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Publikationen BLZ BLZ Archiv BLZ Januar 2008 16.01.2008 Forschungsbericht bestätigt GEW-Kritik | ||||||
| 16.01.2008 Forschungsbericht bestätigt GEW-Kritik | ||||||
| Drei Jahre Präsenzzeitmodell an drei Ganztagsgrundschulen von Jürgen Burger | ||||||||||||
| Im Januar 2003 beschloss die Bildungsdeputation, an der Borchshöhe eine „Gebundene Ganztagsschule in Verbindung mit einem Präsenzzeitmodell für die an der Schule arbeitenden Lehrerinnen und Lehrer“ einzurichten. Die Gremien der Schule hatten ein solches Modell beantragt, allerdings unter der Voraussetzung, dass pro Vollzeitlehrkraft drei Stunden zusätzlich der Schule zugewiesen würden. Diese Stunden sollten der Entlastung für die zusätzlichen Aufgaben dienen. |
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| Behörde und Deputation bewilligten aber nur 2 1/2 Stunden pro Klassenverband. Trotzdem entschloss sich die Schule zum Beginn ab Sommer 2003. Auf Intervention des Personalrats wurde in einer Schlichtung festgeschrieben, dass die zusätzlich bewilligten Stunden nicht für Unterricht verwendet werden durften. In den folgenden zwei Jahren wurden zwei weitere Modellversuche eingerichtet (Tami-Oelfken-Schule und Oslebshauser Heerstr.). In der Schlichtung war weiterhin festgelegt worden, dass in der wissenschaftlichen Begleitung die Arbeitszeit und die Arbeitsbedingungen der Lehrkräfte und pädagogischen MitarbeiterInnen untersucht werden sollten. Diese von der Bildungsbehörde in Auftrag gegebene Studie des Instituts für Schulentwicklungsforschung (Prof. Holtappels u.a.) lag der Behörde seit Anfang 2007 vor, öffentlich zugänglich war sie aber erst nach den Sommerferien. | ||||||||||||
| Bis zu 41% Mehrarbeit Auf der Grundlage von Arbeitszeiterfassungs-Bögen wird festgestellt, dass „die tatsächlich geleistete Gesamtarbeitszeit (der Lehrkräfte 2005) sowohl bei den Vollzeit- als auch bei den Teilzeitkräften über der Soll-Arbeitszeit (lag). Dabei war die tatsächlich geleistete Gesamtarbeitszeit der Teilzeitkräfte (141,2%) im Vergleich zu den Vollzeitkräften (111,7%) noch erheblich höher.“ (S. 59) Zur besonderen Belastung von Teilzeitkräften bemerken die AutorInnen: „Dies kann darauf zurückgeführt werden, dass im Schulalltag bestimmte nichtunterrichtliche Tätigkeiten von allen Lehrkräften verlangt werden, unabhängig von ihrem offiziellen Sollarbeitszeitvolumen.“ (S. 80) Das Ausmaß der Mehrarbeit wird mit folgender Aussage deutlich: „Bei der Interpretation der Ergebnisse ist zu beachten, dass der Anteil der Vollzeitkräfte bei der Untersuchung weit unter dem der Teilzeitkräfte liegt.“ (S. 82) | ||||||||||||
| Fast kompletter Austausch eines Kollegiums Für die Schule Borchshöhe stellt die Studie fest: „Im Vorfeld des Projekts zeigte sich eine hohe Personalfluktuation. Dies führte dazu, dass das Kollegium fast vollständig ausgetauscht wurde.“ (S. 104) Auch in Bezug auf die anderen beiden Schulen wird von erheblicher Fluktuation bzw. von einem hohen Krankenstand berichtet. Mangel an Kooperationszeiten für die pädagogischen MitarbeiterInnen „Die Kooperations- und Vorbereitungszeiten werden als zu knapp bemessen eingestuft. Dafür verantwortlich gemacht werden die unterschiedlichen Arbeitsbedingungen.“ (S. 69) In der Zusammenfassung der Ergebnisse heißt es: „Für das nicht-unterrichtende pädagogische Personal sollte die Arbeitszeitregelung so gestaltet sein, dass hinreichende Kooperationszeiten für die Kooperation untereinander und mit Lehrkräften gewährt werden.“ (S. 113) Schlechte Vorbereitung und Unterstützung „Die Rahmenbedingungen der Vorbereitungsphase erwiesen sich nach Angaben des pädagogischen Personals als ungeordnet und nicht förderlich. Als Ursachen wurden eine mangelnde Transparenz, ein hoher Zeitdruck, eine nicht ausreichende Ausstattung der Schulen sowie eine fehlende externe Unterstützung genannt.“ (S. 107) Positive Aspekte der Ganztagsschule Neben diesen äußerst vernichtenden Befunden gibt es in der Studie viele Passagen, in denen positive Aspekte der Einrichtung der drei Ganztagsgrundschulen dargestellt werden. Trotz der Schwierigkeiten wurde verstärkt kooperiert, trotz der mangelnden Ausstattung nahmen individualisierte Lernformen zu. Der Grad der Mehrarbeit hat im Untersuchungszeitraum leicht abgenommen. Diese positiven Tendenzen lassen sich aber nicht schlüssig auf das Präsenzzeitmodell zurückführen (auch wenn dies in der Untersuchung an einigen Stellen versucht wird). Hier dürften eher die Zuweisung von zusätzlichen Stunden und die verbesserte bauliche Ausstattung eine wesentliche Rolle spielen. Und jetzt? Laut Koalitionsvereinbarung sollen in nächster Zeit Standards für die Ausstattung von Ganztagsschulen erarbeitet werden. Die Studie belegt: Für eine erfolgreiche Schulentwicklung reichen die bisherigen Standards nicht aus. Die Pflichtstunden der Lehrkräfte sind zu hoch, die Vorbereitungszeiten der pädagogischen MitarbeiterInnen zu knapp bemessen. Die ursprünglich vom Kollegium der Borchshöhe und von GEW und Personalrat aufgestellte Forderung nach mindestens drei zusätzlichen Stunden pro Vollzeitlehrkraft ist aktueller denn je und wird durch die Befunde der Studie untermauert. Besonders hervorgehoben werden in der Untersuchung die unzureichenden Anstellungs- und Arbeitsbedingungen der pädagogischen MitarbeiterInnen. Hier muss umgehend eine Verbesserung erfolgen! | ||||||||||||