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11/08 1.223 Unterschriften in fünf Wochen

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1.223 Unterschriften in fünf Wochen
Aus Sicht der Grundschule:Das Gift der frühen Selektion
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1.223 Unterschriften in fünf Wochen

Die Sammlung der Unterschriften für den Einwohnerantrag des Bremerhavener Bündnisses „Eine Schule für alle“ läuft auf vollen Touren. Die Hälfte der notwendigen Zahl an Unterschriften ist auf den Listen.

Wir bitten euch: Sammelt weiter und schickt die vollen Listen umgehend, spätestens bis zum 15. Dezember, an die GEW Geschäftsstelle.

Aus Sicht der Grundschule:Das Gift der frühen Selektion

Die Annahme, bei der Geburt seien alle Kinder gleich, greift zu kurz. Der Bildungserfolg ist in unserer Gesellschaft extrem abhängig vom sozialen Status der Eltern. Wenn sich daran etwas ändern soll und eine höhere Bildungsbeteiligung in allen Schichten gewünscht ist, muss das Gesamtsystem von Erziehung und Bildung betrachtet werden.

Fördersysteme müssen schon vor der Geburt beginnen, denn Förderbedarfe sind schon vor der Geburt bekannt. Frau Prof. Dr. Milhoffer stellte auf den Bremerhavener Grundschultagen in diesem Jahr das kanadische Projekt „Read to me“ vor. Es setzt bereits vor der Geburt in den Geburtskliniken sozial schwacher Regionen an und leitet Eltern an, auf spielerische Art die sprachlichen Fähigkeiten ihrer Kinder schon im Säuglingsalter zu fördern. Eine sinnvolle Maßnahme, die in ähnlicher Form in Bremerhaven durchgeführt werden sollte, wenn man den unabhängig von Nationalität und ethnischer Herkunft durch einen Test festgestellten extrem niedrigen Sprachstand der Grundschüler in dieser Stadt betrachtet. Fortgesetzt werden muss diese Förderung natürlich in Kinderkrippen und Kindertagesstätten. Das geschieht bereits in
einem zunehmenden Umfang. Nur müssen wir sehen, dass ein erheblicher Teil der Kinder – und davon viele mit erheblichen Entwicklungsrückständen – diese Einrichtungen gar nicht besuchen.

In vier Jahren Grundschulzeit können Defizite aus derzeit sechs Jahren frühkindlicher Entwicklung nicht ausgeglichen werden. Doch schon dann fällt eine extrem wichtige Entscheidung über den weiteren Bildungsweg. Diese frühe Entscheidung prägt wissend und nichtwissend ganz erheblich das Handeln der Lehrer in der Grundschule, die auch auf Druck der Eltern Art und Inhalt ihres Unterrichts auf den Schulerfolg der Kinder im Gymnasium ausrichten. Diese Tendenz ist selbst bei extrem differenzierten Unterrichts-verfahren nicht zu verhindern. Noch zu oft wird die Qualität eines Lehrers in bildungsnahen Schichten an der Menge und Schwierigkeit der gegebenen Hausaufgaben gemessen. In diesem System haben Kinder aus bildungsfernen Schichten deutlich geringere Chancen. Klassenarbeiten, die der Benotung dienen und für die zu Hause geübt werden muss, fördern die soziale Selektion- Es wird nicht positiv festgestellt, was dazu gelernt wurde, sondern negativ beurteilt, was noch nicht gekonnt ist. Das fördert nicht, sondern entmutigt.

Wenn wir eine höhere Bildungsbeteiligung aller gesellschaftlichen Schichten erreichen wollen, ist ein längeres gemeinsames Lernen ohne jede Ausgrenzung, das die individuelle Förderung jedes einzelnen Schülers im Blick hat, unabdingbar. Die Auffassung, das durch längeres gemeinsames Lernen begabte Schüler in ihrer Entwicklung eingeschränkt werden, wird in Europa nur in 17 Ländern geteilt – und davon liegen 16 in Deutschland! Eine höhere Bildungsbeteiligung in unserem Land ist maßgeblich davon abhängig, ob „Eine Schule für alle“ Wirklichkeit wird. Die Ent-scheidung darüber fällen die politischen Parteien. Sie sind in der Verantwortung.

Rainer Hüls
Sprecher der Fachgruppe Primarstufe

Noch ´mal nachgerechnet:

Die Aufregung über die PISA-Resultate ist schnell verklungen – die Hintergründe bleiben unbear-beitet. Zur genaueren Information und Stärkung der Auseinandersetzung haben wir einige aussagekräftige Zahlen zusammengestellt.

Bremen im Stadtstaatenvergleich:


Schüler pro Lehrer Sek I (2006)

Ausgaben je Schüler Allgemeinbildende Schulen (2005)

Berlin

13,8

6.100 €

Hamburg

14,9

6.200 €

Bremen

16,8

5.300 €



15-jährige mit Migrationshintergrund
in % der Altersgruppe (2003)

Bevölkerungsanteil mit Hochschulreife
in % der Bevölkerung (2005)

Berlin

26,1

34,4

Hamburg

34,6

34,5

Bremen

35,8

27,3


Schon ´mal vormerken:

Montag, 08. Dezember, 15.00 Uhr,
R 204 A&L, Gewerkschaftshaus
Initiative BremerhavenerInnen für Kinder und Jugendliche

Mittwoch, 07. Januar, 17.00 Uhr
Kultursaal der Arbeitnehmerkammer, Friedr.-Ebert-Str.
Mitgliederversammlung zur Tarif- und Besoldungsrunde 2009

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