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Publikationen BLZ BLZ Archiv BLZ Juli/August 2007 16.07.2007 Anschlussorientiert | ||||||
| 16.07.2007 Anschlussorientiert | ||||||
| Schule geht auf Arbeitswelt zu von Barbara Leysieffer | ||||||||||||||||||||||
| Ab 08/09 ersetzt das Profil `Erweiterte Berufsbildungsreife´ (BB) in Klasse 9 und 10 die Hauptschule. Ihr Markenzeichen: Die einjährige Praxisphase -ein Praktikumstag mit Folgen für den Unterricht (Profil A) oder aber: Unterricht an der Berufsschule (Profil B). Ziel ist die bessere Vermittelbarkeit von Hauptschülern in eine qualifizierte Berufsausbildung. Bundesweit bekommen nur 15% der Hauptschüler einen Ausbildungsplatz im Betrieb. Und nicht jede/r beendet die Ausbildung erfolgreich (Anmerkung 1). Das heißt, über 85% der Hauptschüler/innen werden nach der Schule erst mal nicht bzw. nicht erfolgreich betrieblich ausgebildet. Bei den Sonderschüler/innen sind es noch weniger. Das ist der Skandal. Dem versuchen die Bremer Bildungsplaner nun entgegenzusteuern, indem sie die Hauptschüler erst nach Klasse 8 aussondern und zudem den Schulen generell eine viel früher einsetzende und nachhaltigere Orientierung auf die Berufs- und Arbeitswelt verordnen. „Wenn die Schüler, die von der Schule abgehen, gar nicht da landen, wofür sie die Schule laut Zeugnis qualifiziert hat, dann ist etwas nicht in Ordnung“, so Matthias Feuser von der Bremer Bildungsbehörde. „Die Schule muss anschlussorientiert werden statt wie bisher nur abschlussorientiert.“ |
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| Berufsperspektive permanent im Blick | ||||||||||||||||||||||
| Nicht nur in dem eigenständigen Fach WAT (Anmerkung 2) ab Klasse 5 – egal ob Sekundarschule oder Gymnasium -, auch in den anderen Fächern soll die Berufs- und Arbeitswelt schon frühzeitig thematisiert werden - im Idealfall fächerübergreifend und projektorientiert. In Klasse 7 erhalten alle Sekundarschüler/innen den Berufswahlpass – einen nach bestimmten Aspekten gegliederten Aktenordner, in dem sie bis zum Ende ihrer Schulzeit sämtliche Unterlagen zur Berufsorientierung sammeln. In Klasse 8 setzt die gezielte Berufsorientierung ein: Mit Info-Veranstaltungen für Schüler/innen und Eltern, mit individueller Beratung der SchülerInnen, mit Betriebspraktikum und Schnuppertagen an den Berufsschulen. Die SchülerInnen sollen sich so penetrant permanent, sprich: nachhaltig mit ihren beruflichen Möglichkeiten auseinandersetzen, dass sie gar nicht anders können als für sich Perspektiven zu entwickeln. Am Schuljahresende entscheidet allerdings erst mal das Zeugnis, in was für eine Klasse 9 man kommt: Offiziell heißt es zwar nicht mehr Haupt- und Realschule, sondern `Erweitertes Berufsbildungsreife-Profil´ und `Mittlerer Bildungsabschluss´, doch Auslesekriterium sind wie bisher die schulischen Leistungen. | ||||||||||||||||||||||
| Praxistag gilt nicht für die "Mittlere Bildungsreife" | ||||||||||||||||||||||
| Soweit das Konzept. Derweil beenden gerade die bislang ältesten Sekundarschüler die Klasse 7 und beginnen zu ahnen, dass sie einem sukzessiven Ausleseprozess unterliegen, der sie in einem Jahr wieder dahin bringt, wo sie ohne Sekundarschule auch gelandet wären: in eine Real- oder Hauptschulklasse. Die ersteren wird´s freuen, die anderen eher nicht. Viele fürchten, dass sie dann zu den anderen gehören. Wie gesagt: Geplant ist, dass alle mehr lernen als bislang. Die frühe Berufswahlorientierung soll Schüler/innen mehr Einsicht in die Berufsrealität vermitteln, der fortlaufende einjährige regelmäßige Betriebspraktikumstag sie zu anwendungs-, zu praxisorientierten Fragestellungen im Unterricht anregen, dazu, dass sie den Schulstoff in neuem Lichte sehen, erkennen, wozu man ihn braucht, sodass sie sich bereitwilliger damit auseinandersetzen, auch um Defizite zu beseitigen. Ein dreijähriger Schulversuch in Hamburg zeigt, dass dies erfolgreich funktionieren kann. (Anmerkung 3) Warum dann gilt dieses Konzept nicht für alle Sekundarschüler? „Das wäre sicher wünschbar, ist aber zur Zeit nicht umsetzbar“, so Matthias Feuser (Anmerkung 4). Die organisatorische Aufwand ist hoch: Die Kammern müssen angesprochen, Betriebe geworben, Praktikumsplätze aquiriert werden. Die Wirtschaft zeigt sich aufgeschlossener als angenommen. „Wir tun alles, dass genügend Plätze in Bremen zur Verfügung stehen werden“, so Feuser, „das wird laufen.“ | ||||||||||||||||||||||
