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18.01.2012 GEW begrüßt Kompromiss der Regierungskoalition

Einige Kernforderungen der GEW erfüllt...
„Der Protest hat sich gelohnt, zumindest etwas Einsicht ist in diese Regierungskoalition eingekehrt“, kommentiert Christian Gloede, Landesvorstandssprecher der GEW die gestern verabredete Kompromisslinie der Fraktionsvorsitzenden zur Frage der Ganztagsschulen und Horte. Die zusätzlich benötigten Finanzmittel müssten aber durch eine Aufstockung des Bildungsetats abgesichert werden.

Mit diesem Kompromiss seien einige Kernforderungen der GEW erfüllt, insbesondere die Verhinderung kurzfristiger Hortschließungen und die Aufhebung der Kapazitätsbegrenzung für die Offenen Ganztagsschulen. Zudem sei durch die Einrichtung teilgebundener Ganztagsschulen (diese gelten für ganze Klassen oder Jahrgangsstufen), auch die Möglichkeit des Aufbaus einer grundlegenden Umstrukturierung des Schulalltags gegeben, wenn auch zunächst nur für einzelne Klassen und mit der Maßgabe einer entsprechenden Personalausstattung.

Nun ginge es darum, schnellstmöglich den beteiligten Schulen zusätzliche Ressourcen für den stadtteilbezogenen Entwicklungsprozess zu bewilligen. „Diese Konzeptentwicklung ist für einen qualitativen Erfolg grundlegend und bedarf einer Unterstützung“, fordert die GEW.

„Es ist aber zu befürchten, dass die zusätzlich benötigten Mittel aus den bestehenden Eckwerten des Bildungsetats zu finanzieren sind und dadurch an anderen Stellen wieder Löcher gerissen werden. Für mehr Aufgaben und mehr Qualität in der Bildung ist aber notwendigerweise auch mehr Geld in den Haushalt einzustellen“, fordert die GEW und kündigt entsprechende Aktionen zu den bevorstehenden Haushaltsberatungen an.


Landesvorstandssprecher
Christian Gloede
Bernd Winkelmann

GEW Landesverband Bremen | Bahnhofsplatz 22-28 | 28195 Bremen
tele 0421-33764-0 | fax 0421-33764-30 | email info (at) gew-hb.de

Hintergrund-Info

Die SPD-Bürgerschaftsfraktion will weitere Grundschulen zu sogenannten „Verlässlichen Grundschulen Plus“ (VGS+) umbauen. In diesem Zuge sollen nach Informationen der GEW in den kommenden zwei Jahren in Bremen hunderte von Hortplätzen abgebaut werden. „Dieses Kürzungsprojekt bedroht die soziale und Chancengerechtigkeit in vielen Stadtteilen“, zeigt sich GEW-Sprecher Christian Gloede empört. Die VGS+ stehe nur wenigen Kindern einer Grundschule offen, gehe in der Regel nur bis 15 Uhr, hat keine geregeltes Ferienangebot und auch die Aufnahme von Kindern mit Förderbedarf sei nicht geklärt, so Gloede weiter. Im Gegensatz dazu stelle der Hort ein verlässliches Bildungs- und Betreuungsangebot bis in den späteren Nachmittag sowie während der Ferien dar.

Hinzu komme, dass ein Losverfahren durchgeführt werde, wenn mehr Kinder für die VGS+ angemeldet würden, als Plätze vorhanden seien. Dieses Losverfahren berücksichtige aber in keiner Weise individuelle Förder- und Unterstützungsbedarfe oder soziale Kriterien.

Die VGS+, die ab kommendem Schuljahr als „offenen Ganztagsschule“ in ca. 20 Grundschulen eingeführt werden soll, lehnt die GEW als „Ganztagsschule light“ ab. Bestenfalls könne sie als ergänzendes Angebot zu Horten konzipiert werden, bis die anzustrebende Umwandlung in „gebundene Ganztagsschulen“ stattgefunden hat. Nur bei diesen ist der Ganztag verpflichtend für alle, was die Rhythmisierung des Schultages im Sinne der Kinder und ihrer Lernerfolge ermöglicht, so die GEW.

Ungeklärt ist auch die berufliche Perspektive der Hortnerinnen und Hortner. Sie müssen offensichtlich mit einer „Zwangsumschulung“ für die Arbeit mit unter-3jährigen rechnen, da die Bereitschaft der Bildungsbehörde, diese KollegInnen mit ihren Arbeitsverträgen zu übernehmen, bisher kaum vorhanden ist.

„Vor dem Hintergrund wachsender Armut in Bremen (ca. jedes dritte Kind in Bremen lebt unterhalb der Armutsgrenze) und dem engen Zusammenhang von Armut und unzureichendem Bildungserfolg konterkariert die rot-grüne Mehrheit in der Bürgerschaft ihr selbstgestecktes Ziel die Schere zwischen Arm und Reich im Bildungsbereich zu schließen“, so die GEW weiter. Die Bildungsgewerkschaft fordert die Senatorinnen Stahmann und Jürgens-Pieper auf, unverzüglich ihre Pläne bzgl. der Horte und der Grundschulen offenzulegen. „Eltern müssen vor Anmeldebeginn im Januar wissen, woran sie sind. Die Umetikettierung von „VGS+“ zu „offener Ganztagsschule“ suggeriert eine Verbesserung, die sich mit jeder Hortschließung ins Gegenteil verkehrt!“ Die GEW fordert zudem die Fraktionen von SPD und Grünen auf, bereits in den Deputationen diese Pläne zu stoppen.


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