| Bremer Nazigenerationen im Wandel von Carsten Neumann | |
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| "Politische Straftaten haben in Sachsen-Anhalt stark zugenommen. Im vorigen Jahr waren es über ein Drittel mehr als 2007, wie Innenminister Holger Hövelmann (SPD) am Montag berichtete. Fast 80 Prozent der Straftaten wurden demnach von Rechtsextremisten verübt. ..... In einem Fall wurde ein junger Magdeburger nach einem Discobesuch von einem Rechten erschlagen und beraubt."(TAZ 3. März 09).
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| Haben wir uns an Meldungen wie diese gewöhnt? Wahlerfolge der NPD und eine vitale Jugendkultur der Nazis sind deutliche Anzeichen für eine Veränderung der politischen Landschaft. War es zu Gründungszeiten der NPD für diese eher wichtig alte Anhänger des NS wieder zu sammeln, geht es heute vielmehr darum, die Jugend zu gewinnen. Nicht mehr mit Fahrtenlagern und Geländespielen in Uniform, sondern mit Rechtsrockbands und Konzerten wird dies erreicht. Um die 200 Konzerte im Jahr, die von den etwa 150 aktiven Bands der Naziszene veranstaltet werden, sind zum wichtigsten Agitationsfeld neben den Aufmärschen geworden. Vorbei ist die Zeit, in der Neonazis, nur als Skinheads uniformiert, Jugendliche ansprachen.
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| Weitere Jugendkulturen sind mittlerweile zum Teil von der Naziszene beeinflusst. Selbst im Bereich des HipHop finden sich zunehmend rassistische und nationalistische Töne, die hier am weit verbreiteten Männerbild mit seinem Sexismus und seiner Homophobie gut andocken können. Neben der NPD-eigenen "Deutsche Stimme"-Verlagsgesellschaft gibt es noch mehrere Dutzend Versände, die nicht nur finanziell, sondern auch politisch, am Boom der Szenen verdienen. Zwar sitzt dieser, einer der größten, im sächsischen Riesa, doch der Bezug nach Bremen ist direkt. Der Produktentwickler ist Henrik Ostendorf. Der älteste von drei Brüdern, die allesamt im militanten Neonazispektrum zu Hause sind. Hannes Ostendorf ist Sänger der Naziband "Kategorie C-Hungrige Wölfe" und betreibt einen Baguetteladen in Lilienthal. Er ist vorbestraft wegen eines Brandanschlags Anfang der neunziger Jahre auf ein von Ausländern bewohntes Haus in Schwachhausen und Teilnehmer an mehreren NPD-Aufmärschen, wo er auch mit seiner Band auftrat. Der jüngste Marten betreibt das Ladengeschäft "Sportsfreund" in der Bremer Innenstadt am Brill, von wo aus, neben zwei weiteren Versänden in Bremen, nicht nur die Kleidung für den „heutigen Nazi“ vertrieben wird. Sie sind Mitglieder der Hooligantruppe "Standarte", die seit 15 Jahren nicht nur bei Spielen von Werder Bremen mit Gewalttaten auf sich aufmerksam macht.
Immer wieder treten Hooligans aus dieser Gruppierung bei Aufmärschen, unter der Leitung von Henrik Ostendorf als Ordner auf. Diese Aufmärsche, von denen mittlerweile jedes Wochenende mindestens zwei stattfinden, sind das zweite Element mit dem die Naziszene Gemeinschaft herstellt. Ähnlich wie bei entsprechenden Konzerten trifft der Jugendliche nur auf Gleichgesinnte. Klar abgegrenzt von der restlichen Gesellschaft ist man hier unter sich. Nur zu gerne wird diese Politik der Abgrenzung auf den Staat und seine Organe abgegeben und von diesem ein weiteres härteres Vorgehen gegen die NPD oder Andere gefordert. Viel zu selten übernehmen Menschen die eigene Verantwortung in diesem Fall. Eine klare Abgrenzung gegenüber den Positionen der Nazis ist sinnvoll, eine Ausgrenzung dieser ebenso. Doch sollten vielmehr alle gesellschaftlichen Akteure diese vollziehen.
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| Seit einem Jahr versucht die Initiative "Ladenschluss", den Geschäften und Ideen der Akteure des lokalen Neofaschismus mit Aufklärungsarbeit und Demonstrationen Einhalt zu gebieten. Auffällig ist hier die hohe Beteiligung von Jugendlichen, die nicht den gängigen Klischees der unpolitischen Generation entsprechen. Diese zu unterstützen ist wichtiger denn je. In einer Zeit, in der die demokratischen Rechte von DemonstrantInnen immer weiter beschnitten werden, wäre eine Unterstützung dieser jungen Menschen wünschenswert. Am 14.3. (nach Redaktionsschluss) gibt es eine weitere antifaschistische Demonstration in Bremen (Berichte unter: www.bremen.antifa.net/ladenschluss).
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| Der Autor:
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| - Carsten Neumann für Standpunkt Bremen
- Standpunkt-Antifaschismus und Kultur ist eine Initiative, die vor mehreren Jahren gegründet wurde, die Naziaktivitäten beobachtet, veröffentlicht und sich aktiv einmischt. Wir bieten Seminare, Workshops und Vorträge zu verschiedenen Themen an und sind zu erreichen über
Standpunktbremen [at] gmx.net. Über jede Anfrage oder Unterstützung freuen wir uns.
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