbildung mit Elementarmathematik oder Deutsch studiert werden. Hinzu kommen für alle Studierenden pädagogische Anteile und ästhetische Erziehung (als Schlüsselqualifikation) sowie interesseorientierte Abschlussmodule.

Bremen hat in Deutschland die erste gemeinsame universitäre Ausbildung für Elementarbereich und Grundschule in aller Konsequenz aufbaut. Andere folgen bereits, denn das Modell stößt auf großes Interesse. Deshalb wird die Arbeitsgruppe „Profis in Kitas“ an der Universität Bremen am 2. und 3. Februar 2007 eine Tagung veranstalten, um die neu entstehende Kompetenz zusammen zu führen (www.fruehpaedagogik.uni-bremen.de). Dort gibt es auch Links zu Informationen über begleitende Weiterbildungsangebote und unsere Fachgespräche Bildung von Anfang an, die regelmäßig im Haus der Wissenschaft stattfinden. Sie bieten eine öffentliche Plattform für den kontinuierlichen Diskurs über das neue Modell in Bremen.

Literatur

Berthold, B./Bischoff, B./ Carle, U. (2003):
Frühes Lernen – Kindergarten und Grundschule kooperieren. Projektentwicklung und Ausgangslage in den beteiligten Einrichtungen. Bremen: Universität
(http://www.fruehes-lernen.uni-bremen.de/)
Carle, U. (2006):
Gemeinsame Ausbildung für Grundschule und Kindergarten an der Universität Bremen.
In: Hinz, R./ Pütz, T. (Hrsg.):
Grundschule entwickeln und Übergänge gestalten. Baltmannsweiler: Schneider, S. 107-115
Carle, U./ Samuel, A. (2005):
Frühes Lernen – Kindergarten und Grundschule kooperieren. Abschlussbericht Bremen: Universität (http://www.fruehes-lernen.uni-bremen.de/)

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