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15.06.2006 Erfahrungen und Forderungen

Aus der Arbeit in der BFM (Beratungsstelle für schulische Förderung von Migrantenkindern)
Nevin Lutz

Arbeitsweise der BFM

·Die meisten Kinder werden von Schulen, KTH’s und Schulärzten gemeldet.
·BFM arbeitet betont präventiv, wenn die Kinder rechtzeitig gemeldet werden.
·Immer mehr Eltern (besonders Mütter) wenden sich an die BFM.
·Durch aufsuchende Elternarbeit werden auch die Eltern erreicht, die sonst keine
Beratung aufsuchen würden.
·KollegInnen und Eltern sind bis auf wenige Ausnahmen sehr offen und nehmen die meisten Anregungen an.
·Durch Zusammenarbeit und Vernetzung mit vielen Institutionen und Ämtern kann auch außerschulische Unterstützung angeboten werden.

Seitenabschnitte:
Arbeitsweise der BFM
Die wichtigsten Meldeanlässe
Besonderheiten mancher Elternhäuser, die Probleme verstärken:
Probleme in den Schulen
Forderungen
Beratungsstelle für schulische Förderung von Migrantenkindern / BFM

Die wichtigsten Meldeanlässe

Bei ErzieherInnen und LehrerInnen:

·Sprach- und Lernprobleme (in Deutsch und/oder der Muttersprache) der Kinder
·Missverständnisse mit den Eltern
·Interkulturelle Fragen / Tabuthemen (Sexualität, Sexualkunde, Pubertät u. ä.)
·Erwartungen an die Eltern / häuslicher Erziehungsstil
·Verhaltensprobleme, besonders der Jungen
·Unterstützung bei der Feststellung des Förderbedarfes
·Hilfestellung bei der Förderung der Migrantenkinder
·Beratung bei Deutsch als Zweitsprache (DaZ) und Interkulturellem Lernen

Bei Eltern:

·Eltern sind nicht einverstanden mit der Beurteilung des Sprechvermögens / der
Sprachkenntnisse und des Lernstandes des Kindes.
·Ratsuche für die häusliche und außerschulische Förderung bei der Kindererzie-hung und der Förderung von Mehrsprachigkeit
·Information über das Schulsystem für die Wahl der richtigen Schule
·Anfragen über Kurse und andere Maßnahmen für Eltern
·Konflikte in der Schule und in der Familie

Besonderheiten mancher Elternhäuser, die Probleme verstärken:

·Viele Eltern bieten ihren Kindern keine alters- und interessengemäßen Bücher zur Leseförderung an. Religiöse Literatur und Korankurse nehmen einen immensen Raum im Leben der Kinder ein.
·Eine große Zahl besonders der Mütter beherrscht Deutsch nicht oder nur völlig unzureichend.
·Es gibt eine beachtliche Anzahl von Müttern, besonders bei den Flüchtlingen und Asylbewerberinnen, die Analphabetinnen sind und ziemlich isoliert leben. Die er-forderliche Unterstützung der Kinder im Sinne der Schule bleibt aus.
·Die Eltern haben große Angst vor sexistischen oder rassistischen Übergriffen auf ihre Kinder und schränken daher die Freiheit ihrer Kinder stark ein.
·Die Eltern schicken ihre Kinder nicht ins Schullandheim aus Unkenntnis über das, was dort gemacht wird, aus Furcht vor Angriffen oder Verletzung religiöser Gebo-te oder aus Geldmangel.
·Eltern nehmen häufig erst dann Beratungsangebote wahr, wenn die Probleme in der Schule schon massiv geworden sind.

Probleme in den Schulen

·Die Mittel und Stunden zur Sprachförderung werden ständig gekürzt und in manchen Schulen gibt es kaum oder gar keine DaZ-Förderung.
·FÖZ-LehrerInnen in Grundschulen berichten, dass nur wegen fehlender DaZ-Förderung viele Migrantenkinder im sonderpädagogischen Förderunterricht sind.
·Die Zusammenhänge zwischen Sprache und Mathematik sind vielen nicht bekannt. Beide Bereiche müssen gleichermaßen stärker gefördert werden.
·Auch die Gymnasien müssen unbedingt Sprachförderung anbieten. Grundschulen empfehlen viele Kinder deswegen nicht für das Gymnasium, weil die Kinder Deutsch noch nicht gut genug beherrschen.
·LRS-Nachteilsausgleich wird bei Migranten kaum oder erst nach Hinweis gegeben.
·Die Muttersprachen und Kulturen der Kinder werden selten wertgeschätzt und in der Schule sichtbar gemacht.
·Interkulturalität und Sprachförderung werden als durchgehende Unterrichts-prinzipien kaum praktiziert.
·In den Förderzentren sitzen überproportional viele Kinder mit Migrationshinter-grund. DaZ- Förderung findet dort kaum statt.

Seitenabschnitte:
Arbeitsweise der BFM
Die wichtigsten Meldeanlässe
Besonderheiten mancher Elternhäuser, die Probleme verstärken:
Probleme in den Schulen
Forderungen
Beratungsstelle für schulische Förderung von Migrantenkindern / BFM

Forderungen

·Oft werden bei Migrantenkindern endgültige Entscheidungen viel zu früh gefällt.
Mehrsprachige Kinder brauchen mehr Zeit und dürfen durch diese Praxis nicht doppelt benachteiligt werden!.
·Kinder von berufstätigen Müttern werden bevorzugt in Kita’s aufgenommen. Daher bleiben viel zu viele Kinder mit Migrationshintergrund zu lange zu Hause.
Sie müssen alle als Härtefälle gelten und Plätze in den Kita’s bekommen!
·Flüchtlingskinder mit Duldung werden nicht in einem Hort aufgenommen und erhalten (trotz mehrfacher Anträge bei den Horten und dem AfsD) keine Logo-pädie oder Ergo- oder Psychotherapie.
Es darf nicht zugelassen werden, dass sich Flüchtlingskinder mangels Hilfen zu
problembeladenen Jugendlichen entwickeln!
·Die Beratung der Eltern, Kita’s, KTH’s und Schulen muss erhalten und erweitert werden. Es müssen mehr ErzieherInnen und LehrerInnen mit Migrationshinter-grund eingestellt werden!
·Die niederschmetternden Erkenntnisse der Pisa- und OECD-Studien machen deutlich: Es darf im Bereich Schulbildung und Berufsausbildung nicht noch mehr gespart werden! Es müssen deutlich mehr Ressourcen in einem veränderten Bil-dungswesen vor allem für sozial Benachteiligte und Kinder mit Migrationshinter-grund bereitgestellt werden!


Beratungsstelle für schulische Förderung von Migrantenkindern / BFM

Auf der Hohwisch 61-63, 28207 Bremen, Schulnummer: 003 – Alter Postweg
Telefon: 0421-36159228 / Sprechzeiten: Di. 10.30 – 13.00, Do. 14.30 – 16.00
Ansprechpartnerin:: Nevin Lutz (spricht Türkisch) / Termine nach Vereinbarung
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