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11.11.2005 Bildungsgewerkschaft fordert die Abkehr von der Selektionsphilosophie

Die bremische Bildungspolitik befindet sich weiter auf dem falschen Kurs. Einfachste Schlussfolgerungen, wie zuallererst die Abkehr von der fatalen Kürzungspolitik und der Hinwendung zu mehr Integration in allen Bildungsbereichen, werden nicht gezogen...
Zu der aktuellen Bürgerschaftsdebatte um die Konsequenzen aus PISA erklärt der GEW-Landesvorstandssprecher Christian Gloede-Noweck:

Zensuren ab Klasse 3, Kürzung von Förderstunden, der Übergang von Sekundarschule zum Gymnasium wurde erschwert, Arbeitsverdichtung und Lehrerstellenabbau sowie Stärkung der Schulleitungen gegenüber den Kollegien sind alles Maßnahmen, die den Druck auf Schüler und Lehrer erhöhen, aber nicht die Lehr- und Lernmotivation. Statt qualitativem Ausbau von Gesamt- und Ganztagsgrundschulen werden lediglich ein umfangreiches Bauprogramm und Billiglösungen im Personalbereich realisiert. Die Arbeitsbedingungen in den Gesamtschulen wurden z.B. nach der PISA-Testung weiter verschlechtert durch Erhöhung der Klassenfrequenz und der Unterrichtsverpflichtung, kritisiert die GEW.

Bremen stehe nicht nur in den PISA-Tabellen am Ende, auch im Bereich der Ausgaben für die frühe Bildung. Hier nach vorne zu kommen, sollte eine Ehre für den Senat sein.

Die angebliche demografische Entwicklung wird zur Schließung von Schulen und Kitas, nicht zur Verkleinerung der Lerngruppen genutzt. Dies sei aber beispielsweise eine Chance, Qualität zu verbessern, zumindest in „sozialen Brennpunkten“, wo Armut und drohender Zwangsumzug Entwicklungs- und Lernmöglichkeiten junger Menschen maßgeblich beeinträchtigen, so der GEW-Sprecher weiter. Bildungsförderung müsse von Anfang an stattfinden. Ein Ausbau auch hochqualifizierter Tagesbetreuung für unter 3-jährige sei unerlässlich.

Besonderes Augenmerk sei auf die zukünftige Förderung von behinderten und von Behinderung bedrohter Kinder in den Kitas zu richten. Nur noch in einem Drittel aller bremischen Kitas sollen sog. Integrationskinder gem. einer Deputationsvorlage gefördert werden. Mit den vorgesehen Maßnahmen sollen Sondereinrichtungen wieder hoffähig gemacht, letztlich Kinder wieder ausgegrenzt werden. Insbesondere Kindern mit schwer diagnostizierbaren Entwicklungsrückständen und Verhaltensauffälligkeiten werden notwendige Fördermaßnahmen zukünftig vorenthalten, befürchtet die Bildungsgewerkschaft. Dies sei eine Absage an eine allgemeine und integrative Pädagogik. Die lediglich für diese „Sondereinrichtungen“ vorgesehen erhöhte Grundausstattung gelte es für alle Kitas durchzusetzen; dann könne perspektivisch auch von einem Rückgang von „Förderkindern“ ausgegangen werden.
Alle anderen „Bemühungen“ konterkarierten ein integratives System.


Christian Gloede-Noweck,
Landesvorstandssprecher

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