| Ohne Senkung der Arbeitsbelastung für Lehrkräfte keine Verbesserung der Schulqualität Die GEW Bremen fordert den Senator für Bildung zu einer öffentlichen Diskussion und zu Verhandlungen über die Arbeitszeitpolitik im Schulbereich auf. | 
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| Die Erhöhungen der Unterrichtsverpflichtung, die Verschlechterung der Schüler/Lehrer-Relation bei gleichzeitiger Erhöhung der Stundentafel, die Überschüttung der Schule mit ständig neuen Aufgaben und Umorganisierungen haben ein Ausmaß angenommen, das qualitativ guten Unterricht und die Wahrnehmung der Erziehungsaufgaben der Lehrkräfte immer schwieriger macht. Als erste Schritte zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen an den Schulen fordert die GEW:
· Einseitige Planungen des Arbeitgebers zur formalen Verordnung von Präsenznachmittagen und Pflichtfortbildungen sind einzustellen. Sie entsprechen weder der schulischen Realität noch den Notwendigkeiten der Schulentwicklung. · Die Mehrarbeitsstunde für unter 50jährige Lehrkräfte muss abgeschafft werden. · Der vermehrte Kooperations- und Fortbildungsbedarf muss durch eine generelle Klassenlehrer- bzw. Tutorenstunde anerkannt werden. · Ganztagsschulen mit Präsenzzeitmodell müssen mit mindestens 3 zusätzlichen Wochenstunden pro Lehrkraft ausgestattet sein. Diese Stunden dürfen nicht für Unterricht oder Betreuung, sondern müssen für im Rahmen der Ganztagsschule anfallende zusätzliche Aufgaben sowie für individuelle Vor- und Nachbereitung in der Schule verwendet werden. Ohne eingerichtete Lehrerarbeitsplätze darf es kein Präsenzzeitmodell geben. Ohne Erfüllung dieser Bedingungen dürfen Ganztagsschulversuche nicht ausgeschrieben werden. · Teilzeitkräfte dürfen auch bei den außerunterrichtlichen Tätigkeiten nur im Umfang ihres Stellenanteils belastet werden. · Angesichts der Flut von Vergleichsarbeiten und Tests muss für die dabei anfallende Mehrarbeit ein Ausgleich geschaffen werden. · Schulprogramme können nur erarbeitet werden, wenn dafür ein Stundenpool zur Verfügung gestellt wird. · Der Senator für Bildung wird aufgefordert, umgehend Gespräche mit der GEW über den Entwurf einer neuen Verordnung zum Altersteilzeitgesetz aufzunehmen, die in Verhandlungen zwischen Senat und Gewerkschaften münden sollen.
Der Landesvorstand wird beauftragt, Maßnahmen zu treffen, die den Kampf um eine Senkung der Arbeitsbelastung voranbringen. Hierzu gehören u.a.: · Eine Musterresolution für die Gesamtkonferenzen, · eine Erhebung des realen Bedarfs nach Altersteilzeit als Vorbereitung einer gemeinsamen Aktion der Betroffenen, · eine regelmäßige Information der Öffentlichkeit über Arbeitszeit und Arbeitsbelastung der an Schule tätigen Fachkräfte, · eine Arbeitszeitkonferenz, auf der die GEW in Anknüpfung an die Tagung "Arbeitsbedingungen an Ganztagsschulen" und den LV-Beschluss v. 3.6.04 ihre konzeptionellen Vorstellungen und Forderungen zur Arbeitszeitgestaltung weiter entwickelt, · eine Vorbereitung von Boykottaktionen bei außerunterrichtlichen Tätigkeiten und Vergleichsarbeiten, falls der Senator für Bildung und die Koalitionsparteien keinerlei Gesprächs- und Verhandlungsbereitschaft in Sachen Lehrerarbeitszeit zeigen.
Begründung:
Die gegenwärtige Arbeitszeitpolitik des Senators für Bildung und der Koalitionsparteien ist geprägt durch den Widerspruch zwischen den öffentlichen Versprechen zur Verbesserung des Schulangebots und der Schulqualität einerseits und den realen Maßnahmen der Senkung der Personalkosten andererseits. Mit dieser Politik werden gesellschaftliche Erwartungen an die Leistungen der Schule geweckt, zu deren Erfüllung gleichzeitig die notwendigen Ressourcen verweigert werden. Nach Vorstellung des Arbeitgebers sollen die an den Schulen Beschäftigten diesen Widerspruch ausbaden. Lehrkräfte sollen trotz überhöhter Unterrichtsverpflichtung immer mehr zusätzliche Beratungs-, Betreuungs- und Schulentwicklungsarbeit leisten, Betreuungskräfte sollen mit geringer Bezahlung hochwertige sozialpädagogische Arbeit erbringen, Schulleitungen sollen die politischen Vorgaben der Bildungsbehörde in den Kollegien durchsetzen.
Diese Politik ist nicht geeignet, die vorgegebenen Ziele zu erreichen. Vielmehr werden damit sinkende Arbeitszufriedenheit, eine Zunahme des burnout-Syndroms und schulinterne Konflikte provoziert. Um an den Schulen gute Arbeit zu leisten, brauchen die Beschäftigten sichere Rahmenbedingungen. Der Arbeitgeber muss entweder zur Erweiterung des Schulangebots vermehrte Personalressourcen zur Verfügung stellen oder der Öffentlichkeit deutlich sagen, dass er dazu nicht bereit und/oder in der Lage ist und deshalb die Versprechen nicht einhalten kann.
Der Einsatz der GEW für bessere Arbeitsbedingungen richtet sich nicht gegen die zur Legitimation von Arbeitszeitverlängerungen angegebenen Ziele (z.B. die Ganztagsschule oder vermehrte Kooperation und Fortbildung), sondern gegen den Versuch, diese Ziele mit unzureichenden Ressourcen auf Kosten der Beschäftigten zu erreichen. Insofern geht es einerseits darum, sich gegen Maßnahmen der Arbeitszeitverlängerung öffentlich wahrnehmbar zur Wehr zu setzen, andererseits muss die GEW positiv und realistisch darstellen, welche Ressourcen zur Erreichung welcher Ziele notwendig sind und sich für die Bewilligung dieser Ressourcen einsetzen.
Dieser doppelten Zielsetzung dienen die im Antrag vorgeschlagenen Maßnahmen: . Öffentliche Auseinandersetzung mit dem Widerspruch von Versprechen und Ressourcen, . Organisation des Protestes gegen arbeitszeitverlängernde Maßnahmen, . Konkretisierung unserer konzeptionellen Vorstellungen und Forderungen zu einer angemessenen Arbeitszeitgestaltung.
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