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16.12.2006 Bilderbuch und Lesevorbild

Eine Brücke zur Welt der Literatur
von Matthias Duderstadt und Jochen Hering
Das Bilderbuch ist vertraut als Brücke zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit, zwi-schen zuhören und selbst lesen. Manche Autoren sprechen vom Bilderbuch als ei-nem Schaukelstuhl. Mit dem Bilderbuch beginnt der Eintritt in die Welt der Literatur oder, schlichter gesagt, Freude am Hören und Betrachten und allmählichem Mitlesen von Geschichten beginnt.
(Vgl. ausführlich hierzu die Nr. 1 der Zeitschrift „Kind-Bild-Buch“, einzusehen im Netz unter
http://www.deutschdidaktik-primar.uni-bremen.de/html/bibf.html)

Bilderbücher in der Elementarpädagogik, das bedeutet vor allem vorlesen. Da geht es einmal um praktisch-leibliche Fähigkeiten: Beim Vorlesen bin ich selbst – mit Stimme, Gestik und Mimik, mit meiner inneren Anteilnahme (Empathie), meiner Lust an einer komischen Situation, letztlich natürlich auch mit meinem Kindsein (verstan-den als Fähigkeit, trotz Altersunterschied etwas mit Kindern lebendig zu teilen) – das „Werkzeug“, das ein Buch, eine Geschichte zum Leben erweckt. Eine Grundlage hierfür ist die Freude an Literatur für Kinder, worin die Fähigkeit versteckt ist, die Sicht von Kindern auf die Welt zu teilen.
Wer regelmäßig vorliest, braucht außerdem einen Fundus an Bilderbüchern. Wer nur drei oder vier Bilderbücher kennt, wird nur schwer mit Literatur auf Fragen, Interes-sen, Ängste von Kindern antworten können, um ihnen so lebendig die Bedeutung von Literatur als Gesprächspartner vor Augen zu führen.
Wer regelmäßig vorliest und sich allmählich einen umfangreichen Fundus an Bilderbuchliteratur aneignet, wird außerdem zunehmend genauer auf Texte und Bilder ach-ten und hat so die Möglichkeit, im Vergleich Gelungenes und weniger Gelungenes zu unterscheiden.

Jochen HeringMatthias Duderstadt

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Seitenabschnitte:
Bilderbücher in der Ausbildung
Weitere Ziele des BIBF sind

Bilderbücher in der Ausbildung

Kinder aus bildungsfernen Haushalten, in denen der Umgang mit Literatur nicht le-bendig in den Alltag eingebunden ist (Vorlesen, selbst erfundene Geschichten erzäh-len, Gespräche über Bücher), unterscheiden sich - was Lesedauer und Lesefreude betrifft - deutlich von Kindern höherer Bildungsschichten. Lesefreude ist wiederum eine wesentliche Grundlage für zukünftiges Lesen und damit (indirekt) auch Grundla-ge für den späteren Schulerfolg. Dem Kindergarten und der Schule kommt daher be-sonders für Kinder bildungsferner Schichten - eine wichtige ausgleichende Funktion zu.
Dies braucht aber ErzieherInnen und LehrerInnen, die selbst über Lesefreude und einen literarischen Fundus an Bilderbüchern verfügen. Bei einer Befragung von 72 Bacherlor-Studierenden aus dem Wintersemester 2005/2006 hat sich aber gezeigt:
Annähernd ein Drittel beginnt sein Studium mit einem unzureichenden literarischen Fundus an Kinder- und Jugendliteratur. Etwa ein Sechstel der Studierenden hat so etwas wie alltägliche Freude am Umgang mit Literatur in der eigenen Kindheit nicht erlebt.
( Vgl. dazu ausführlich:
http://www.deutschdidaktik-primar.uni-bremen.de/html/bibf.html

Eine Konsequenz daraus besteht darin, Studierende in der universitären Ausbildung dazu anzuregen, sich als Grundlage für die Arbeit mit Literatur in Kindergarten und Grundschule einen umfassenden literarischen Fundus anzueignen.
Das ist eine der elementaren Aufgaben, die sich das Bremer Institut für Bilderbuch-forschung (BIBF) zum Ziel gesetzt hat.



Weitere Ziele des BIBF sind

  • in gemeinsamer Arbeit mit Studierenden, ErzieherInnen und LehrerInnen Quali-tätskriterien zur Auswahl geeigneter Bücher zu entwickeln;
  • ein breit gefächertes Methodenrepertoire (kreatives Schreiben, szenisches Spiel, eigene Bildgestaltung, Produktion eigener Bilderbücher) zur Arbeit mit Bilderbü-chern zu erarbeiten;
  • auf universitärer Ebene im Sinne innovativer Lehre Studierende zu praxisorien-tierten Forschungsarbeiten zum Thema Bilderbuch anzuregen; gemeinsam mit Studierenden Fortbildungsveranstaltungen anzubieten;
  • Forschungsprojekte anzuregen und zu begleiten, die in besonderer Weise Mög-lichkeiten des Bilderbuchs als Medium der Förderung von Kindern aus bildungs-fernen Elternhäusern untersuchen.

Die Zeitschrift „Kind-Bild-Buch“ berichtet regelmäßig aus der Arbeit unseres Institutes.
Wer Lust hat, dort aus seiner Arbeit mit Bilderbüchern in Kindergarten, Schule oder Hochschule zu berichten, ist herzlich dazu eingeladen.
Zuschriften bitte an: E-Mail-Adresse

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