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Publikationen BLZ BLZ Archiv BLZ November 2007 16.11.2007 Das Funkhaus von Radio Bremen ist ke... | ||||||
| 16.11.2007 Das Funkhaus von Radio Bremen ist keine Kirche, Radio Bremen ist kein christlicher Sender ... | ||||||
| von Ingrid Emmenecker und Frank Behrens, Mitglieder des Rundfunkrates von Radio Bremen (Vertreterin und Vertreter der Bremer Lehrerschaft) | ||||||||||||||
| Die erstaunte Öffentlichkeit wie auch die Mitglieder des Rundfunkrates erfuhren es aus der Zeitung: „Bischof weiht das Funkhaus“. Der Intendant von Radio Bremen, Heinz Glässgen, „in der katholischen Kirche stark verwurzelt“ (WK), kündigte an, dass am 25. November im neuen Gebäude ein ökumenischer Gottesdienst stattfinden solle. Hermann Kuhn (Bündnis 90/Die Grünen und Rundfunkratsmitglied) schrieb in einem offenen Brief: Der Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist ausdrücklich nicht konfessionell oder religiös gebunden. In einem Leserbrief im WK fragte Prof. Dr. Jürgen Lott (Religionswissenschaftler mit dem Schwerpunkt Religionspädagogik an der Uni Bremen): Wie verträgt sich das mit der im Rundfunkgesetz geforderten Neutralität? Wie mit der Integrationspolitik des Landes? Radio Bremen als Hofschranze der christlichen Kirchen? Und weiter fragt er: Ist die Grundstimmung der Bürger „Wir sind Papst?“ Dann ist auch der Versuch der Kirchen konsequent, den „konfessionell nicht gebundenen Unterricht in Biblischer Geschichte auf allgemeiner christlicher Grundlage“ (Artikel 32 BLV) zum christlichen Bekenntnisunterricht weiterzuentwickeln. Aber siehe da, ein großer Teil der Bevölkerung zeigte sich empört. Und etliche Mitglieder des Rundfunkrates forderten, dass die Entscheidung im Funkhaus eines Gottesdienst zu veranstalten, zurückgenommen werden müsse, andernfalls müsse eine Sondersitzung stattfinden. Am 17. Oktober erfuhren wir dann aus der Presse, dass die Kirchen sich nun entschieden haben, den Gottesdienst aus der Nachbarschaft des Funkhauses, aus der Stephani-Kirche zu übertragen. Wir drucken einen der Offenen Briefe an den Intendanten von Radio Bremen ab. |
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| Offener Brief an den Intendanten von Radio Bremen, Herrn Professor Dr. Heinz Glässgen | ||||||||||||||
| Bremen, den 17.10 2007 Sehr geehrter Herr Glässgen, Mit großem Erstaunen haben wir den Bremer Tageszeitungen entnommen, dass Sie gedenken, das neue Gebäude von Radio Bremen mit einem ökumenischen Gottes-dienst einzuweihen. Trotz allem Respekt vor den Kirchen halten wir als Bürger dieser Stadt dieses Ansehen für äußerst problematisch. Schon lange vor der französischen Revolution hatten die Bremer ein auch heutigen Standards genügendes säkulares Gemeinwesen, in dem Politik und öffentliches Leben einerseits und Kirche getrennt sind. Auch der Bremer Roland, der 1480 eingeweiht wurde und der seitdem mit bewusstem Blick auf den Dom als Symbol der Kirche die politische Hegemonie des Bürgertums in Bremen unterstreicht, steht für die Bremer Tradition eines säkularistischen Gemeinwesens. Auf diese lange zivilgesellschaftliche Tradition sind wir Bremer zu Recht stolz. Sie ist Teil unserer hansestädtischen Identität. So heißt es im Artikel 59 der Bremer Landesverfassung: "Die Kirchen und Religionsgesellschaften sind vom Staate getrennt." Es ist uns bekannt, dass ein Unterschied zwischen "Staat" und "Körperschaften des öffentlichen Rechts" besteht und dass dieser Artikel deswegen nicht zwingend für Radio Bremen ist. Er beschreibt jedoch einen Grundwert des hansestädtischen öffentlichen Lebens. Radio Bremen ist kein privatwirtschaftliches Unternehmen, sondern eine öffentlich-rechtliche Institution, die aus Steuergeldern und Rundfunkgebühren der Bürger dieser Stadt finanziert wird. Als lokaler Sender hat sie die Aufgabe, die Bremer Bürger zu informieren und den Informationsfluss und Meinungsaustausch zu organisieren. Aus diesem Grunde sollte die Institution sich erstens der traditionellen Leitkultur dieses Bundeslandes verpflichtet fühlen und zweitens gleichberechtigt alle gesellschaftlichen Kräfte dieser Stadt repräsentieren, wobei sie sich selber politisch und konfessionell neutral zu verhalten hat. Es ist sicherlich zu begrüßen, wenn die Kirchen, neben anderen gesellschaftlichen Gruppen als Teil des Bremer Gemeinwesens an der Eröffnung teilnehmen, es ist aber nicht einzusehen, warum die Eröffnung mit einem ökumenischen Gottesdienst in einem öffentlich-rechtlichen Gebäude stattfinden soll. Dann könnte man genauso gut fragen, warum sie keine Vertreter der jüdischen Gemeinden oder der Moscheen in einen solchen Gottesdienst einbeziehen. Immerhin leben in Bremen inzwischen mehr muslimische als katholische Mitbürger. Abgesehen davon, gibt es einen beträchtlichen Anteil konfessionsloser Mitmenschen, die sich durch die kirchliche Einsegnung eines öffentlichen Gebäudes brüskiert fühlen. Wir möchten Sie deswegen bitten, von dem Gottesdienst in den Räumen der Sendeanstalt Abstand zu nehmen und die Eröffnung des neuen Sendehauses gemeinsam mit Vertretern aller Bremer Bürger zu feiern, so wie es beispielsweise die Volkshochschule zuvor ja auch in vorbildlicher Form geleistet hat. Mit freundlichen Grüßen Ivesa Lübben Elke Scherner | ||||||||||||||