| von Ernst Steinhoff | |
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| Eigentlich hatte ich keine guten Lehrer, wenn ich an meine eigene Schulzeit zurückdenke. In den Nachkriegsjahren (ich bin 1946 in Sulingen eingeschult worden) hatten wir Lehrer, die frustriert und durch Verletzungen geschädigt aus dem Krieg gekommen waren. Sie waren, da ihrer Ideale beraubt (die meisten von ihnen waren begeisterte Nazis gewesen) verbittert und enttäuscht. Manche waren bösartig, andere überaus streng zu uns, die meisten schlugen. Als ich 1952 auf das Gymnasium in Diepholz wechselte, war es dort nicht anders. Wenn ich mir heute ein Foto des Lehrerkollegiums von 1954 ansehe, fällt mir zu den meisten Lehrern eine Geschichte ein, die mit psychischer oder physischer Misshandlung von Schülern zu tun hat.
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| Trotzdem war es ein Lehrer, der dafür sorgte, dass ich diesen – von mir eigentlich gehassten – Beruf ergriff. In der Wirtschaftsoberschule in Bremen traf ich, als ich die 12. wiederholen mußte, auf Dr. Ramseger, den alle Schüler respektvoll den BOSS nannten. Für mich wurde er zum Glücksfall, denn er war der erste Lehrer, der sich meiner annahm. Vaterlos aufgewachsen, suchte ich Bezug zu meinen Lehrern, wurde aber stets zurückgewiesen. Der Boss erkannte meine Situation: meine schulischen Leistungen waren unterstützungsbedürftig, besonders, was die Wirtschaftsfächer anging und privat war ich, „auf Bude wohnend“, zumindest gefährdet, spielte ich doch in jener Zeit in einer Band, die auch im Hafengebiet auftrat. Er ordnete an, dass ich an bestimmten Tagen nachmittags bei Ramsegers zum Kaffee zu erscheinen hatte. Dabei spielte ich jedes Mal einige klassische Stücke auf dem Klavier, auf die sich Frau Ramseger nebst Tochter jedes Mal freuten. Anschließend gab mir der Boss Nachhilfeunterricht in BWL und VWL. Hatte ich eine Klassenarbeit „in den Sand gesetzt“, wurde ich vom Boss ins Kartenzimmer bestellt, wo er mir unter vier Augen „den Marsch blies“, wie er es nannte. Natürlich strengte ich mich danach an, schließlich wollte ich ihn nicht enttäuschen. Mit dieser Unterstützung baute ich ein anständiges Abi und folgte seinem Rat, Lehrer zu werden. In unserer Abizeitung stand dann auch: “Nun verlässt auch Ernst den Tross und so zu werden wie der Boss“. Aus dieser schulischen Verbindung wurde im Laufe der Jahre eine enge Freundschaft, die bis zu seinem Tod vor fünf Jahren Bestand hatte. Ich habe mich manchmal gefragt, was aus mir wohl geworden wäre, wenn ich den Boss als Lehrer, vor allem aber als Mensch, nicht kennengelernt hätte…..
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