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16.05.2007 Bremer Bildungspolitik: extrem unübersichtlich

von Jochen Ströh
Im Mittelpunkt dieses Berichts steht das SZ II an der Alwin-Lonke-Str., das Aufstieg und Niedergang der Bremer Bildungspolitik hautnah miterlebt hat. Es entstand nach dem Warnruf des Deutschen Bildungsrates 1972 über den Bildungsnotstand in Deutschland. Grundlage war der damals neue Bremer Schulentwicklungsplan zur Horizontalisierung und Integration der Schulen. Das althergebrachte Gymnasium sollte in der Sek. I und Sek. II mit anderen Schultypen verschmolzen werden. Das bedeutete für uns, ein ganz neues Profil zu entwickeln, in dem

  1. die Teilzeitberufsschule für das Baugewerbe mit Überbetrieblicher Ausbildungsstelle (ÜAS) mit Abschluss Gesellenprüfung,
  2. die Gymnasiale Oberstufe mit Abschluss Abitur und
  3. die Vollzeitberufschule mit Abschluss Fachhochschulreife und diversen anderen Qualifikationen und Abschlüssen

unter einem Dach zusammengefasst werden sollten.
Das Konzept: Integration von Theorie (allgemeiner Bildung) und Praxis (beruflicher Bildung).

Seitenabschnitte:
Durchlässigkeit der Bildungsgänge
1990 - Beginn der regiden Kürzungspolitik
Neoliberaler Trend
Der Eindruck eines „Neuen“

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Durchlässigkeit der Bildungsgänge

Das bedeutete Zusammenarbeit auf der Ebene einer gemeinsamen Schulleitung, eines gemeinsamen Finanztopfs, eines abteilungsübergreifenden Lehrereinsatzes und sozialer Integration unterschiedlicher Schülerpopulationen. Inhaltlich und strukturell wirkte sich diese intensive Zusammenarbeit von Berufschul- und GymnasiallehrerInnen sehr kreativ auf Lehrpläne, Unterrichtskonzepte, Wahlpflichtbereiche und Arbeitsgemeinschaften aus. Die Durchlässigkeit der Bildungsgänge erlaubt den Schülern bis heute einen relativ leichten Schullaufbahnwechsel und damit ein Ausschöpfen und Fördern ihrer Fähigkeiten.
Trotz der vielen Möglichkeiten (Ausrüstung mit Medien und Material, Werkhallen, Labors und Bibliothek), die das Schulzentrum auch für die GyO bot insbesondere für unsere Schwerpunkt-LKs Kunst und Bautechnik, waren wir kein „richtiges Gymnasium“, was wir - mit Verlaub - auch nie sein wollten.
Im Laufe der 80ger Jahre konnten wir uns im Konzert der GyOs gut behaupten trotz aller bildungspolitischen und finanziellen Schwierigkeiten (die Reformen blieben auf halbem Wege stecken, Kürzungen wurden vorgenommen). Zeitweilig mussten wir sogar Schüler an andere Zentren abgeben, solange es noch staatlich festgesetzte und eingehaltene (!) Obergrenzen für Schüleranwahlen gab. Wir verloren unseren LK Sport, um die Attraktivität anderer SZ zu steigern. Höhepunkt war, wenn man denn eine von der Jugendzeitschrift Prinz 1985 durchgeführte Schülerabstimmung ernst nehmen will, unsere Wahl zur besten Bremer Schule. Im übrigen haben wir bis heute viele Auszeichnungen für unsere erfolgreiche Arbeit in den verschiedenen Abteilungen erhalten.

