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Publikationen BLZ BLZ Archiv BLZ Januar 2007 20.01.2007 Chronik Sozialabbau 2006 (Fortsetzung) | ||||||
| 20.01.2007 Chronik Sozialabbau 2006 (Fortsetzung) | ||||||
| von Tilo Gräser (Volkssolidarität Bundesverband e.V.) | ![]() | |||||||||
| 18. August - In Nordrhein-Westfalen hat sich die Zahl der in Armut lebenden Kinder in den letzten zwei Jahren auf 540.000 verdoppelt, meldet der Evangelische Pressedienst (epd). Der AWO-Bezirksverband Niederrhein macht darauf aufmerksam, dass laut Statistischem Bundesamt derzeit die monatlichen Kosten für ein Kind 570 Euro betragen, der Hartz-IV-Regelsatz für ein Kind aber nur bei 207 Euro im Monat liege. 20. August - Fast jedes vierte Kind in Hamburg ist von Armut betroffen, stellt die Welt am Sonntag fest. Danach lebten knapp 52.000 Kinder in der Hansestadt im Juni von Hartz IV und gelten nach einer Definition des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes als arm. Das seien 23 Prozent aller unter 15-Jährigen. Noch im vergangenen Jahr lag die Quote bei 20,4 Prozent, schon damals deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 13,4 Prozent. 23. August - 64.000 Kinder unter 15 Jahren leben in Schleswig-Holstein auf dem Niveau der Sozialhilfe. Die Ursachen sind bundesweit einheitlich: Das Armutsrisiko konzentriert sich verstärkt auf Kinder von Eltern, die von ALG II, Sozialgeld oder Sozialhilfe leben, auf Kinder allein Erziehender und Kinder in Migrantenfamilien. - Radikale Einschnitte bei Sozialleistungen für Frauen fordert der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Wend. Die Witwenrente müsse gekürzt und die freie Kranken-Mitversicherung für Ehefrauen abgeschafft werden, sagt er einer Zeitung. - Der frühere Bundesarbeitsminister Walter Riester (SPD) schlägt vor, für die Rente sollten die Deutschen auf ein neues Auto verzichten. 12. September - Kinder aus unteren sozialen Schichten haben in der Bundesrepublik weit weniger gute Chancen auf Bildungserfolg als andere Kinder. Das ergab eine aktuelle Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Die Wahrscheinlichkeit, dass ein sozial schwaches Kind Schwierigkeiten mit Mathematik hat, sei demnach 4,6 Mal größer als für Kinder aus der Oberschicht. 13. September - Laut „Datenreport 2006“ des Statistischen Bundesamtes ist das durchschnittliche reale Haushaltsnettoeinkommen der privaten Haushalte 2005 mit 1298 Euro um 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Bereits 2004 war ein Rückgang von 1,1 Prozent zu verzeichnen. Dem Report zufolge hat sich die Zahl der in Armut Lebenden erhöht. Im Jahr 2005 lebten 10,6 Prozent der Bevölkerung in Armut, 1997 waren es 7,9 Prozent gewesen. Als arm gilt, wer weniger als 50 Prozent des durchschnittlichen Einkommens zur Verfügung hat. Nach EU-Norm - weniger als 60 Prozent - liegt die Armutsquote sogar bei 13,2 Prozent. 23,8 Prozent der Bevölkerung lebt dem Report zufolge im Zustand des prekären Wohlstandes, der sich jederzeit verflüchtigen kann. Mehr als ein Drittel der deutschen Bevölkerung (34,4 Prozent) lebt somit in ungesicherten Lebenslagen. 21. September - Die 15. „Shell-Jugendstudie“ macht auf zunehmende Zukunftsangst bei Jugendlichen bis 25 Jahre aufmerksam. 42 Prozent der Befragten sehen ihre Zukunft „eher gemischt“ und acht Prozent „eher düster“. In der vorhergehenden Studie 2002 blickten 56 Prozent zuversichtlicher, 37 Prozent mit gemischten Gefühlen und sechs Prozent düster in die Zukunft. Eine übergroße Mehrheit (69 Prozent der Jugendlichen - 2002: 55 Prozent) befürchtet, den Job zu verlieren. | 25. September - Kinder aus sozial benachteiligten Elternhäusern leiden unter größeren gesundheitlichen Risiken als Kinder aus wohlhabenden Familien, so eine Studie des Robert-Koch-Institutes, für die seit 2003 mehr als 17.000 Kinder und Jugendliche untersucht wurden. „Diese Schicht hat alle Nachteile auf einmal“, bilanzierte Studienleiterin Bärbel-Maria Kurth. 26. September - Immer weniger junge Hochschulabsolventen in Deutschland finden nach ihrem Abschluss eine Stelle. Statistiken darüber, wie viele es genau sind, gibt es bisher nicht. Die Arte-Dokumentation „Ewig Praktikant - Eine Generation in der Warteschleife berichtet über den Germanisten Florian Lamp. Trotz zügig absolviertem Studium, Einserexamen und Auslandserfahrung fand er bisher keinen bezahlten Job. Er hangelt sich von einem Praktikum zum nächsten, oft unbezahlt. Ein Arbeitsangebot wurde kurz vor Tätigkeitsbeginn wieder zurückgezogen. 4. Oktober - Rund 400.000 betriebliche Ausbildungsstellen wurden laut der Gewerkschaft ver.di in diesem Jahr angeboten für etwa 700.000 Jugendliche, von denen viele schon länger als ein Jahr eine Lehrstelle suchen. Nach ver.di-Angaben haben deutsche Unternehmen in den letzten fünf Jahren etwa 100.000 betriebliche Ausbildungsstellen gestrichen. 11. Oktober - In Mecklenburg-Vorpommern leben 55.764 Kinder unter 15 Jahren unterhalb der Armutsgrenze. Ihr Bevölkerungsanteil von 20,1 Prozent liegt über dem Bundesdurchschnitt von 16,4 Prozent. Das geht aus dem Entwurf für einen Armuts- und Reichtumsbericht des Landes hervor, über den die Schweriner Volkszeitung berichtet. Die Armutsgrenze liegt für Einzelpersonen bei einem Nettoeinkommen von 938 Euro, für Familien mit zwei Kindern bei 1499 Euro. 8. November - In Thüringen leben deutlich mehr Kinder in Armut als im Bundesschnitt. Nach Berechnungen des Thüringer Kinderschutzbundes sind im Freistaat mittlerweile 68.000 Kinder von Sozialgeld, Sozialhilfe oder ähnlichen staatlichen Leistungen abhängig, das sind 25,5 Prozent, also jedes vierte Kind - ein Anstieg um 8,5 Prozent in nur einem Jahr. Die Folgen für die Kinder sind laut Kinderschutzbund gravierend: Sie verzichten auf Kindergeburtstage, Klassenfahrten, Kino aber auch auf Vereinszugehörigkeit. Soziale Bindungen gehen in die Brüche: 8,5 Prozent der armen Kinder geben an, keinen Freund oder Freundin zu haben, bei reichen Familien nur 2,7 Prozent. 13. November - Seit Einführung von Hartz IV in der Bundesrepublik hat sich die soziale Situation nachdrücklich geändert, schreibt das Internet-Magazin Telepolis: 1,89 Millionen Kinder unter 15 Jahren leben mittlerweile in Hartz-IV-Haushalten. Ein Drittel der unter Dreijährigen, die Hälfte der Alleinerziehenden sowie ein Viertel der Paare mit drei und mehr Kindern leben in Armut, so die Bilanz. |
Chronik Teil 1 | ||||||||