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16.07.2008 Eine Verkleinerung der Klassenstärke lohnt nicht! Oder doch?

von Hans Brügelmann
Kleine Klassen haben keine Konjunktur. Die öffentlichen Kassen sind leer, und BildungspolitikerInnen fühlen sich gestärkt durch Ergebnisse aus renommierten Studien wie SCHOLASTIK und PISA, die einen eher geringen Einfluss der Klassengröße vermuten lassen.

ABER:

Seitenabschnitte:

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1. Die Forschungslage ist nicht so klar, wie oft suggeriert wird. Die wichtigsten Gründe für Widersprüche sind...

  • Unklarheit, ab wann eine Klasse „klein“ ist;
  • häufig Einengung der Erfolgskriterien auf fachliche Leistungen;
  • meist Untersuchung in einem engen Spektrum von Lehrstilen;
  • Korrelation der Klassenstärke mit anderen Variablen wie Niveau der Lerngruppe oder Kompetenz der Lehrperson, so dass Drittfaktoren die Lerneffekte überlagern;
  • unterschiedliche Effekte in verschiedenen Alters- und Leistungsgruppen.

2. Die empirischen Studien wurden in der Regel unter gegebenen Bedingungen, d. h. bei einem eher lehrerzentrierten Unterricht durchgeführt. Solche Befunde sind nicht ohne Weiteres übertragbar auf unzureichend repräsentierte Konzepte wie offener Unterricht.

3. Die öffentlich diskutierten Studien stammen vorrangig aus dem Sekundarbereich. Positive Effekte sind aber belegt für die Schulanfangszeit, besonders für Kinder mit ungünstigen Lernvoraussetzungen und bei einer Senkung unter 20 Kinder pro Gruppe. Vorteile der so geförderten Kinder konnten bis zum Ende der Schulzeit nachgewiesen werden. Gegenüber der Oberstufe hat eine Verringerung der Klassenstärken in der Grundschule deshalb Priorität.


4. Deutlich ist: Die Reduktion der Klassenstärke allein führt nicht automatisch zu einem veränderten Unterrichtstil. Sie sollte deshalb gebunden werden an die Vorlage eines entsprechenden Unterrichtskonzepts und dessen Umsetzung sollte gestützt werden durch eine entsprechende Fortbildung bzw. begleitende Beratung.

5. Oft wird zudem übersehen, wie bedeutsam die Größe des Klassenzimmers für das soziale Klima in der Lerngruppe, für die Konzentrationsfähigkeit der einzelnen Kinder und für eine aufgabenbezogene Ausstattung und Nutzung des Raumes ist.

6. Kosten-Nutzen-Vergleiche mit anderen Maßnahmen (z. B. Einsatz zusätzlicher HilfslehrerInnen) sprechen eher für eine Verkleinerung der Klassen. Dennoch sollten statt einer generellen Reduktion um 1-2 SchülerInnen problemorientiert flexible Lösungen gesucht werden, z. B. Konzentration der Ressourcen in besonders belasteten Schulen, Kombination von verschiedenen Gruppengrößen für verschiedene Zeiten in derselben Stammklasse sowie teilweise Doppelbesetzung.

Ausführlicher:
Brügelmann, H. (2005): Schule verstehen und gestalten – Perspektiven der Forschung auf Probleme von Erziehung und Unterricht. Libelle: CH-Lengwil (fortlaufend aktualisiert unter: www.agprim.uni-siegen.de/schuleverstehen ), Kap. 54 und 55.

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