1990 - Beginn der regiden Kürzungspolitik

Unsere Situation verschlechterte sich mit der Wende (1990) und den damit verbundenen Veränderungen des gesellschaftlichen Kräfteverhältnisses, deutlich sichtbar in der Politik der SPD und der Verabschiedung eines neuen Bildungsgesetzes, das uns wieder in die Zeit vor 1972 zurückkatapultierte. Der Neoliberalismus schlug auch im Bildungsbereich zu. Unter den Bedingungen der systematischen Verarmung der Gemeinden sieht Bremens Bildungspolitik widersprüchlicher denn je aus, worunter unser SZ extrem zu leiden hat. Einerseits werden der Bildungsbehörde durch den Bremer Rechnungshof weitere Kürzungen vorgeschrieben. In seiner Modellrechnung geht er von nur noch 4(!) statt bisher 17 GyO-Standorten aus mit je 1.500 Schüler pro Standort. Die rechnerische Kursobergrenze von 33(!)Schülern würde die durchschnittliche Kursfrequenz von bisher 25 auf 28.9 Schüler erhöhen. Es entfielen rund 2.750 Lehrerwochenstunden und die Ausgaben würden sich so um rund 5.5 Mio. Euro jährlich verringern. Das ist fast ein Drittel der Ausgaben für die Unterrichtsversorgung in der allgemeinbildenden GyO. Um das Bild zu vervollständigen, ist jedoch andererseits die politische Forderung der CDU nach durchgängigen Gymnasien zu beachten, die den Kürzungsforderungen des Rechnungshofes durchaus zuwiderlaufen. GyOs der durchgängigen Gymnasien sind viel kleiner als die vom Rechnungshof errechneten 4 GyOs für die gesamte Stadtgemeinde. Bei konsequenter Durchsetzung der Modellrechnung würden die durchgängigen Gymnasien ihre Oberstufen verlieren. Das will die CDU nicht, im Gegenteil! Die Regierung sieht sich also in dem Dilemma einerseits einsparen zu müssen und das will sie auch, indem sie GyO- Zentren schließt, andererseits ist sie aber bereit bei kostspieligen durchgängigen Gymnasien wieder draufzuzahlen (vielleicht an der Bördestr.?). Trotz Kürzungsdruck und OECD-Kritik ist die CDU offensichtlich in der Lage, ihre Bildungspolitik in Bremen durchzusetzen.

Neoliberaler Trend

Was passiert mit uns? Wo bleibt die nötige Planungssicherheit im Hinblick auf die Entwicklung unserer Schule? Obergrenzen bei Anwahlen werden nicht mehr eingehalten. Seit Jahren werden aus bestimmten politischen Kreisen gezielt Schließungsgerüchte in der Öffentlichkeit lanciert. Über 3 Jahre lebte unser SZ ohne einen Gesamtleiter. (Der alte Schulleiter ging in Rente, ohne behördlicherseits eine geeignete Nachfolge sicherzustellen.) Kein Wunder, dass die Anwahlen zurückgehen. Im gegenwärtigen neoliberalen Trend, der von Wettbewerb, Effizienz, Input-Output geprägt ist, ist soziale Integration zwar mehr denn je notwendig, doch für das demokratisch-soziale Lernen fehlt die staatliche Unterstützung, weil angeblich kein Geld mehr dafür da ist.

Den Senator scheint das gleichgültig zu lassen. Er hofft wohl, dass sich das „Problem Alwin-Lonke-Str.“ von selbst erledigt. Das erfüllt uns mit Bitterkeit. Ohne eine Wende in der Bremer Bildungspolitik bleibt uns nur, für die Erweiterung der FOS zur FOS-O (mit Abitur) und die Einrichtung eines beruflichen Gymnasiums zu kämpfen. Die geeigneten Voraussetzungen (Werkstätten, Fachpersonal) wären dafür vorhanden.

Der Eindruck eines „Neuen“

„Seit Februar 2007 bin ich offiziell auf dem „leckgeschlagenen Dampfer“ der GyO des SZ a.d. Alwin-Lonke-Str. Als ausgebildeter Gy-Lehrer war ich zunächst äußerst skeptisch, was meinen vorgesehenen Einsatz auch in den berufsbildenden Zweigen betraf. Meine Aufnahme im Kollegium, von dem die Mehrzahl schulzweigübergreifend eingesetzt ist, war aber derart herzlich und die Unterstützung für meinen Unterricht so umfangreich, dass die Stunden in den Berufsschulklassen waren so spannend und lehrreich für mich, dass ich meine Vorbehalte schnell überwand. Mich hat das Konzept des schulzweigübergreifenden Lehrereinsatzes und des damit verbundenen abwechslungsreichen Schulalltags für Schüler und Lehrer inzwischen restlos überzeugt - nicht nur, weil ich selbst neue Erfahrungen mache, sondern gerade auch, weil die sonst so säuberlich getrennte Schülerklientel hier in offenen Umgang mit- und voneinander lernen kann.

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