| Praxistag verändert Unterricht | ||||||||||||||||||||||
| Die zukünftigen Bremer H-Schüler/innen müssen also in Klasse 8 überlegen, ob sie sich einen Praktikumsplatz im Betrieb suchen, wo sie nach einem einwöchigen Praktikum zu Schuljahresbeginn in Kl. 9 ganzjährig mindestens einen Tag pro Woche verbringen – ev. mit der Aussicht dort anschließend in eine Ausbildung übernommen zu werden – oder ob sie ihre beiden letzten Schuljahre lieber an einer Berufsschule verbringen, die ihnen ganzjährig Unterricht in einer werkstattähnlichen bzw. berufspraktischen Umgebung in dem von ihnen angestrebten beruflichen Bereich anbietet. (Anmerkung 5) Durch den wöchentlichen Tag im Betrieb wird der Unterricht auch anderer Fächer umgekrempelt: Die Schulen sind angewiesen, zusätzlich weitere Unterrichtsstunden festzulegen, in denen das Praktikum fortlaufend ausgewertet wird – das gehört zum Konzept dazu – und die Lehrkräfte, in deren Fachunterricht das stattfindet, sollen die Schülerinnen nicht nur betreuen, sondern auch bezüglich der Erfüllung ihrer vier `besonderen betrieblichen Lernaufgaben´ begleiten, beraten, unterstützen sowie Fragen und Anregungen, die die Schüler aus der Berufspraxis mitbringen, im Fachunterricht aufgreifen. Zuständig sind die LehrerInnen, die ihre SchülerInnen am besten kennen. Doch inwieweit wissen diese, was auf sie zukommt?. | ||||||||||||||||||||||
| Training on the job | ||||||||||||||||||||||
| Zur Zeit sind es die Leute in der Behörde oder von ihnen Beauftragte, die sich den Kopf über handhabbare Umsetzungen zerbrechen. Die Lehrkräfte, die das dann praktizieren sollen, sind vorerst damit beschäftigt, ihre ersten Erfahrungen mit der neuen Sekundarschulform zu machen: mit Fachinhalten, mit der Dynamik in der Klasse, mit der äußeren Fachleistungsdifferenzierung, mit der inneren Differenzierung, mit der Vereinbarung gemeinsamer Schwerpunktsetzungen mit KollegInnen. Zwar wissen sie, dass Ende nächsten Jahres endgültig die Weichen für die Sek. 8-Schüler gestellt werden, wissen aber jetzt noch nicht unbedingt, was dann ganz konkret kommt, fragen sich vielleicht, welche SchülerInnen sie dann wohl übernehmen. Mit dem, was gerade läuft, ist jeder ausgelastet, etliche zusätzlich mit Problemen durch verhaltensauffällige Schüler belastet. Zwar wird ab nächstem Schuljahr Fortbildung angeboten – doch die Fortbildner selbst müssen sich erst mal schlau machen. Am LIS wird es ein umfassendes Fortbildungsprogramm dazu geben. Doch offen ist, wie viele Lehrkräfte wirklich den Kopf frei und die entsprechende Zeit zu haben dahinzugehen, um sich derart gründlich fürs Schuljahr 08/09 Gedanken zu machen, wo sie doch gerade mit neuen Problemen des Schuljahrs 07/08 – dem ersten Jahrgang Kl. 8 – konfrontiert sind . Da hilft auch das hohe Fortbildungsquantum nicht unbedingt, wenn gleichzeitig außerdem SchiLF-Programme mit schuleigenen Aufträgen sowie fachspezifische Aufgaben fortlaufend weiter gemeinsam erdacht, diskutiert, abgearbeitet und reflektiert werden sollen, Förderempfehlungen zu schreiben sind ( auch wenn sie nichts bewirken) und wieder Abschlussprüfungen in Klasse 10 anstehen. Die Sekundarschule selbst ist umstritten. Man hat sie eingeführt, ohne die Schulstufen zuvor in Detail durchzuplanen, so dass die Lehrkräfte in diese neue Schulform hineingingen, ohne eine klare Vorstellung von dem zu haben, was am Ende stehen soll: ein H- und R-Abschluss wie gehabt (nur neu benannt)? Oder tatsächlich neue Leistungsprofile? | ||||||||||||||||||||||
| Anmerkungen | ||||||||||||||||||||||
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