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11/06 - Bremer GT: Armut und Bildung + VERA

Seitenabschnitte:
Der Zusammenhang zwischen Armut und Bildungserfolg
Ergebnisse der letzten VERA-Untersuchung

Der Zusammenhang zwischen Armut und Bildungserfolg

Auf dem Bremischen Gewerkschaftstag trug Kollege Klaus Jakubowski von der Arbeitnehmerkammer ein bemerkenswertes Referat zur tatsächlichen Armutssituation im Bundesland Bremen vor.

Einige Zahlen (Bundesland Bremen):

Arbeitslose i.S. des AFG 48.000 Menschen
+ Arbeitssuchende (z.B. 1€-Jobber) 27.000 Menschen
+ Personen mit 58-er Regelung 4.000 Menschen
+ Fortbildung/Umschulung 2.500 Menschen
+ Personen in Zwangsteilzeit/
mit Minijobs ca. 20.000 Menschen
------------------------
ca. 100.000 Menschen

Daraus folgt ein Arbeitsplatzdefizit von 125.000 Arbeitsplätzen

Die Armutsgrenze in Deutschland ist gemäß Definition der Bundesregierung festgelegt bei 60 % des gesellschaftlichen Durchschnittseinkommens.

Das sind 938 € p.P./Monat
51,5 % der Einwohner des Bundeslandes haben bis zu 1.500 € monatlich, aber in Lebenszusammenhängen mit 1,86 Personen.

Daraus folgt: Die Menschen haben 806 € p.P./Monat
zur Verfügung und fallen unter die Armutsgrenze.

Das sind in Bremen und Bremerhaven 330.000 Personen!
bei 664.000 Einwohnern

Situation der Kinder (= Menschen unter 15 Jahren)

Sozialgeld nach ALGII erhalten 27.000 Kinder
Sozialhilfe nach SGB XII erhalten 2.000 Kinder
-------------------
29.000 Kinder
in Bremen u. Bremerhaven.

Der Anteil der armen Kinder im Bundesland beträgt = 32 %
Zum Vergleich:
Die Quote Bremerhaven 40 %
Die Quote Bundesrepublik-West < 10 %

Diese Kinder erhalten 207 € monatlich Sozialgeld,
darin: 1,76 € für Schreib- und Zeichenmaterialien
4,40 € Schuhgeld

Ergebnisse der letzten VERA-Untersuchung

Aufhorchen lassen die Ergebnisse der letzten VERA-Untersuchung nicht nur wegen des dort vermerkten „schlechten Abschneidens“ insbesondere der Bremerhavener Kinder. Bei dem in der Bundesrepublik nachgewiesenen Zusammenhang von Armut und Bildungs(-miss)erfolg ist das kein Wunder.

Datenvergleich Bremen / Bremerhaven nach sozialen Merkmalen:
Kontextvariablen (Vergleich Bremen – Gesamtstichprobe); durchschnittliche Klassenanteile in Prozent



Deutsch nicht-dominante Sprache

Schule liegt in sozialem Brennpunkt

Familie gehört zur Unterschicht

Familie von Arbeits-losigkeit betroffen

Familie bezieht Sozialhilfe

Bremen

19,0

52,6

38,7

22,2

23,0

Bremerhaven

25,1

64,1

44,4

30,8

29,5

alle Länder

10,6

32,2

27,0

15,9

14,6


Um den „Schulerfolg“ ermitteln zu können, wurden die dem Test unterzogenen Kinder in 3 „Kontextgruppen“ eingeteilt, die wie folgt zusammengesetzt sind:
Beschreibung der drei Kontextgruppen anhand durchschnittlicher Merkmalsausprägungen, Angaben in Prozent



Kontextgruppe



1

2

3

Anteil der Kinder mit Deutsch als nicht dominanter Sprache

~3

~7

~46

Anteil der Klassen im sozialen Brennpunkt

~0

~60

~100

Anteil der Kinder aus Familien der Grundschicht

~10

~41

~73


Die Ergebnisse belegen, dass Bremerhavener Kinder aufgrund ihrer sozialen Situation besonders gefördert werden müssen, sollen Lebens- und Startbedingungen mit denen in der Stadt Bremen vergleichbar sein:
Verteilung der Fähigkeitsniveaus, aufgeschlüsselt nach Kontextgruppen; Angaben in Prozent


Kontextgruppe

n.a.L.

FN1

FN2

FN3

N (Klassen)

Sachrechnen

1

0,9

26,3

33,5

39,2

54


2

0,8

37,1

35,6

26,5

108


3

1,9

55,3

26,9

15,8

54

Lesen

1

2,4

16,9

36,8

43,9

54


2

5,4

26,9

38,6

29,1

108


3

11,1

34,8

34,0

20,1

54


*nicht auswertbare Leistung

Es wird deutlich, dass sich die Leistungen in den drei Kontextgruppen erwartungskonform unterscheiden. Der Anteil von Kindern mit fortgeschrittenen Fähigkeiten steigt mit zunehmender Günstigkeit des Kontextes stetig an, während der Anteil von Kindern mit nicht auswertbaren Leistungen nahezu stetig abnimmt. Angesichts der gefundenen Korrelationen zwischen dem gebildeten Kontextindex und den Schülerleistungen überrascht dies nicht.


Diese Ergebnisse gehören in die öffentliche Diskussion!

Nächste Möglichkeit: MV am 29.11. mit Herrn Dr. Paulenz!
Ort: Aula der Astrid-Lindgren-Schule, Frenssenstr. 49,
Zeit: 16.30 Uhr

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