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Publikationen BLZ BLZ Archiv BLZ September 2008 16.09.2008 Binnendifferenzierung in Englisch in... | ||||||
| 16.09.2008 Binnendifferenzierung in Englisch in den oberen Klassen der Sekundarstufe I | ||||||
| – ja geht denn das? Und wie? von Wolfram Sailer | ||||||||||||||
| Gegenwärtig spielt in den bildungspolitischen Diskussionen die Frage der Integration der unterschiedlich leistungsfähigen Schülerinnen und Schüler eine große Rolle. PISA hat deutlich gemacht, dass in allen Schularten, von der Hauptschule bis zum Gymnasium, unterschiedlich leistungsfähige Schülerinnen und Schüler in denselben Klassen sitzen und mit nur einem Angebot für alle Lernenden in einer Klasse – immer noch der Regelfall im lehrkraftzentrierten Unterricht - die optimale Förderung jedes Einzelnen nicht zu erreichen ist. |
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| Gleichzeitig wird gegenwärtig in Bremen mehr Integration der Schularten diskutiert. Es steht einer demokratischen Gesellschaft gut an, dass alle Kinder eines Stadtteils eine gemeinsame Grundbildung erfahren und gemeinsam lernen. Die GEW vertritt seit langem die bildungspolitische Forderung nach integriertem Lernen und in einigen Schulen ist sie in Bremen auch umgesetzt – in der Gesamtschule Bremen-Mitte (GSM) seit nunmehr 20 Jahren. Wie diese Integration dann aber in den Fächern und in der Praxis des Unterrichts vor sich gehen soll, wirft viele Fragen auf. Selbst an der Gesamtschule Mitte gab es anfangs v.a. unter den Englischlehrkräften immer wieder Diskussionen darüber, wie man den unterschiedlich leistungsfähigen Schülerinnen und Schülern ein Lernangebot machen kann, das zugleich die Leistungsstarken nicht unterfordert und dennoch für diejenigen, die in Englisch leistungsschwach sind, nicht eine Überforderung darstellt. Ich selbst habe in den nunmehr annähernd dreißig Jahren, in denen ich Englisch unterrichte, immer heterogen zusammen gesetzte Lerngruppen unterrichtet. Im Unterricht mit Erwachsenen im Weiterbildungsbereich und an der Universität ist es sowieso klar, dass die Voraussetzungen völlig unterschiedlich sind. Daher war es für mich auch keine Frage, dass auch im schulischen Bereich ein Arbeiten mit heterogenen Lerngruppen möglich und sinnvoll ist. Voraussetzung dafür ist allerdings ein Englischunterricht, der die Verschiedenheit der Schülerinnen und Schüler als Chance begreift. Wenn man sich das Wissensgefälle in der Klasse zunutze macht und leistungsstärkere Schülerinnen und Schüler beispielsweise in einer Tischgruppe den Auftrag gibt, mit den leistungsschwächeren an gemeinsamen Aufgaben zu arbeiten, ist für beide Seiten etwas erreicht: der Leistungsstärkere durchdringt, was er erklärt, auf Englisch darstellt, beschreibt, ganz anders, als wenn er dasselbe für seinen Lehrer oder seine Lehrerin darbietet, und der Leistungsschwächere wird in die Lage versetzt, von einem gleichaltrigen Mitlernenden etwas zu erfahren und sich mit ihm zu unterhalten – ganz andere Lernerfahrungen, als Regelwissen von seinem Lehrer mitgeteilt zu bekommen. Dazu müssen die gestellten Aufgaben aber bedeutsam, herausfordernd und authentisch sein. Und die Lernenden müssen in Methoden der Gruppenarbeit und in der Präsentation von Arbeitsergebnissen geschult sein – nicht nur im Fach Englisch, sondern in allen Fächern, die sie an der Schule lernen. Ein zwischen den Fächern abgestimmtes Methodencurriculum in den Grund-schulen und den unteren Klassen der Sek I ist deshalb eine notwendige Voraussetzung für ein solches Arbeiten am Ende der gemeinsamen Schulzeit. Inzwischen gibt es in allen in der Sek I eingesetzten Lehrbüchern ausreichend Aufgaben, die in Gruppenarbeit erledigt werden – sie werden nur häufig nicht eingesetzt, weil die Lehrkraft befürchtet, dass fehlende Kontrolle über Sprachrichtigkeit und Aussprache zum Einschleifen von Fehlern führen. Meine Erfahrung ist anders – Kontrollverlust der Lehrkraft führt in der Regel zu Sprachgewinn, übrigens auch Gewinn an aktiver Sprechzeit, für die Lernenden. | ||||||||||||||
| Die Aufgaben der Lernenden sollten in sich die Möglichkeit der leistungsdifferenten Bearbei-tung enthalten. Wenn wir in meinen Klassen ab der 6. oder 7. Klasse bis hoch zur 10 Klasse längere Texte oder ganze Bücher auf Englisch lesen, arbeiten meine Lernenden mit reading logs, Lesetagebüchern, in denen sie unterschiedlich schwere Aufgaben bearbeiten. (Ein Beispiel unter: http://www.learn-line.nrw.de/angebote/eps2/dossier-beispiele.html) Dazu kann ein Bild einer Person oder eines Schauplatzes ebenso gehören wie ein Comic, eine Nacherzählung ebenso wie eine mind map. So können Lernende auf unterschiedlichen Leis-tungsniveaus ihre Aufgaben erfüllen. Allerdings ist darauf zu achten, dass nicht immer dieselben Lernenden die selben einfachen und kurzen Aufgaben erledigen. Kriterien der Aufgabenerfüllung (Rechtzeitigkeit der Abgabe, saubere äußere Form, inhaltliche Anforderungen etc.) gebe ich vorher an – sie sind Grundlage der Bewertung. Ganz andere Möglichkeiten für differenzierendes Arbeiten bietet das Internet. Von der Ausstattung des Selbstlernzentrums des Fremdsprachenzentrums der Hochschulen können Schulen nur träumen – aber selbst ein Computerlabor mit Internetzugang bietet die Möglichkeit von leistungsdifferentem Grammatiklernen, am besten in Partnerarbeit mit Teams auf unterschiedlichen Leistungsniveaus. Aber auch die Möglichkeiten von E-Mail-Projekten sollten unbedingt genutzt werden. (http://www.englisch.schule.de/email.htm) Es gibt viele Möglichkeiten, binnendifferenziert auch in den oberen Klassen der Sek I zu arbeiten. Es kommt, wie immer, darauf an, es zu beginnen. | ||||||||||||||
| Der Autor: | ||||||||||||||
| Dr. Wolfram Sailer ist Lehrer an der GSM und am Fremdsprachenzentrum der Hochschulen Bremen. Er war bis zum Ende des letzten Schuljahres Fachdidaktischer Berater Englisch Sek I am LIS und ist dort u.a. für die Einführung des Europäischen Portfolios der Sprachen an den Schulen zuständig. Er arbeitet am „runden tisch sprachen bremen“ mit. | ||||||||||||||