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20.06.2006 GEW Info für die Primarstufe

Elternbrief zum Grundschulzeugnis
Liebe Kollegin, lieber Kollege!

An allen Schulen herrscht gerade der typische Stress zum Schuljahresende. Zeugnisbriefe, Elterngespräche, Ausflüge, Klassenfeiern, Absprachen zwischen Tür und Angel etc. etc.

Die KollegInnen der 3. und 4. Jahrgangsstufen sind im Moment besonders belastet. Sie erstellen Dokumentationen, schreiben die Lernentwicklungsberichte und grübeln über die Zensurenerteilung.
Vielen wird, wenn sie sich so intensiv mit jedem einzelnen Kind beschäftigen, besonders deutlich, wie widersprüchlich ihre derzeitige Tätigkeit ist.

-Gerade Kindern, die durch Sprache oder soziale Verhältnisse eine langsamere Lernentwicklung haben, wird durch den Zwang zur Benotung die Motivation genommen.
-Die pädagogische Arbeit im Unterricht, jedes Kind bei seinem Stand abzuholen und zu fördern wird durch diese Form der Zeugniserteilung ad absurdum geführt.
-Eine Verteilung von unterschiedlichen Zeugnissen für Förderkinder und Regelkinder fördert ein Klima der Aussonderung in den Klassen.
-Die Aufzählung von Kompetenzen, die in der neuen Zeugnisform vorgeschrieben ist, erfüllt zudem nicht den Anspruch an einen Lernentwicklungsbericht „aus einem Guss“. Gleichzeitig wird der hohe Arbeitsaufwand durch die abschließende Notenerteilung entwertet.

Trotz eines breiten Protestes von KollegInnen, Grundschulverband, Zentralelternbeirat und auch vieler Schulkonferenzen hält die Große Koalition an der unsinnigen Zeugnisordnung fest.
Auf unserer letzten Grundschulversammlung wurde beschlossen, dass wir weiterhin öffentlichen Druck erzeugen müssen, mit dem Ziel, dass spätestens in der nächsten Koalitionsvereinbarung nach der Bürgerschaftswahl (Mai/Juni 2007) der Zwang zur Zensurengebung aufgehoben wird.

Außerdem sollen alle Grundschulen nach den Sommerferien ihren Antrag auf Notenbefreiung erneuern und dies öffentlich bekannt machen. Vor der Deputationssitzung, die über die Anträge entscheidet, soll eine öffentliche Veranstaltung mit ElternvertreterInnen und Parteien stattfinden. Der Unterricht sollte bis dahin nicht von Zensuren geprägt sein – lediglich im Zeugnis soll dem Lernentwicklungsbericht die vorgeschriebene Ziffer beigefügt werden.

Besonders wichtig ist die Einbeziehung der Eltern: Wir müssen ihnen unseren Unmut mitteilen und mit ihnen diskutieren, warum wir keine Noten für ihr Kind wollen!

Hierzu bietet sich als ein Schritt die Elterninformation für die 3. und 4. Klassen an. Zum einen macht jede KollegIn hier noch einmal deutlich, dass sie persönlich die Notengebung ablehnt. Zum anderen fordern wir die Eltern zur Unterstützung auf und kündigen an, dass unser Protest gegen diese Zeugnisordnung weitergeht.

Verteilt die anliegenden Elternbriefe auf Elternsprechtagen, Elternabenden oder direkt als Anlage zu den Zeugnissen! Dies wurde im vergangenen Jahr schon an vielen Schulen gemacht und sollte als Aktion weitergeführt werden. Je größer die Anzahl der Eltern ist, die den Brief bekommen, desto bekannter wird unser Protest.
Viele KollegInnen empfinden es auch persönlich entlastend, ihren Protest so noch einmal kundzutun.
Wir wünschen euch noch viel Kraft und gute Nerven für das Schuljahresende und dann wunderschöne, erholsame Ferien!

Mit kollegialen Grüßen
Insa Gildemeister


Nebenstehend findet ihr die Elternbriefe als (word-) Datei. Ihr könnt also bei Bedarf die Briefe dann so verändern, dass sie für eure Schule passend werden.


GEW Bremen, Löningstr. 35, 28195 Bremen, Tel. 337640, e-mail E-Mail-Adresse

 Elternbrief3.06.doc
 Elternbrief-Entwurf Klasse 3

 Elternbrief_4.06.doc
 Elternbrief-Entwurf Klasse 4

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